Archiv für November 2005


Bekanntgabe nachgereicht

29. November 2005 - 10:29 Uhr

Wieso eigentlich lesen wir immer wieder Sätze wie diesen, zumal in Pressemitteilungen, die morgens um kurz nach 8.00 Uhr in die Redaktionen flattern:

“Cellectricon gab heute die Markteinführung des neuen Dynaflow(TM) Pro II Systems für pharmakologische Sicherheitsuntersuchungen bekannt.”

Wem hat den Cellectricon das bereits in aller Frühe mitgeteilt? Und wieso wird die Presse erst viel später informiert. Ist nicht eigentlich die Pressemitteilung selbst die Ankündigung? Vermutlich ist sie das.

Und vermutlich ist auch das einmal mehr eine direkte Übersetzung aus englischem PR-Sprech, die auf Deutsch seltsam gestelzt klingt. Zumindest legt dies die ursprüngliche Mitteilung (PDF) nahe.

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Kollegenfieber

25. November 2005 - 11:40 Uhr

Manchmal schreiben auch die lieben Kollegen Pressemitteilungen, um ihre besonders gründlich recherchierten Stücke anzupreisen. Und ganz manchmal mutet das etwas sehr seltsam an, zum Beispiel, wenn das Fachmagazin “Digital World” verkündet:

“Die Unterhaltungselektronik-Branche ist im HDTV-Fieber.”

Das klingt im ersten Moment nach Hitze durch Reibung, weil das Geschäft brummt.

Doch wir erinnern uns, eben doch erst dieses gelesen zu haben:

“Das hochaufösende Fernsehen HD-TV ist nach jahrelangen Querelen endlich da. Die Industrie feiert sich und ihr Produkt. Doch König Kunde hat offenbar gar keine Lust darauf.”

Was verständlich ist, kann doch HD-TV niemand sehen, “weil entsprechende Satelliten-Empfangsgeräte Mangelware sind und Kabelkunden noch in die leere Kupferröhre schauen”.

Die Branche liegt also wohl eher im Fieber danieder. Na ja, immerhin werden die Geräte immer billiger, was auch irgendwie mit dem Fieber zusammen hängen soll.

“Das (Fieber, Anm. d. Bloggers) ist auch der Grund, warum zur Zeit die Preise für Plasmafernseher ohne “HD Ready”-Logo kräftig fallen.”

Hoffen wir also weiter auf den Kaufrausch.

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Einblick

25. November 2005 - 00:42 Uhr

Presseverteiler sind in vielen Unternehmen und Organisationen ein wertvolles Gut, das sie nicht jedem anvertrauen würden. Nicht so der Blinden- und Sehbehindertenverband Thüringen – der ist da freizügiger und schreibt seine ganzen E-Mailadressen von Journalisten und Redaktionen nicht ins BCC seiner Mail, sondern gleich ins “An:”-Feld. Nun wissen also alle Angeschriebenen, wer noch zu den Glücklichen zählt, die die Pressemitteilung bekommen haben.

Zwar sind die Adressaten klar, der wahre Absender bleibt aber im Dunkeln. Die Mail kommt vom Blinden- und Sehbehindertenverband Thüringen. Dieser schreibt allerdings:

“Sehr geehrte Damen und Herren, im Anhang eine Pressemitteilung des DBSV zu Ihrer Verwendung.”

Dem guten Rechercheur macht es natürlich keine Mühe dank Google schnell noch rauszufinden, wer der DBSV ist: Der Deutsche Boots- und Schiffbauerverband. Der Deutsche Bogensportverband. Der Deutsche Beach Soccer Verband. Es könnte sich auch um den Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband handeln.

Aber dieser taucht im anhängten Worddokument gar nicht als Absender auf. Dort steht als Absender eine Einzelperson. Wenigstens die angegebene E-Mailadresse im Anhang ist aufschlussreich. Sie endet auf “bonaparte-music.com”. Aha, das würde auch zu der Information passen, die mit der Mail unters Volk gebracht werden soll: Es gibt ein Musical zur Geschichte der Blindenbildung. Und schon ist man auch noch um eine Vokabel reicher: Blindenbildung.

Wann und wo das Musical aufgeführt wird, erfahren die Empfänger der Pressemitteilung nicht. Allerdings könnte der Presseverteiler dem eifrigen Rechercheur behilflich sein. Wenn der MDR und das Freie Wort angeschrieben werden, könnte das einen Hinweis auf eine Premiere in Thüringen sein. Oder lässt das nur Rückschlüsse auf den Absender zu?

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Wenn die BSA ermittelt

24. November 2005 - 15:01 Uhr

Wir dachten bisher, Durchsuchungen seien Sache der Polizei. Und wir dachten auch, dass selbst die Polizei dafür den Beschluss eines Richters braucht, der gerne auch Durchsuchungsbefehl genannt wird. Zumindest im “Tatort” und den zwei, drei anderen Krimi-Serien im Fernsehen ist das eigentlich immer so.

Doch vielleicht ist das auch alles anders, das sagen zumindest die (selbsterklärten) “Raubkopierer”-Jäger der BSA:

“Sieben von 10 Unternehmen müssten nicht von der BSA durchsucht werden”

Na ja, wir lernen ja gern mal was Neues. Nur warum die Damen und Herren sich nicht entscheiden können, Zahlen zwischen eins und 12 entweder 7 und 10 oder sieben und zwölf zu schreiben, das bleibt uns verborgen.

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Einigkeit

18. November 2005 - 16:19 Uhr

Der VW-Vorstandsvorsitzende Bernd Pischetsrieder in einem vorab veröffentlichten Interview mit dem Nachrichtenmagazin “Focus” über sein Verhältnis zu Aufsichtsratschef Ferdinand Piech:

“Ich kenne Herrn Piech schon sehr lange und kann mich an keinen einzigen Fall erinnern, bei dem wir anderer Meinung waren. Wir kamen bei gleicher Meinung höchstens mal zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen. Das finde ich normal.”

Aha.

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Verbreiten lassen

18. November 2005 - 13:15 Uhr

In unsere Rubrik “Ungenauigkeiten” schreibt sich heute der Internetdienst www.gesetzlichekrankenkassen.de. In einer Pressemitteilung lässt er uns über Bundesgesundheitsministerium Ulla Schmidt (SPD) wissen:

“In Interviews ließ sie erneut verbreiten, die Zahl der Gesetzlichen Krankenkassen solle durch Fusionen deutlich gesenkt werden.”

Natürlich lässt Frau Schmidt da nichts verbreiten, denn das setzte ja eine Anweisung voraus. Sie gibt ein Interview und sagt etwas. Für die Verbreitung sorgen die Medien allein – immer dann, wenn sie meinen, dass sie sollten.

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Pünktlichkeit auf chinesisch-österreichisch

16. November 2005 - 14:16 Uhr

Bisher dachten wir, Pünktlichkeit sei vornehmlich eine deutsche Tugend. Doch die Österreicher scheinen uns in diesem Punkt bei weitem überlegen zu sein. Oder sind es die Hongkong-Chinesen?

Das österreichische Mobilfunkunternehmen Hutchison 3G Austria, eine Tochter des Mischkonzerns Hutchison Whampoa aus Hongkong, teilt uns heute, also am 16. November mit:

“Pünktlich einen Monat vor Weihnachten wird Hutchison 3G Austria (H3G) den ersten Videomail-Service für mobile Endgeräte in Österreich auf den Markt bringen.”

Abgesehen von der Frage, warum ein Monat vor dem Fest “pünktlich” ist, sind es noch 38 Tage bis zur Bescherung. In Österreich ist man wohl gern ein bisschen vorsichtig und startet zur Sicherheit eine Woche vor der selbst gewählten Pünktlichkeit:

“Ab sofort haben damit 266.000 Kunden von H3G Zugang zu dieser erstaunlichen mobilen Anwendung.”

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Stoke tritt (endlich) aus dem Schatten

15. November 2005 - 17:07 Uhr

Wir sind uns nicht ganz sicher, kommen aber nach dem zweiten Lesen zu dem Schluss, dass dieser Satz etwas sehr pathetisch klingt – also abgesehen davon, dass wir ihn rein inhaltlich eh nicht verstehen:

“Stoke Inc. ist heute aus dem Schatten getreten und hat seine Pläne für eine IP-Dienstbereitstellungsplattform für konvergente Fest- und Mobil-Netze enthüllt.”

Vielleicht liegt das -und zwar beides – daran, dass die deutsche Version schlicht eine Übersetzung des US-amerikanischen Originals (PDF) ist. Der Übersetzer hat nur die eher negativ besetzte “Heimlichkeit” (stealth) in “Schatten” verwandelt – was natürlich im Kontext mit einem Wirtschaftsunternehmen kaum vorteilhafter anmutet.

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Kleinfeld zielt auf Siemens Ziele

10. November 2005 - 14:20 Uhr

Wenn Siemens-Chef Klaus Kleinfeld uns mit der Bilanz seines Unternehmen mitteilt, er habe die “Ziele für das Geschäftsjahr 2007 fest im Blick”, dann beruhigt uns das. Irgendwie. Wobei, irgendwie versteht sich das ja auch von selbst, oder? Schließlich ist der Mann Chef. Als solcher sollte er es wissen.

Und er weiß es, zum Glück, denn er sagt, “dass die notwendigen Maßnahmen zur strategischen Neuausrichtung unser Ergebnis und unseren Cash flow 2006 im positiven wie im negativen Sinne beeinflussen werden.” Alles klar?

Übersetzt möchte uns der Siemens-Chef vermutlich sagen, dass bei der weiteren Sanierung einiger Konzernteile noch ordentlich gehobelt werden muss, um nicht weiter draufzahlen zu müssen. Und das kann eben auch Geld kosten, wie wir beim Verkauf der Handy-Sparte ja bereits gesehen haben.

Immerhin entlässt uns Kleinfeld in der Sicherheit: “Wir sind aber auf bestem Weg, Siemens fit für die Zukunft zu machen.”

Puh, dann ist ja gut.

(Nachzulesen hier)

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Verzehrsfälle

5. November 2005 - 12:04 Uhr

Die ZMP – das sind die, die die Preise für Nahrungsmittel aus der Landwirtschaft beobachten – hat sich der Entwicklung im deutschen Schnellimbiss-Wesen angenommen und festgestellt:

“Die Tops und Flops bei der Wahl der Speisen hing eng zusammen mit der Entwicklung in den Segmenten. Speisen für den schnellen Konsum sowie vegetarische Hauptgerichte waren die Renner. Das größte Wachstum mit einem Plus von 7,2 Prozent bei den Verzehrsfällen verbuchten die Fleischsnacks für sich, wobei dieser Zuwachs fast ausschließlich aus dem Schnellverpflegungsbereich stammte. Hier waren es in erster Linie die großen Burgerketten, die durch Promotion dem Markt neue Impulse gaben.”

Wenn wir also übermorgen mal wieder zu McDonald’s gehen, dann ist das nicht etwa ernährungsphysiologisch fahrlässig, eine Verzweiflungstat aus akutem Hunger oder einfach nur ein leckerer Schmaus, nein, dann begehen wir einen Verzehrsfall. Gut, wir sagen Bescheid, für die nächste Statistik zum Imbissverhalten der Deutschen.

Fast ebenso komisch ist die Promotion, die die Burgerketten da betreiben. Klingt extrem wissenschaftlich, gemeint ist aber wohl die tagtägliche Werbeschlacht.

Abgesehen davon ergibt der doppelte Plural in Tops und Flops natürlich kein Singular, Sprache ist schließlich nicht Mathematik. Zum Glück.

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