Einblick

Presseverteiler sind in vielen Unternehmen und Organisationen ein wertvolles Gut, das sie nicht jedem anvertrauen würden. Nicht so der Blinden- und Sehbehindertenverband Thüringen – der ist da freizügiger und schreibt seine ganzen E-Mailadressen von Journalisten und Redaktionen nicht ins BCC seiner Mail, sondern gleich ins „An:“-Feld. Nun wissen also alle Angeschriebenen, wer noch zu den Glücklichen zählt, die die Pressemitteilung bekommen haben.

Zwar sind die Adressaten klar, der wahre Absender bleibt aber im Dunkeln. Die Mail kommt vom Blinden- und Sehbehindertenverband Thüringen. Dieser schreibt allerdings:

„Sehr geehrte Damen und Herren, im Anhang eine Pressemitteilung des DBSV zu Ihrer Verwendung.“

Dem guten Rechercheur macht es natürlich keine Mühe dank Google schnell noch rauszufinden, wer der DBSV ist: Der Deutsche Boots- und Schiffbauerverband. Der Deutsche Bogensportverband. Der Deutsche Beach Soccer Verband. Es könnte sich auch um den Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband handeln.

Aber dieser taucht im anhängten Worddokument gar nicht als Absender auf. Dort steht als Absender eine Einzelperson. Wenigstens die angegebene E-Mailadresse im Anhang ist aufschlussreich. Sie endet auf „bonaparte-music.com“. Aha, das würde auch zu der Information passen, die mit der Mail unters Volk gebracht werden soll: Es gibt ein Musical zur Geschichte der Blindenbildung. Und schon ist man auch noch um eine Vokabel reicher: Blindenbildung.

Wann und wo das Musical aufgeführt wird, erfahren die Empfänger der Pressemitteilung nicht. Allerdings könnte der Presseverteiler dem eifrigen Rechercheur behilflich sein. Wenn der MDR und das Freie Wort angeschrieben werden, könnte das einen Hinweis auf eine Premiere in Thüringen sein. Oder lässt das nur Rückschlüsse auf den Absender zu?

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