Autokauf im Schuhgeschäft

Es gibt Wissenschaftsbereiche, von denen hätte man nie geahnt, dass es sie gibt. Oder wussten Sie, dass die Hochschule Niederrhein ein „Kompetenzzentrum Frau und Auto“ unterhält?

Dieses Kompetenzzentrum hat nun als „Partner“ eines Projekts zum Thema Online-Autokauf von Frauen den Anbieter mobile.de gewinnen können und hat in einer Studie interessante Dinge ans Licht der Öffentlichkeit gebracht: „Je jünger die befragten Autofahrerinnen, desto selbstverständlicher ist für sie die Nutzung des Internets – auch für die Vorbereitung des Autokaufs“, läßt sich die verantwortliche Professorin in einer Pressemitteilung, die über den Informationsdienst Wissenschaft verbreitet wurde, zitieren. Junge Frauen kauften überdurchschnittlich häufig gebrauchte Autos, „die wiederum bei den Online-Fahrzeugbörsen in riesiger Auswahl gehandelt werden (…).“ Vom „Wachstumsmarkt Frau“ ist in der Bildunterschrift zu lesen.

Doch wie erreicht man diese jungen Frauen nun? „Bei Mobile.de und autoscout24 setzt man bisher weitgehend auf Mundpropaganda“, erfahren wir. Ups. Autoscout24? War das nicht die Konkurrenz von Mobile.de? Genau. Und deshalb muss die Pressemitteilung auch prompt korrigiert werden. Und vielleicht ist auch der Einstieg in die Pressemitteilung nicht so geglückt „Eins, zwei, drei….meins“ steht da. Und weiter: „Was mit ebay erfolgreich begann, setzt sich bei Online-Fahrzeugbörsen dynamisch fort“. Das war dann vielleicht doch ein wenig zu viel des Guten (auch wenn Mobile.de ein ebay-Unternehmen ist). Zumindest der Werbeslogan fliegt in der 2. Fassung der Pressemitteilung raus.

Aber der Schluß der Mitteilung, in den hat sich der Autor der Meldung richtig verliebt. Was passt besser zu Frauen als der Hang zu Schuhen? Das müssen die vom Kompetenzzentrum ja wissen. Und deshalb heißt es am Ende auch: „Auf die Frage, wie Online-Autobörsen noch fester im Bewusstsein junger Frauen verankert werden könnten, hatte eine Studentin einen umwerfenden Vorschlag parat: durch Kooperation mit Schuhgeschäften!“ Grandios! Da merkt man gleich, die kennen ihre Untersuchungsgruppe. Welche Frau hat nicht schon immer davon geträumt, ihr Auto im Schuhgeschäft zu kaufen?

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