Archiv für März 2009


Journalismus ohne PR – (k)ein Traum

15. März 2009 - 16:09 Uhr

Eine einfache Antwort auf ihre Frage, lieber Manz, gibt es nicht. Ich versuche es mal mit Differenziertheit (also einem klaren Jein).

Es gibt Tage, da würde mir etwas fehlen ohne PR. Hätte mich der Öffentlichkeitsarbeiter des Vision Summit nicht auf diese Konferenz zum Thema Social Business aufmerksam gemacht, ich hätte diese wundervolle Veranstaltung glatt verpasst. PR sei Dank bin ich nach Berlin gereist und konnte mit dem Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus über die Finanzkrise sprechen. Ein weiteres Beispiel aus den vergangenen Wochen: Der Eigen-PR der Agentur Weber Shandwick verdanke ich es, dass ich die Reputationsforscherin Leslie Gaines-Ross getroffen habe und mit ihr ebenfalls über die Finanzkrise sprechen konnte (nein, es gibt nicht so furchtbar viele andere Themen zurzeit). In beiden Fällen hat PR funktioniert, und zwar nicht nur für die Öffentlichkeitsarbeiter, sondern auch für mich als Journalist. Leider jedoch ist das die Ausnahme.

Der Alltag sieht eher so aus, dass PR-Menschen anrufen, die ich nicht kenne, beauftragt von Unternehmen, die ich auch nicht kenne. Und die Unternehmen sind häufig genug in einem Arbeitsfeld unterwegs, für das ich mich noch nie interessiert habe. Für diesen Teil der Argumentation gibt es so viele Beispiele, dass ich keines aufzuführen vermag. Denn mein Hirn leitet diese Anrufe durch den Filter des Vergessens, zurück bleibt allein das dumpfe Gefühl, schon wieder unterbrochen worden zu sein, und der Drang, den Gedanken vor dem Telefonklingeln wiederzufinden. Deshalb sind die Anrufe auch viel schlimmer als all die Pressemitteilungen, die ungelesen in den Papierkorb wandern. Denn die unterbrechen den Arbeitsfluss nicht. Vorausgesetzt man beherrscht die Kulturtechnik E-Mails löschen einigermaßen.

Ein Kollege von Ihnen, geschätzter Manz, sagte mir einmal: Am Ende gehe es allein darum, etwa 100 Journalisten in Deutschland zu kennen und zum jeweiligen Thema die richtigen von ihnen zu anzusprechen. Er geht sogar so weit, dass er zuweilen Kollegen von mir anruft und sie darauf aufmerksam macht, dass sie auf einem Dutzend Verteilern für Pressemitteilungen sind, und fragt, ob sie das denn wirklich sein wollen. Solche Anrufe würde ich auch gerne erhalten. Auf dieser Basis können Journalisten und PR-Menschen zu reden beginnen.

Meine dringende Bitte deshalb: Lernen sie mich kennen. Und meine Kollegen auch. Erst dann sollten sie unsere Nummern wählen. Und wenn sie zwischendurch ein bisschen streiken wollen, dann geht das in Ordnung.

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Wie liefe ein Journalisten-Alltag OHNE PR…

6. März 2009 - 14:26 Uhr

… fragt sich mein geschätzter Kollege Stephan Eichenseher in dessen Blog Silberlicht. Eine provozierende Frage, gewiss. Hergeleitet über die ironische Bestandsaufnahme, dass Streiks derzeit Konjunktur haben. Was wäre also, wenn die PR-Riege streiken würde?

These hierzu: Starkes Aufatmen bei vielen Journalisten. Die PR als lästig empfinden, ggf. sogar als unnötig. Woher das kommt? Sicherlich auch davon, dass viele PR-ler schlecht ausgebildet sind, letztlich jeder sich selbst einen PR-ler nenen darf, keine Redaktionsabläufe kennen etc. Doch m.E. eben auch, weil Journalisten allzu oft eine stark ausgeprägte Eitelkeit mit sich bringen.

Aber: PR-ler machen doch viel mehr – wenn sie ihren Job verstehen. Sie bringen Meinungen in Bewegung – mit & über Journalisten bzw. Medien. Aber auch bei Multiplikatoren, Politik, Öffentlichkeit. Also der jeweiligen Zielgruppe. Sind Sparringspartner bei strategischen Fragen. Löschen Brandherde – oder entfachen auf Wunsch auch ein Feuer, denn Feuer zieht an. Und: Agieren immer mehr auch OHNE Journalisten – weil diese dank Social Media & Co manchmal gar nicht mehr gebraucht werden, um die Botschaften an die Zielgruppe zu bringen.

Doch zurück zum Verhältnis Medien – PR. Die Frage, die Eichenseher gewohnt gekonnt und wunderbar ironisch aufstellt, lautet: Würden Journalisten wirklich (noch) ohne PR-ler auskommen? Wie könnten sonst die kleinen, aber oftmals unheimlich spannenden Geschichten den Weg in die Medien finden, wenn gleichzeitig landauf, landab Journalistenstellen gestrichen, Redaktionen zusammengelegt, “Kosten optimiert” werden? Sind gute PR-ler nicht eine willkommene Hilfe? Als echte Netzwerker, die Leute zusammenbringen? Die Themen sauber vorbereiten? Die Arbeit erleichtern?

Also, lieber Herr Sievers, was meinen Sie? Gibt es ein Journalisten-Leben ohne PR? Macht so etwas Spaß?

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Der Opener – ein Blick zum Thema in Google

1. März 2009 - 23:40 Uhr

Ich bin ein Verfechter von der hohen Bedeutung von Suchmaschinen. Für die Kommunikation, insbesondere auch für die PR. Was könnte diesen Diskurs also besser eröffnen, als die Krake Google zu befragen, was denn so zu den Keywords “Journalismus PR” zu finden ist. Und siehe da: Ein passender Beitrag steht heute abend ganz oben.

Einen Auftakt zur Diskussion, die um fast 23.30 Uhr angestossen werden wird, soll das in meinen Augen selbstgefällige Fazit des Autors Thomas Schnedler, in der Eigenwahrnehmung Journalist, darstellen. Sieht es Björn Sieveres etwas genauso so dramatisch, dass PRler nur das Ziel verfolgen, die “Glaubwürdigkeit journalistischer Produkte [...] aushöhlen” zu wollen?

Ich gebe offen zu: Bisher habe ich das Werk von Herrn Schnedler nicht en detail gelesen. Aber dessen Fazit versucht sich an einem Schwarz-Weiß Rollenbild “guter Journalist – fragliche PR” . Und das kann so nicht stehengelassen werden.

Der vorletzte Satz…

Pressesprecher und Öffentlichkeitsarbeiter sind keine Journalisten, sondern eine eigenständige Berufsgruppe mit Anforderungen, die dem unabhängigen Journalismus entgegenstehen.”

ist m.E. ein Paradebeispiel dafür. Denn: Unabhängiger Journalismus beleuchtet alle Seiten. Sucht Geschichten, schreibt Themen. Und nutzt daher PR-Angebote – wenn diese seriöser Natur sind. Und PR-ler machen genau dies. Stellen Geschichten vor. Arbeiten Themen aus. Aber sicher nicht nur gegenüber Journalisten – sondern gegenüber allen Zielgruppen.

In diesem Sinne: Sievers, übernehmen Sie!

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