Warum eigentlich noch Pressemitteilungen per E-Mail?
Ich hätte da mal eine Frage, lieber Manz: Warum eigentlich verschicken sie (also persönlich und als Branche) eigentlich noch Pressemitteilungen per E-Mail?
Jeden Tag verbringe ich ein paar Minuten mit der lästigen Aufgabe, mein Postfach von Pressemitteilungen zu befreien. Leider gestattet es mir mein dienstlicher Mail-Server nicht, ein PM-Killfile anzulegen. Glauben Sie mir, ich täte es gerne, hätte es schon lange getan. Vermutlich verwende ich ein- oder zwei-, maximal dreimal im Jahr eine Pressemitteilung für die Berichterstattung. Da wäre es fast billiger, mir diese wenigen Meldungen, die mich tatsächlich interessieren, persönlich an den Schreibtisch zu liefern.
Jetzt werden Sie einwenden: Aber wie um Himmelswillen sollen wir (also die Branche der PR-Menschen) wissen, was gerade Sie interessiert? Da kann ich nur antworten: Steht alles im Netz. Man nehme Goolge und meinen Namen und treffe auf ein offenes Buch: ein Feed meiner Texte für den Broterwerb, ein privates Blog, ein öffentlicher Feed meiner Bookmarks – und nicht zuletzt Feeds aller Beiträge meiner Kollegen. Um es ein wenig zuzuspitzen: Wer in diesem Buch nicht lesen kann, möge nachsitzen oder den Beruf wechseln.
Nur mal so zwei, drei Beispiele von heute:
Der VATM schreibt mir: “Wir werden die Weißen Flecken schließen”. Aha. Was der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten mir damit sagen will, erfahre ich erst nachdem ich die Mail geöffnet habe (es geht um die Breitbandversorgung auf dem Acker Land). Das weiß ich aber nur, weil ich die Pressemitteilung für eben dieses Posting aus dem Müll gefischt habe. Denn neben der kryptischen Überschrift verrät mir der Absender nicht einmal, dass die Pressemitteilung vom VATM kommt. Gesendet wurde sie von “Presse Profile”. So etwas lese ich allenfalls aus Versehen.
Noch ein Beispiel:
“Incity Immobilien AG erwirbt Mehrheitsbeteiligung an informica real invest AG” steht im Betreff einer weiteren E-Mail. Versandt von Presse Incity. Das klingt schon ein wenig durchdachter, ist aber kaum aufschlussreicher. Nur kenne ich weder die Incity Immobilien AG, noch die informica real invest AG. Eine kurze Archiv-Recherche ergibt zudem, dass weder FOCUS Online noch das FOCUS Magazin jemals über eines dieser Unternehmen berichtet haben. Einen Grund, gerade heute damit zu beginnen, sehe ich nicht.
Nun, lieber Manz, verraten Sie (jetzt mal persönlich und nicht als Branche) uns doch mal, wie halten Sie es denn mit den Pressemitteilungen. Ein Kollege von Ihnen sagte mir schon vor einiger Zeit: Er müsse eigentlich nur so gegen 100 Journalisten kennen in Deutschland. Und da er die wirklich kennt, ruft er einfach an, wenn er glaubt, das Thema müsste passen.
[...] meine Frage nach den Pressemitteilungen per E-Mail schließe ich damit eine weitere Frage an: Was bringt es eigentlich, das Nachfassen und das andere [...]
[...] liegt noch das E-Mail-Stöckchen in Ihrem Feld – nur um Sie zu erinnern: “Warum eigentlich noch Pressemitteilungen per E-Mail?”. Nun hab ich mir gedacht, werf ich doch einfach noch ein Stöckchen hinterher und frage: Was ist [...]
[...] Einen spannenden Beitrag haben Sie da geschrieben, mein lieber Herr Sievers. Nur seien Sie sich gewiss: Sie genießen (immer noch) einen gewissen Ausnahmestatus innerhalb Ihrer Kollegen-Zunft. Sowohl als Online-Redakteur per se, als auch als Web-Enthusiast. Denn: Die allermeisten Ihrer Kollegen sperren sich weiterhin gegen die Entwicklungen im Web – die es bspw. AUCH ermöglichen (wie Sie ja auch zu Recht darauf hinweisen!), ein Bild über die Themen und Interessen eines Journalisten zu erhalten – wenn man denn danach sucht. [...]
[...] einiger Zeit, möglicherweise erinnern Sie sich, lieber Manz, fragte ich: Warum eigentlich noch Pressemitteilungen per E-Mail? Heute muss ich zugeben: Die Frage war naiv, schließlich will sie der Kunde und schließlich zahlt [...]
[...] wird die aktuelle Debatte durch Journalisten wie Jens Bergmann von Brand Eins und Björn Sievers von Focus Online, die da sinngemäß sagten, sich über den Tag zu freuen, an dem sie endlich die [...]