Wenn Twitter die neue Kommunikation ist

Ihre Antwort in Sachen das liebe Telefon und die PR, lieber Manz, beruhigt mich einigermaßen. Solange Sie die Tanjas und die Anjas nicht auf uns loslassen, sind Sie wenigstens nicht auf dem falschen Weg. Immerhin.

Nun liegt noch das E-Mail-Stöckchen in Ihrem Feld – nur um Sie zu erinnern: „Warum eigentlich noch Pressemitteilungen per E-Mail?“. Nun hab ich mir gedacht, werf ich doch einfach noch ein Stöckchen hinterher und frage: Was ist eigentlich, wenn Twitter nicht nur Twitter, sondern das neue Kommunikationsmodell ist?

Twitter ändert die Beziehung zwischen Sender und Empfänger. Das hat das Internet natürlich in den vergangenen Jahren bereits. Waren in einer längst vergangenen Zeit Medien Sender und Zeitungsleser und Fernsehzuschauer Empfänger, ist das heute nicht mehr so eindeutig. Schon im Usenet waren alle gleichberechtigte Sender und Empfänger, gleiches gilt für Mailinglisten. Heute können Leser online Artikel auch bei Mainstreammedien kommentieren, können in ihrem eigenen Blog TV-Rezensionen schreiben, auf Digg.com und Ohmynews eigene Medien schaffen – die Zahl der Kanäle ist unerschöpflich.

Und doch setzt Twitter noch einen drauf, weil es die Sender-Empfänger-Beziehung umkrempelt. Im Usenet und in Mailinglisten konnte jeder gleichberechtigt auf ein Posting antworten, weil alle die gleichen Inhalte bekommen haben. Bei Twitter gibt im Extremfall zwischen der Gruppe meiner Follower und denen, die ich verfolge, keine Schnittmenge. Denn wen ich lese, der liest mich noch lange nicht und umgekehrt.

Was aber bedeutet das für die PR? Bisher war PR vor allem Sender. Da wird eine Zielgruppe definiert, sagen wir Journalisten, die für bestimmte Fachmagazine schreiben, und die bekommt die Pressemitteilung oder eine Einladung. Wenn aber Twitter die neue Kommunikation ist, dann kann der geneigte PR-Mensch dem Journalisten plötzlich keine Nachricht mehr schicken, es sei denn, der geneigte Kollege hat die Nachrichten des PR-Arbeiters abonniert.

Was also tun? Reicht es, die Liste der 20 größten Twitter-Fehler auswendig zu lernen? Oder gehört mehr dazu?

(Mir ist es ganz angenehm, dass ich Sie, lieber Manz, hier mit Fragen beschießen kann. Denn dann muss ich wenigstens nicht antworten, zum Beispiel auf die Frage, was denn Medien mit der neuen Twitter-Welt machen.)

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0 Antworten auf Wenn Twitter die neue Kommunikation ist

  1. Thilo sagt:

    [Zitat]Was aber bedeutet das für die PR?[/Zitat]

    Gute Frage. Und sie sollte in ganz anderen Dimensionen gestellt werden als „nur“ in Bezug auf Twitter. Denn Twitter verändert nicht die Kommunikation, sondern die Veränderung der Kommunikation resultiert in Twitter. Wer das Cluetrain-Manifest nicht versteht, braucht es mit Twitter gar nicht erst zu versuchen.

    Da geht es weniger um klassische Lehrbuchtheorien wie Sender-Empfänger, das greift zu kurz. Es geht vielmehr darum, wie wir heute mit unserer digitalen Umwelt in Beziehung stehen.

    Der Erfolg des Internets konstituiert sich über eine etablierte Erwartungshaltung, nämlich:
    Hier finde ich auf meine Fragen die passenden Antworten. Das ist zu 100% sicher.
    Diese Erwartungshaltung treibt alles an. Das Internet ist ein Informationsmedium mit nahezu unbegrenzten Quellen. Deshalb ist nicht mehr die Frage relevant, ob ich etwas finde. Vielmehr ist relevant, ob meine Suchergebnisse auch meinen Bedürfnissen entsprechen.

    Und hier kommt der große Umbruch: Ich kann meine Bedürfnisse im Internet für alle sichtbar artikulieren. Im Internet fordere ich ein, was ich an Informationen, Beratung, Unterhaltung, Hilfe, etc. erwarte. Ich habe eine Stimme. Und wer diese Stimme hört, kann mit mir in den Dialog treten. Wenn mir der Support eines Unternehmens nicht weiter hilft, findet sich bestimmt ein Nutzerforum, in dem das Problem gelöst wird. Somit schwindet die Deutungshoheit eines Unternehmens über seine Produkte. Oder eben seine Informationen. Daraus resultiert ein Kontrollverlust über die Kommunikation. Twitter ist dafür einfach ein weiteres Instrument.

    Und das ist die Bedeutung für die PR: Wir können den Dialog nicht mehr kontrollieren. Er findet sowieso statt, mit oder ohne uns. Über unsere Unternehmen wird geredet, ob wir wollen oder nicht. Und unsere Mitarbeiter sind mit dabei. Sie heißen Maxi74 oder Poppaka, aber es sind unsere Mitarbeiter und sie äußern sich. Und ganz bestimmt nicht im Sinne der On-Voice-Policy.

    Der PRler der Zukunft? Das ist kein Schönredner mehr, kein Wortakrobat oder Journalistenbelästiger. Der PRler der Zukunft ist ein interner Kommunikations-Berater und seine Klientel sind die eigenen Mitarbeiter.

  2. jan sagt:

    @Thilo: Indem Du Deinen Kommentar VOR meine Antwort auf Bjöern’s „Frage“ postest, belegst Du einige Deiner Thesen (Schnelligkeit…) bereits. Die Thesen decken sich auch mit der Forschung von Prof. Pleil, siehe bspw. http://zweinull.wordpress.com/tag/cluetrain-pr/

    Ich werde mich beeilen mit der „offiziellen“ Antwort – denn so sehr ich in einigen Punkten ‚d accord gehe, sehe ich ein paar Punkte aber auch anders. Bspw. Stichpunkt One-Voice-Policy – dass diese durch Social Media & Co aufweicht: stattgegeben. Aber: dies stellt an die Kommunikatoren neue Aufgaben. Denn so schön ein Mosaik auch sein kann – hübsch wird es erst im Rahmen. Doch ich greife vor…

  3. Pingback: Twitter: Journalisten sind nur noch einige von Vielen - PRlen