Twitter: Journalisten sind nur noch einige von Vielen

Sie schreiben etliche absolut richtige Punkte in Ihrem Beitrag über die Twitter-Kommunikatons-Frage, mein lieber Herr Sievers. Aber bei einigen Punkten stellte sich mir beim Lesen dann doch die Frage, ob Sie in Ihrer (Zweit-) Funktion als Dozent an der UMC Potsdam Ihrer Zielgruppe (=PR-ler) neben nachweislich gutem Web-Handwerk auch den eigentlich entscheidenden Punkt vermitteln können – bzw. wollen 🙂

Spaß beiseite – Ihr gewohnt/ geliebt spitzzüngiges Posting wird nur dann zu einer relevanten Fragestellung, wenn es auf den fraglichen (hoffentlich bald veralteten) Teil der PR-Zunft, auf Tanja-Anja oder wie diese auch immer heißen mögen angewendet wird.  Denn: Wird Twitter zum Zweck der Öffentlichkeitsarbeit bzw. PR eingesetzt, muss bzw. sollte es gar nicht mehr Ziel sein, damit einzig Journalisten zu erreichen. Sondern die identifizierte Zielgruppe – und dies auf direktem Wege. Und dies sollten Ihre Zuhörer bei der UMC unbedingt lernen – wenn es denn noch gelernt werden muss.

Doch gehen wir die Punkte einzeln durch: Völlig richtig ist Ihre These, nach der Twitter einem erosionsartigen Wandel des Sender-Empfänger-Modells gleichkommt. Sehr schön und wichtig ist auch der Hinweis, dass der Follower-Kreis und der Gruppe von Personen, denen ich folge, komplett unterschiedlich sein kann.

Aber Ihre Frage an mich, bzw. ihr Argument, PR sei „vor allem Sender“ und hätte nun wohl ein Problem, die Botschaften zu platzieren, wenn der Journalist den PR-ler „gar nicht abonniert“ habe, erzeugt bei mir – siehe oben – eine hochgezogene Augenbraue.

Denn: Sicher wird der PR-Berater bei der Medienarbeit zum Sender. Aber das ist eben nur eine Facette des Berufsbilds. Gute PRler sind nach meinem Verständnis in erster Linie Mittler – sie stellen Kontakte her, bringen Menschen zusammen (ob nun Face to Face oder digital) und so Meinungen in Bewegung. Und sorgen in Folge dafür, dass die Botschaften des Mandats ihre Zielgruppe erreichen. Zwar ist es oftmals das Ziel, dass dies durch Medien geschieht – aber eben nicht immer. Immer bedeutender wird es stattdessen, die Zielgruppe direkt zu erreichen – im Web. Web 2.0 sei Dank. Und was bedeutet dies also für PRler?

  1. Das Web 2.0 führt dazu, dass die Informationshoheit der Medien sehr stark aufweicht.
    Jeder Mensch mit Internetzugang ist in der Lage, selbst zum Sender zu werden. Ist der Mensch clever und begreift die Wirkprinzipien von Suchmaschinen wie Google & Co, wird seine Meinung unter Umständen sehr schnell sehr bedeutend – und X-Mal so wichtig, wie ein Print-Beitrag in einem kleinen Magazinchen.
  2. Das Web 2.0 führt dazu, dass zahlreiche neue Kommunikationsformen entstehen.
    Social Media als Übergriff für Phänomene wie Communities, Weblogs, Social Networks usw. – und eben Twitter. Wichig ist nicht überall dabeizusein – sondern zu verstehen, wie die Kommunikation 2.0 funktioniert. Und sich zu vernetzen.
  3. Die Kommunikation im Web 2.0 funktioniert anders – nämlich auf Augenhöhe.
    In dem Maße, in dem Social Media & Co immer wichtiger werden (und dieser Trend ist schon heute abzusehen – bzw. auszulesen aus diversen Studien), erhält der PRler viele neue Chancen. Er ist nicht mehr darauf angewiesen, ob der Journalist aus mehr oder weniger erklärbaren Gründen doch kein Gefallen an der Story findet – vielmehr kann diese im Web direkt zur Zielgruppe gelangen. Wie dies funktioniert? Sicher nicht, in dem man sich zu einem reinen Sender stilisiert – sondern sich der Ur-Eigenschaften der PR bedient (siehe oben!): Dialoge anstösst, Meinungen in Bewegung bringt. Usw.

Twitter ist ein Baustein im Social Media Mix – zweifelsohne ein Bedeutender. Aber was bringt Twitterkonkret für PRler? Einen langen, und in vielen Punkten spannenden dazu hat Beitrag hat Mirko Lange  erfasst.

Je besser bzw. schneller PR-ler wie Journalisten begreifen, wie das „Kommunizieren auf Augenhöhe“ funktioniert, wird Twitter (und die anderen Social Media Kanäle) zu einer faszinierenden Geschichte. Wie das funktioniert bzw. Twitter erfolgreich genutzt werden kann, haben andere kluge Menschen schon zu Genüge beschrieben.

Auf Augenhöhe bedeutet hierbei aber eben auch, dass es kein mediales Gefälle mehr geben kann zwischen Sender und Empfänger. Entscheidend ist der Grad der Vernetzung – je besser vernetzt, desto einflussreicher. Und eben nicht: Je klangvoller der Medien-Name des Journalisten, umso wichtiger (ist es, diesen Menschen auf seiner Follower-Liste zu haben).

Daher, mein lieber Herr Sievers, lautet meine Antwort: Statt zu fragen, wie denn wohl die PR versuchen wird, Euch „Journalisten nun auch noch über Twitter zu nerven“, sollten Sie und Ihre Kollegen lieber darüber nachdenken, wie Sie und Ihre Arbeitgeber Twitter effektiv einsetzen können – um im Wettbewerb um die Informationen nicht hinten dran zu bleiben.

Denn im Gegensatz zur PR gibt es m.E. erschreckend wenig konstruktive Ansätze von Medien, Twitter in den Wertschöpfungsprozess zu integrieren. Oder sehen Sie dies anders?

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