Amazon für die Lehre?

Amazon und das Verschwinden von Büchern von und/oder für Schwule und Lesben ist eine dieser Geschichten, die ich in den vergangenen Tagen mit einem halben Auge verfolgt habe. Eben hat sie sich dann wieder auf meinen Bildschirm geschlichen, genauer der Beitrag „How to Weather a Twitterstorm“ von http://adage.com/ (Hinweis aus dem Tweet von @clab). Und nun fühle ich mich befleißigt, Ihnen ein paar Zeilen zum Thema zu schreiben.

Denn in dieser Geschichte, lieber Manz, steckt viel von dem, womit wir uns an dieser Stelle gerne herumschlagen: PR, Medien und viel, viel Twitter. Während ich diese Zeilen schreibe, ist der jüngste Tweet zum Thema #amazonfail gerade erst vier Minuten alt. Die Sache ist also nicht vorbei, Twitterland diskutiert munter weiter. Während die Medienkaravane übrigens schon weiter gezogen ist. Eine Google-News-Suche liefert nur Beiträge, die mindestens ein paar Tage alt sind.

Nun war es schon immer so, dass Dinge, die einmal im Netz standen, nie wieder weggehen. Online veröffentlichte Beiträge zum Thema von Mainstream-Medien bleiben. Das gilt mehr denn je, seit die meisten Medien ihre Archive geöffnet haben. Hinzu kommen Blogbeiträge. Und jetzt auch noch Twitter. Doch der Microblogging-Dienst ist in diesem Zusammenhang offensichtlich nicht nur eine neue Plattform, auf der eben auch diskutiert werden kann. Denn das geht ja quasi seit jeher an jeder Ecke des Interdings. Twitter ist weit mehr, als nur noch ein Forum. Und das liegt an zwei Dingen: am Retweeten und an der Suche.

Per Retweet (RT) senden Twitterer Nachrichten weiter, die sie für so spannend halten, dass auch ihre Follower sie lesen sollten (im Zeitalter der E-Mail hätte man eine Nachricht an sein gesamtes Adressbuch weitergeleitet; haben ja auch viele gemacht, z.B. mit Hoaxes). Auf diese Weise verbreiten sich Nachrichten, wie die von der Wasserung eines Airbus auf dem Hudson, innerhalb von Minuten rund um die Welt.

Zur Geschwindigkeit kommt die Nachhaltigkeit und die Zugänglichkeit von Twitter. Tweets bleiben im Netz, und sie sind ganz einfach zu finden über die Twitter-Suche. Jeder kann sich also per Twitter über ein Thema informieren und weitere Details finden.

Und als wäre das noch nicht genug: Die Leute diskutieren einfach weiter über das Thema. Während wir, also die lieben Kollegen und ich, schon weiterziehen, lebt #amazonfail auf Twitter munter weiter.

Tja, lieber Manz, was machen wir damit, Sie und ich. Für unsereins ist es vielleicht noch einfach. Beobachten und berichten, wenn es was zu sagen gibt – und nicht nur ein paar Leute ihr Leib- und Magenthema gefunden habe, um es zu fleddern. Aber Sie, was machen sie?

Ich werfe Ihnen mal einen Knochen hin.

„Credibility is the currency of the ’new normal'“

sagt Steve Cody, Mitgründer des Beratungsunternehmens Peppercom (aus dem oben erwähnten Artikel gefischt). Und er fügt hinzu:

„Tell me what happened yourself. Don’t allow me to hear it from others. If I do, I’ll lose my faith and trust in you. And, in an era when faith and trust has been tested to the breaking points, brands like Amazon and Domino’s need to be a whole lot smarter and a whole lot swifter.“

Wie viel Offenheit aber geht? Im normalen Geschäftsbetrieb hat sich vermutlich kaum etwas geändert. Doch in der Krise offenbart sich, dass eine neue Zeit angebrochen ist. Sind Unternehmen, ist die PR darauf vorbereitet?

Aber vielleicht ist das ja für Deutschland alles mal wieder nicht so wichtig. Sind ja nur ein paar Zehntausend aktive Twitterer. Vermutlich. Der letze Tweet zu #amazonfail ist jetzt auch schon sechs Minuten alt. Ups, ich seh grad, es ist ein anderer als der, den ich eingangs erwähnte … Und er ist auf Deutsch verfasst.

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