Umgang mit der Spezies PR-Arbeiter

Wo Sie überall wühlen, lieber Manz. Sogar meine Bookmarks durchforsten Sie. Soso. Aber zu Ihrer Frage:

Sagen Sie mir und uns, lieber Sievers, wie halten Sie es mit den nervenden PR-lern?

Das ist ziemlich einfach: Ich bemühe mich stets, freundlich zu sein. Außerdem verbindlich, und zwar sowohl, wenn ich Interesse an einer Geschichte bekunde, als auch bei Desinteresse meinerseits.

Frage beantwortet? Ja, oder? Ok, Thema erledigt. Hm, nein. Ich hole noch eine Sekunde aus. Denn mich bewegt ja etwas, zu handeln wie ich handle.

Mich bewegt eine grundsätzlich positive Haltung Menschen gegenüber. Ich glaube erst mal an das Gute – bis das Gegenteil bewiesen ist. Selbst an das Gute im gemeinen PR-Arbeiter kann ich glauben. Der Kollege wird schließlich schon zwei Gedanken durch seine Hirnwindungen gejagt haben, bevor er zum Hörer gegriffen und meine Nummer gewählt hat.

Nun hat die Sache aber einen Haken. Denn leider, lieber Manz, werde ich immer wieder enttäuscht. Und ich verstehe nicht warum. Vielleicht haben Sie ja eine Antwort für mich. Ich wäre dankbar. Sehr sogar.

In einem früheren Leben habe ich viel über IT-Themen geschrieben. Damals traf sich die ganze Branche einmal im Jahr in Hannover. Das Treffen gibt es heute noch, es heißt Cebit, aber es kommt nur noch die Hälfte des Wirtschaftszweigs. Aber das ist ein anderes Thema.

Für einen Journalisten wie mich bedeutet diese Veranstaltung: viel Arbeit. Die Termine sind so dicht gepackt, dass ich im Rückblick kaum noch verstehe, wie ich dazwischen überhaupt ansatzweise sinnvolle Dinge schreiben konnte. Vermutlich ging das nur, weil ich eine ziemlich ausgeklügelte Planung hatte. Und die stand immer schon lange vorab.

Nun begab es sich aber jedes Jahr von neuem, dass ein paar Tage, bevor ich ins Schneetreiben Hannovers aufbrach, zu einem Zeitpunkt also, da der Kalender schon vollgepackt war, da begab es sich, dass das Telefon klingelte. Nicht nur einmal, sondern unablässig. Am anderen Ende der Leitung meistens jung klingende Damen, die klangen, als hätten sie das Sprüchlein, das sie aufsagten vor dem Spiegel auswendig gelernt. Regelmäßig luden mich PR-Agenturen, von denen ich noch nie gehört hatte, zu Pressekonferenzen, Frühstücksveranstaltungen oder Hintergrundgesprächen mit Vertretern von Unternehmen ein, von denen ich auch noch nie gehört hatte.

Und da frage ich heute noch: Warum? Ist drei Tage vor einer Messe der beste Zeitpunkt für ein Unternehmen aus der dritten oder vierten Reihe, um Kontakt zu Journalisten aufzubauen. Ich vermute nein, für mich war es der denkbar schlechteste Zeitpunkt. Deshalb schließe ich nicht aus, dass ich Freundlichkeit und Verbindlichkeit in einer solchen Situation mal vergessen habe. Sollte das passiert sein, tut mir das leid. Denn die Damen und Herren am anderen Ende der Leitung können ja auch nichts dafür.

Nichts dafür, damit sind wir bei einem weiteren Punkt: Noch heute frage ich mich regelmäßig, warum ich zuweilen von Damen und Herren angerufen werde, die so klingen als hätten sie noch keinen regulären Arbeitsvertrag bei ihrem Arbeitgeber unterschrieben. Und als wäre das noch nicht schlimm genug, klingen viele auch so, als wüssten sie nicht so genau, was sie mir – also jenseits des gelernten Sprüchleins – verkaufen sollen.

Wie, lieber Manz, soll unter diesen Voraussetzungen ein Gespräch auf Augenhöhe zwischen Journalist und PR-Arbeiter entstehen? Wie soll es der Journalist schaffen, das Anliegen seines Gesprächspartners ernst zu nehmen, wenn er ihn oder sie nicht ernst nehmen kann. Mögen Sie mir das verraten?

So genug geschimpft. Ich hab ja nichts gegen Sie, lieber Manz. Auch nicht gegen viele ihrer Kollegen. Sie machen ihren Job. Und wenn sie ihn gut machen, dann freue ich mich sogar.

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