Sind PR-Berater 2.0 zwangsläufig die besseren Kommunikatoren?

Vor kurzem musste ich schmunzeln, lieber Sievers. Zu dem Zeitpunkt, an dem Ihr Tweet über die PR-Dame on Air ging, die bei FOCUS Online eine PR-Meldung schalten wollte. Gleichzeitig wusste ich, dass wir unseren Online-„Dialog“ (wie Sie wissen, gehöre ich zur Spezies PR-Berater; daher habe ich die Angewohnheit, alles positiv zu formulieren) viel zu lange unterbrochen hatten.

Für den geneigten Mitleser die Hintergründe: Sievers bereiste mit der Familie ein Land im Süden Europas (ungefähr…), um sich eine Zeit lang vom Netz zu nehmen, während seine Frau bloggen durfte; und meine Familie hat sich zwischenzeitlich vergrößert.

Doch zurück zum Schmunzeln. Denn fast parallel zu Ihrem netten Tweet, der vermutlich einmal mehr Ihr grundsätzliches Urteil über PRler als solche bestätigt, veröffentlichte die Zeitschrift Horizont eine Umfrage bei PR-Agenturen zum Thema Social Media. Auslöser bzw. Hintergrund war der PR-Gau der Bahn und die damit verbundene Frage, wie man „richtig“ agiert hätte (was als retrospektive Frage sicherlich einen ganz ganz ganz enormen Nutzen hat; denn hinterher weiß man es, und insbesondere PR-Agenturen, ja immer besser. Wobei man auch betonen muss, dass der Fail der betreuenden Agentur der Bahn schon sehr, sagen wir, „außergewöhnlich“ ist.). Und in der Umfrage wurde übrigens, soviel Eigenwerbung muss sein, auch die Meinung von wbpr eingeholt.

Doch was ist die Quintessenz der Antworten, also abseits der Tasache, dass es alle besser und „ganz bestimmt viel authentischer“ gemacht hätten?

  1. Allem Anschein wachen immer mehr Agenturen beim Thema Social Media auf.
  2. Dies wird daraus ersichtlich, dass es v.a. Geschäftsführer sind, die sich in Horizont äußern. Ob das Thema jedoch nur zur Chefsache erklärt wird, oder wirklich Chefsache ist, ist aus vielen Antworten nicht zu erkennen.
  3. Die Fragen waren gelinde gesagt mitunter seltsam, zudem ist anzunehmen, dass viele Antworten etwas arg aus dem Zusammenhang gerissen wurden; zumindest hat neben wbpr auch Wolfgang Lünenburger deutlich mehr geantwortet, wie er in seinem Blog schreibt.
  4. Ebenso unklar bleibt, ob – und wenn ja, wie – die großen (oder zumindest größeren) Agenturen mit dem Thema Ausbildung umgehen; denn: meiner Meinung nach ist das Verständnis für bzw. die (Spiel-)Regeln einer Kommunikation in und mit Social Media bei sehr vielen Agenturen noch längst nicht so ausgeprägt, wie es die Aussagen der Befragten vermuten lassen. Einen sehr spannenden Beitrag zum Thema „PR Berater (Ausbildung) 2.0“, auf den ich an anderer Stelle noch ausführlicher mit Ihnen sprechen möchte, hat übrigens Heike Bedrich in Klaus Ecks PR Blogger verfasst.

Thematisch zwar mit einem anderen Aufhänger, aber passend zum Diskurs schreibt auch Bastian Scherbeck,

Die PR wittert die Rettung in den Social Media und wendet sich diesen zu. Doch anstatt sich ernsthaft mit den Regeln und Funktionsmechanismen der neuen, digitalen und interaktiven Mechanismen auseinenderzusetzen, fült der eine oder andere alten Wein in neue Schläuche und wundert sich, dass dieser dem digitalen Publikum nicht schmeckt.

Zwar wird bereits viel darüber diskutiert und gesprochen, wie die PR das alles besser machen kann. Lesenswert sind bspw. die Gedanken von Tapio Liller von Oseon, der sich mit seiner Agentur genauso dem Thema Social Media verschrieben hat wie bspw. Mirko Lange von Talkabout.

Und es gibt bereits einige Cases, die die neue Form der Kommunikationsexpertise und Beratungsstärke der Vordenker der Branche belegen. Doch ich frage mich, bzw. heute Sie, lieber Sievers, der ja die perfekte Kreuzung aus Journalist und Web-Enthusiast und Dozent ist: Sind die Web- und Social Media Profis aufgrund des (neu) gelernten Kommunikationsstils auch automatisch die besseren Medienarbeiter, und damit sehr gute (oder gar: die besseren), da vielschichtige Kommunikatoren?

Denn sicher rufen Sie auch diese dann und wann an – denn eine reine Web-Kommunikation ersetzt die klassischen (tja, lieber Sievers, zu dieser Gruppe zähle ich Sie) Kanäle m.E. (immer) noch nicht komplett? Verstehen es diese besser, Ihnen Themen schmackhaft zu machen? Vielleicht weil sie Sie besser kennen? Oder Ihre Arbeitsprozesse? Oder „authentischer“, „menschlicher“ sind?

Oder gibt es auch den anderen Fall: Kennen Sie Kommunikatoren, die in und mit Social Media brillieren, aber kein Gespür (oder gar Ahnung) haben von der Zusammenarbeit mit Ihnen?

Und spiegeln wir das doch auch noch auf Ihre Spezies – waren Sie doch vor kurzen bei den Jugendmedien-Tagen zu Gast: Wie entwickelt sich der Journalisten-Nachwuchs in Zeiten von Social Media?

Fragen über Fragen – vielleicht haben Sie eine kluge Antwort dazu?

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