Archiv für Juli 2009


Warum Journalisten drei Dinge lernen sollten

30. Juli 2009 - 15:37 Uhr

Eine Steilvorlage, Ihr Mixed-Posting, lieber Manz. Eine Erinnerung zugleich. Denn schon seit Tagen will ich über den Journalisten der Zukunft von Adam Westbrook nachdenken. Nun also, ich denke. Und ich blogge dabei, denn was gibt es Schöneres. Da ich vermute, dass Sie das differenzierte und dadurch etwas längliche Posting des Kollegen Westbrook – wie so oft – nicht bis zur Neige gelesen haben, zunächst eine Zusammenfassung.

Westbrook, selbst Multimedia-Journalist, der gerne alle Mediengattungen in sich vereint, wenn man diesem Foto glauben darf, hat genug davon, auf Holzmedien und anderen Anhängern einer verblassenden Welt herumzutrampeln, und versucht es mal konstruktiv. Dazu konstruiert er sieben Typen, die auch morgen noch ein Leben als Journalisten werden verdienen können. Folgende:

Der Alleskönner

Fotografiert, dreht, schneidet, schreibt – und kann seine Arbeit auch ansprechend ins Web beamen.

Der Webdesigner

Das ist der Typ, der fließend XHTML, CCS und andere Dinge spricht und schreibt.

Der Kollaborateur

Journalisten werden in Zukunft seltener in festen Strukturen arbeiten, stattdessen sammeln sie sich und andere Spezialisten für Projekte immer wieder neu.

Der Spezialist

Das Geld liegt nicht mehr auf der Straße, sondern in der Nische, Spezialisten überleben (auch allein).

Der Flexible

Überleben wird, wer sich an die neuen Verhältnisse anpasst, sich für einen neuen Journalismus ausbilden lässt.

Der Erneuerer

Journalisten nehmen ihr Schicksal in die Hand, entwickeln ihr (eigenes) Geschäft und schaffen Inhalte, für die die Meschen auch bezahlen.

Der Geschichtenerzähler

Journalisten werden weiter Geschichten erzählen.

Nun also die Frage: Hat Westbrook recht? Ja, hat er. Und nein, hat er nicht. In ein paar Punkten würde ich das Westbrook-Manifest unterschreiben, andere nicht.

In Redaktionen werden in Zukunft weniger Journalisten sitzen. Aber wird es deshalb mehr Freie geben. Ich bin mir da nicht sicher. Argumentieren wir an dieser Stelle mit Jeff Jarvis: Früher brauchte jede Zeitung einen Kinokritiker (wenn sie diesen Bereich nicht vernachlässigen oder mit Agenturmaterial auskommen wollte). Aber braucht es in einem Internet-Deutschland Hunderte Rezensionen ein und desselben Films? Wäre es nicht im Gegenteil sogar ein Vorteil, die besten Rezensenten könnten mehr Geld mit ihren Texten verdienen und alle Hobby-Kritiker würden Dinge tun, die sie besser können, als Filme zu bewerten? Das wäre sogar gut für die Qualität – und nebenbei kein Problem für eine ausreichende Pluralität an Meinungen. Also weniger feste Strukturen: ja. Mehr Journalisten frei: weiß nicht so recht. Spezialisten: ja, ganz bestimmt. Den Alleskönner: eher nicht, vor allem weil die meisten Alleskönner eben nichts alles wirklich können.

Vom Spezialisten ist es nur ein kleiner Hops zum Geschichtenerzähler. Auch in Zukunft wird es Aufgabe von Journalisten sein, Geschichten zu erzählen. Doch wie viele werden damit wirklich ausreichend Geld zum Leben (oder Überleben) verdienen? Einfacher wird da jedenfalls nicht. Auch in der Vergangenheit haben Amateure Zeitungslesern Geschichten erzählt: Schüler, die am Wochenende über das Schützenfest schrieben (war ich selbst dereinst), und Rentner, die auch aus der langweiligsten Jahreshauptversammlung der Kaninchenzüchter noch einen Bericht saugten. Da – nun schon seit Jahren – der Start eines eigenen Blogs – rein technisch betrachtet – ebenso leicht ist, wie sich eine neue E-Mail-Adresse bei einem beliebigen Anbieter zuzulegen, werden immer mehr Menschen einfach ins Netz schreiben.

Jetzt höre ich schon wieder die Stimmen: Das, was Journalisten können, das kann doch nicht jeder! Ja, stimmt. Nicht alles, was Journalisten können, kann jeder. Aber manche können einiges davon. Da draußen sind Menschen, die können zuhören, schreiben, fotografieren, filmen oder programmieren – und zuweilen die wildesten Kombinationen aus den Dingen, die Westbrook den Journalisten der Zukunft zuschreibt. Nehmen wir Das heddesheimblog meines geschätzten Kollegen Hardy Prothmann. Er wagt damit eine neue Form des Lokaljournalismus, nachzulesen in einem Interview von Thomas Mrazek auf onlinejournalismus.de. Das ist mutig. Und es ist spannend. So was können Journalisten, sollten sie zumindest. Aber ich glaube, es können nicht nur Journalisten. Wie gesagt, für die Lokalzeitung schreiben seit Jahrzehnten auch Amateure.

Damit sind wir schon bei einem weiteren Punkt, den ich nicht unterschreibe: Den Webdesigner braucht es nicht wirklich. Also natürlich brauchen wir Webdesigner, vermutlich mehr denn je. Aber guter Journalismus braucht keine Webdesigner. Da draußen gibt es heute schon unzählige Plattformen, die Publizieren zum Kinderspiel machen. Erst kürzlich, lieber Manz, vernahm ich, dass ein gewisser Manz vor posterous kniete (ich hingegen habe noch nicht verstanden, warum ich all das, was ich bei Facebook und Friendfeed zusammenführe, nun von posterous aus befeuern soll; das aber nur am Rande). Damit schließen Sie sich einem Redner zu Medienfragen an, der fast so bekannt ist, wie Sie selbst, lieber Manz: Jeff Jarvis warf vor ziemlich genau einem Jahr den Vorschlag in die Runde, die Verleger sollten nicht nur die Druckerpressen abschalten, sondern sich auch ihre kostspieligen Websites sparen; den Job könne doch Google übernehmen (wie groß diese Provokation war, können wir erst heute ermessen). Ergo: Liebe Kollegen, spart Euch den XHTML-Kurs in der Volkshochschule (eine Erkenntnis, über die niemand glücklicher ist als ich).

So, was vergessen? Ja, den Erneuerer und den Flexiblen. Die beiden unterschreibe ich sofort. Wir leben schon mindestens bis zu den Knien in einer neuen Medienwelt. Journalisten müssen dringend lernen, mit der Plattform Internet umzugehen und sie für ihre Geschichten zu nutzen. Wer nicht versteht, wie heute Twitter und Facebook funktioniert (und vielleicht auch, warum posterous toll ist *schäm*), wird das Netz und damit die Kommunikation der Menschen – also der Leser und Nutzer – in ein paar Jahren auch nicht verstehen – und sie kaum erreichen können. Journalisten werden nur dann Orientierung bieten können, wenn sie dort sind, wo die Leser sind. Und die sind im Netz.

An dieser Stelle dann noch eine These: Ich war erstaunt, als mir ein Kollege, der sich in Internetdingen ein wenig sehr gut auskennt, vor einem Jahr oder so sagte, Onlinejournalisten müssten alles können, also schreiben, filmen, schneiden und fotografieren sowieso. Das glaube ich nicht. Ich glaube sogar, dass es Onlinejournalisten bald nicht mehr geben wird. Die Gattungen werden verschwinden unwichtiger. Für Journalisten aber wird es essenziell, den Diskurs, der im Netz läuft, zu filtern und durch ihre Veröffentlichungen zu gewichten und auch zu moderieren.

Kommentieren » | Internet, Journalismus

Ein paar Anmerkungen zu Pons, TV und – ja doch, Vodafone

29. Juli 2009 - 21:43 Uhr

Lieber Sievers, manchmal frage ich mich, ob Ihnen Ihre Elternzeit wirklich gut tut. Sie werden auf einmal so sanft im Umgang – streuen einmal Asche über Ihr Haupt, einmal spielen Sie den Gedanken durch, erst einen riesen Etat zu gewinnen und dann “so Sachen” zu sagen. Oder so ähnlich. Werden Sie altersmilde? Oder doch bald PRler? Diese Frage scheint berechtigt, da Sie nun schon seit einiger Zeit hartnäckigen Fragen zur Zukunft des Journalismus, bzw. der Reaktion Ihrer Zunft sowie Eurem Geschäftsmodell einfach ausweichen, und das Thema – ganz der PRler – schön in andere Richtungen lenken. (An dieser Stelle folgt der * Verweis). Was sagen Sie bspw. zu diesen Thesen über die Zukunft des Journalismus, gefunden bei der sehr geschätzten Ulrike Langer?

Also: Ran an die harten Themen, Herr Sievers. Denn nicht nur in der PR gibts doch wirklich viele schöne Sachen zu beobachten. Doch damit beschäftigen wir uns ja beide gerne – ich von Berufswegen, Sie aus Eigeninteresse?

However, da ich ja zuletzt fast abgetaucht bin (siehe *), gar in der Versenkung vermutet wurde, wird es höchste Zeit auch noch ein paar Dinge zu Vodafone zu schreiben. Ob das die (Social Media-) Welt braucht? Egal, auf einen Post mehr oder weniger kommt es auch nicht mehr an – also: Für’s Archiv…

Nach all der Kritik, teilweise auch Krawall in der Web-Szene ob der Kampagne, oder PK, oder Public Konferenz oder whatever, samt extremen Folgen, die Mitte der vergangenen Woche im Einstellen von Frau Schnutingers Blog gipfelten (was wiederum den Weg in die klassischen Medien fand, vgl. bspw. den Beitrag im Freitag), will ich nur ein paar wenige Punkte dazu verlieren – denn: Das meiste ist schon vielfach gesagt worden, zuletzt hat bspw. noch einmal der geschätzte Olaf Kolbrück Stellung genommen.

  1. Es war ein mutiger Schritt von Vodafone, oder von Scholz & Friends. Und ein wichtiger für alle Social Media Enthusiasten, denn es wurde gezeigt: Mit Social Media kann auch Geld umgesetzt verdient werden.
  2. Bevor mich nun die Social Media Elite lyncht, weil ich das Wort “Geld verdienen” in Zusammenhang mit Social Media benutze, schiebe ich Punkt 2 nach, in dem ich frage: Können Werber Social Media Kommunikation machen? Oder anders gefragt: Passen Werbung und Social Media zusammen – wo doch Social Media eher eine neue Kommunikations-Kultur ist, denn ein Abladeplatz für handwerklich durchaus extrem gut gemachte Emotionen? Ein sehr spannender Diskurs hierzu findet gegenwärtig im Blog der Sympra (dort sind u.a. B. Jodeleit und V. Mathauer sehr effektiv mit Social Media tätig) statt, neben dem Kern-Beitrag von Mirko Kaminski von Achtung! sind v.a. auch die Kommenentare sehr spannend zu lesen.
  3. Die Idee, eine PK zu öffnen für die Web-Welt, und damit letztlich für jeden, war brilliant. Leider war die Umsetzung, nun ja, suboptimal (wie ein PRler dies wohl beschönigen würde). Über die Gründe hierzu ist aber wahrlich genug geschrieben worden, daher erspare ich uns dies.
  4. Reaktionen von Vodafone gab es – das ist gut. Aber auch im Reagieren gibt es noch einiges zu lernen…
  5. Alles im allem: Ich bin froh, dass es endlich einen richtig großen Case gibt. Aus dem alle lernen können. Und werden.

Im Vergleich dazu wenig beachtet wurde dagegen eine Mitte letzter Woche  angelaufene PR-Blogger-Relations Aktion von PONS. Soweit ich dies bisher verstanden und richtig gelesen habe – denn leider, lieber Sievers, sind wir ja noch keine wichtigen Blogger, sonst hätten wir auch ein Schulheft bekommen – ist dies ein Musterbeispiel für aufwendige, aber effektive Bloger-Relations.

Neben einigen sehr wohlwollenden, direkten und reichweitenstarken Reaktionen zeigt dies auch in Blick in Twoogle. Gratulation daher an @Strorymaker oder an @vmepoeple. Wenngleich ich wage zu behaupten: Einen derart hohen Aufwand zu fahren wird sich nur bei wenigen Kunden verargumentieren lassen, denn am Ende heißt es nicht selten: “Wer soll das bezahlen…”.

So, lieber Sievers, wäre ich jetzt Sie, würde ich jetzt enden. Denn ich habe derartig mäandernde Bögen geschlagen, dass die Headline schon wieder vergessen wurde. Immer schön ablenken – siehe oben. Aber: Ich wage mich schon noch an eine Antworte auf Ihre Frage über das mutmaßliche Ende des Leitmediums TV.

Nun, es gibt bereits einige Studien, die genau das vorhersagen. Und ich bin mir sicher, dass Social Media diesen Prozess beschleunigen wird. Ähnliches sagte ja auch Richard Gutjahr beim letzten Social Media Club Treffen in München. Aber noch spielt “klassisches TV” eine immens wichtige Rolle, denn es ist – und wird auch bleiben – ein Massenmedium. Die Frage ist nur: Wie stellen sich die TV-Anstalten auf die anbrechende neue Zeit ein? Wie können und wollen sie sich behaupten?

Und derartige Fragen, lieber Sievers, habe ich schon oft an Sie gestellt – nicht nur oben. Ich bin gespannt auf Ihre Antwort. Denn: Dank der Elternzeit haben Sie ja im Vergleich zu mir unendlich viel Zeit.

——-

Nun noch der *Verweis: Ich bitte um Abbitte… Durch die Erkrankung in der letzten Woche bin ich noch mehr hinten dran, als ohnehin schon. Und bedingt durch zahlreiche Projekte im Agenturalltag, von denen viel zu wenige Social Media im Kern behandeln, sowie die eigene Familie bleibt mir gegenwärtig nichts anderes übrig, als mich weiterhin von Ihnen treiben zu lassen. Aber: Ich arbeite daran, dass sich der Spieß umdreht. Denn auch Ihre Elternzeit ist iregndwann vorbei…

Kommentieren » | Dilettantismen, Gebaren, Internet, PR, Prinzipien, Social Media, Twitter

Schreiben für Suchmaschinen

27. Juli 2009 - 15:04 Uhr

Von Kollegen aus den größeren und kleineren Onlineredaktionen der Republik höre ich zuweilen, lieber Manz, dass man sich hier und dort Gedanken über Google macht. Also natürlich vor allem die Techniker, die Hand anlegen und die Seiten so zurecht schrauben, dass Google gut ran kommt an die Inhalte (Neudeutsch ja eher Content). Allerdings nicht nur, sagen die Kollegen. SEO, für den Kenner cooles Akronym für Suchmaschinenoptimierung, was Englisch als Search Engine Optimization natürlich noch mal besser klingt, soll auch bei Redakteuren die Runde machen (was der DJV dazu wohl sagen würde?). Auf den Gängen raunt man sich zu: “Hast Du auch die Keyword-Dichte im Blick bei dem Thema?” Gruselig, oder!?

Aber was sollen wir denn machen, lieber Manz! Wir wollen doch auch gefunden werden. Und die Konkurrenz ist groß. Denn hinter vorgehaltener Hand raunt es auch aus Ihrer Branche, also von den PR-Fuzzis, dass SEO jetzt ganz groß geschrieben wird (wie auch sonst, ist doch nicht die Nato und auch nicht Unicef?). Das macht mir natürlich Angst. Denn wie wir alle wissen, ist Ihre Branche verrucht und skrupellos. Kaum vorstellbar, was der deutschen Sprache passiert, wenn sich SEO-Radikale durchsetzen und bei Google gewinnen. Dann hätten wir bald nur noch Texte dieser Güte zum Leben im Netz:

Der Abschluss einer kapitalbildenden Lebensversicherung hat neben steuerlichen Vorteilen insbesondere zwei weitere Eigenschaften: Sie sichern durch Ihre Kapitallebensversicherung Ihre Familie hervorragend ab und erhalten eine gute Rendite für Ihr angelegtes Geld. Lebensversicherungen werden durch die Möglichkeit der steuerlichen Absetzbarkeit staatlich gefördert und ermöglichen Ihnen trotzdem, die volle Auszahlungssumme steuerfrei zu erhalten, wenn einige Vorraussetzungen beachtet werden. Eine Risikolebensversicherung zahlt im Vergleich zu einer Kapitallebensversicherng ausschliesslich im Todesfall und ist daher für eine Absicherung der eigenen Person natürlich ungeeignet. Eine Lebensversicherung ohne Gesundheitsfragen gibt es heute nicht mehr, da Lebensversicherungen ohne Gesundheitsprüfung eine deutlich höhere Prämie fordern müssten, um das unüberschaubare zusätzliche Risiko auszugleichen. Für ausführlichere Informationen gehen Sie bitte auf unsere FAQ Seite, die Sie umfassend über Lebensversicherungen aufklärt.
(Gefunden: http://www.preisvergleich-krankenversicherung.com/lebensversicherung.htm, Hervorhebungen sind Absicht des Autors)

Für Google ist dieser Text (nebst Überschrift, Teaser und Navigation, die ebenfalls mit “Lebensversicherungen” gespickt sind) die Position zwei wert (Wikipedia schafft es auf die eins). Und nun stelle ich mir all diese digitalen Eingeborenen vor, die sich im Leben noch keine Druckerschwärze von den Fingern gewaschen haben. Mein Güte, denken Sie nur, lieber Manz, die könnten glatt glauben, es handle sich um gutes Deutsch, was sie da lesen. Schließlich findet Google die Seite toll. Meine Güte.

Deshalb meine ängstliche Frage an Sie, lieber Manz: Wie weit gehen Sie und ihresgleichen, um mit Google die Welt zu erobern? Denn das wollen Sie doch, die Welt erobern, oder!?

Kommentieren » | Gebaren, Internet, Journalismus, Online-Marketing, PR

Konsumenten konsumieren

26. Juli 2009 - 17:20 Uhr

Als kleine Sonntagsunterhaltung, lieber Manz, an dieser Stelle nun ein Video und eine Diashow. Das Video, sehr professionell gemacht, beschäftigt sich mit iPhone, die Dias, eigentlich noch witziger, wenn es nicht so traurig wäre, mit Ariel. Genau, dem Waschmittel. Aber sehen Sie selbst.


(Via Twitter @GunnarBender)

(Via … Mist, hab ich vergessen.)

Kann es sein, lieber Manz, dass Konsumenten sich hüben wie drüben nicht mehr so leicht an der Nase herumführen lassen? Ich habe fast das Gefühl.

Kommentieren » | Dilettantismen, Hülsen, Social Media

Leitmedium gewesen: das Fernsehen

20. Juli 2009 - 10:37 Uhr

Wenn ich einen Etat gewonnen hätte, lieber Manz, den ich als das größte Neugeschäft seit einem Jahrzehnt bezeichne, und wenn ich das mit viel Social-Media-Dings-und-Bums geschafft hätte, dann würde ich jetzt auch solche Dinge in Interviews sagen, wie Frank-Michael Schmidt, Chef von Scholz & Friends und Herr über die Vodafone-Kampagne:

“Das Fernsehen hat als Leitmedium abgedankt. Heute lockt es nur noch bei Großereignissen – wie einer Fußball-WM – die Massen vor den Bildschirm. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Kanäle durch das Internet vervielfacht, insbesondere durch den Rückkanal, der aus Rezipienten Produzenten macht. Wenn noch vor ein paar Jahren ausschließlich das TV-Gerät ein privates Publikum um sich versammelte, gewinnt heute die Interaktion der Communities rasant an Bedeutung. Erfolgreiche Marketingkommunikation muss den Menschen dort begegnen, wo sie sich aufhalten: medial und im wirklichen Leben. Nur wer das schafft, wird zu den Gewinnern des Wandels gehören.”

Aber wissen Sie, was seltsam ist, lieber Manz. Ich habe zwar keinen Etat gewonnen, nicht mal einen kleinen (da müsste ich mich ja auch erst mal bewerben, oder?). Aber ich sage solche Sachen trotzdem. Komisch.

Kommentieren » | Internet, Medien, Online-Marketing, PR

Die Generation Mashup schlägt zurück

15. Juli 2009 - 21:37 Uhr

Nur eine kurze Frage zur Nacht, lieber Manz. Werber und PRler sind natürlich erpicht darauf, dass ihre Botschaften angenommen werden. Fast genauso toll finden sie es aber doch, wenn über sie, also die Botschaften, diskutiert wird, auch wenn das mal nicht so positiv ausfällt. Nur wann, jetzt kommt die Frage, ist der Moment erreicht, in dem dem PRler das Grinsen über die Aufregung, die er verursacht hat, im Gesicht gefriert?

Ob es bei Vodafone schon (lange) soweit ist?

Vodafone-Werbung “Heroes” Satire from Generation Upload on Vimeo.

Ob Vodafone klar war, dass die Generation Upload auch die Generation Mashup ist?

(Via Twitter @julius01.)

Kommentieren » | Gebaren, Hülsen, Internet, PR

Vodafone. Oder an der Generation Upload vorbei

15. Juli 2009 - 08:57 Uhr

Eines muss man Vodafone lassen: Das Mobilfunkunternehmen nimmt die Kritik nach seiner Live-PK der vergangenen Woche auf und reagiert. Und Vodafone tut das auf Augenhöhe: Die Kritik kam aus der Blogosphäre, also von der Zielgruppe, die der Konzern ansprechen will und für die er den Marketing-Begriff Generation Upload geschöpft hat, und Voldafone antwortet im eigenen Blog. Nur eines hat Vodafone augenscheinlich noch nicht verstanden: Bevor man reagiert, sollte man zuhören. (Nur kurz auch Ihnen zur Erinnerung, lieber Manz: Nach der PK in der vergangenen Woche hatte ich zunächst Asche auf mein Journalistenhaupt geschüttet; Vodafones Schritthalte ich grundsätzlich für mutig und gut.)

Kritisiert wurde Vodafone unter anderem deshalb, weil das Unternehmen mit seiner Kampagne eine Kundengruppe anspricht, für die es keine Produkte habe. T-Mobile hat das iPhone und o2 die sinnvollen und günstigen Datentarife, nachzulesen zum Beispiel hier. Den Kritikern geht es vor allem um die Beschränkung der Datenflatrate auf fünf Gigabyte im Monat (anschießend wird die Leitung gedrosselt). Darüber hinaus gibt es auch sehr differenzierte Kritik an Details, zum Beispiel daran, dass sich mit Vodafone keine Videos per Handy streamen lassen, weil der Mobilfunker seinen Kunden nur wenige Ports zur Verfügung stellt.

Und was macht Vodafone? Das Unternehmen stellt auf bockig. Das Motto lautet offenbar: Ihr sagt, wir haben nicht die richtigen Tarife! Wir halten daggen mit einem bestimmten: Doch das haben wir! Anders ist dieses Posting im Vodafone-Blog nicht zu erklären:

“Unser Daten-Tarife deckt derzeit schon eine breite Masse an Nutzungsszenarien ab. So kommen aus unserer Erfahrung die meisten Kunden, die unsere Daten-Flatrate verwenden, mit deutlich weniger als 5 Gigabyte (GB) Datenvolumen pro Monat aus und werden nichts von der Bandbreitenreduzierung spüren. Aber ein geringer Teil unserer Kunden nutzt eine solche Daten-Flat so intensiv, dass er ein vielfach höheres Daten-Volumen verursacht. Ohne Bandbreitenreduzierung würden Sie die Servicequalität in den betroffenen Zellbereichen für alle Teilnehmer verschlechtern.”

Was folgt ist eine langatmige Erklärung der einzelnen Datentarife (was die Frage aufwirft, ob Tarife, die man erklären mus, noch in Jahr 2009 passen).

Fassen wir zusammen, lieber Manz: Vodafone benutzt (schon lange) den Begriff Flatrate, der subsumiert (eine der wenigen Juristenvokabel, die ich liebe), der Kunde zahlt einen Preis und kann dann machen, was er will. So funktionieren die Internet-Flatrates im Festnetz, die Flatrates in Kneipen und der All inclusive Urlaub in der Türkei (habe ich mir sagen lassen). Nur bei Vodafone kann er das nicht. Nach fünf GB im Monat schrumpft die Leitung auf 1998. Und das ist nicht einzige Einschränkung mit der die Generation Upload leben müsste, weshalb sie bisher wohl vor allem bei T-Mobile und o2 unter Vertrag ist (sont bräuchte es ja die Milliönchen für die Werbung nicht).

Nur noch mal zum Mitschreiben: Die Mobilfunknutzer, die sich in ihren Blogs und über Twitter zu den Vodafone-Tarifen geäußert haben, bilden die Zielgruppe. Das sind die Menschen, die viel ins Internet schreiben und viele Fotos und Videos hochladen. Das sind die Menschen, die die Kunden von den Vodafone-Tarifen weitertragen würden, wenn sie diese lieben würden. Doch das tun sie nicht. Und statt ihnen eine Hand zu reichen, schlägt Vodafone die Tür zu und schmollt. Ich nenne das: Marktführerverhalten.

Vielleicht hätte Vodafone die Millionen, die das Unternehmen der Werbewirtschaft spendiert, besser in Tarife investiert, die es nicht erklären muss. Denn am Ende zahlt einer für die TV-Spots und all das: der Kunde. Nun gut, auch meine Familie lebt von der Vodafone-Werbung, doch das ist ein anderes Thema.

Nachklapp: @Weltenweiser weist mich zu recht darauf hin, dass Vodafone im gleichen Bog die Debatte um die Netzsperren für beendet erklärt – und dass das weit schwerer wiegt. Mehr dazu bei DonAlphonso.

Kommentieren » | Dilettantismen, Geschäftsmodelle, Internet, PR, Prinzipien, Social Media

Wir haben Euch (auch) lieb

14. Juli 2009 - 20:06 Uhr

Ich hoffe, lieber Sievers, Ihre Depression ist vorüber oder zumindest ist die Verunsicherung, ob wir Sie denn weiterhin brauchen und zu was Sie Nutze sind, ad acta gelegt. Denn ich kann Sie beruhigen: Wir mögen Sie und Ihre Kollegen durchaus, auch stellen Sie  – wie ich übrigens ja schon einmal darlegte – je nach Mandat und Aufgabe sicherlich auch weiterhin eine mögliche Zielgruppe der Kommunikation dar. Aber eben nicht mehr die ausschließliche.

Ob  dies Ihnen und Ihren Kollegen wiederum etwas ausmacht, bleibt Ihre Entscheidung. Wahrscheinlich freut Sie das eher, denn Sie sagten ja bereits, wie mit seltsamen Anrufen umgegangen wird. Doch freuen Sie sich nicht zu lange über diese Aussage – denn Freude macht beizeiten träge. Und Trägheit vernebelt die Sinne, wie es die Sichtweise des Bundesverbandes der Zeitungsverleger vermuten lässt. Da wird nebulös darüber fabuliert, was die Stunde geschlagen hat angesichts wegbrechender Einnahmen und Aufkommen neuer Kommunikationsformen; und erstaunlicher Weise beharrt der Verband der Verleger in der gewohnten Denk-Welt.

Das Resultat: Bisweilen krude bis bizzare, und in meinen Augen schlicht komplett realitätsferne Annahmen werden per Presseinformation verbreitet. Und Gott sei Dank auch online gestellt. Sonst wären diese Thesen ja schwer zu diskutieren… Obwohl ich ja PRler bin, ist mir beim Lesen dieser Meldung kaum mehr etwas eingefallen. Nur soviel: Die daran verketteten Annahmen erinnern stark an die ebenso unschlagbare Idee von Hape Kerkeling für einen neuen VHS-Kurs:  “Modellieren mit Kartoffelsalat – wir kneten uns eine Krippe.” Das in meinen Augen gelungenste Bonmot aus der PI:

Anders als in den USA seien die Zeitungen in Deutschland sehr gut aufgestellt. Ein Grund sei die enge Bindung zu ihrem Publikum, die im Lokalen besonders ausgeprägt sei. Dazu gehöre außerdem ein Vertriebs­system, das mit der Zeitungszustellung bis zur Haustür weltweit beispielhaft sei. In Deutschland würden die besten Zeitungen der Welt gemacht und im Unterschied zu den USA und vielen anderen Ländern gelte hier nicht der ausschließlich renditeorientierte Shareholder value.

Hätte sowas einer meiner Kollegen geschrieben, hätten Sie, lieber Sievers, wieder einmal den Tanja-Anja Vergleich herangezogen. So aber müssen Sie sich wohl einmal mehr fremdschämen, nicht nur für PR-ler und deren in Ihren Augen oftmals unbeholfenen Kommunikationsversuchen, sondern eben auch für die Verleger.

Aber ich schweife ab – zurück also zu Ihnen und etwas Seelenmassage. Wie eingangs geschrieben: Sie und Ihre Kollegen werden natürlich auch weiterhin eine mögliche Zielgruppe der Kommunikation von uns PR-lern sein.

Bevor Sie unbeaufsichtigt explodieren ob diesem “Zielgruppen-Gelaber”, erscheint es wichtig zu differenzieren: Geht es PRlern um eine “Zielgruppen-Definition”, oder um gute Kommunikation, wenn wir mit Ihnen oder Ihren Kollegen sprechen wollen. Denn: Hierin unterscheiden sich m.E. die allermeisten PRler.

Je nachdem, wie gut bzw. professionell die Kollegen der PR-Zunft ihren Job beherrschen, reden wir mit Journalisten bzw. betreiben Kommunikation.  Tragen Sichtweisen an Sie heran, stellen Themen vor, geben Einblicke, diskutieren Ansätze und und und. Wir begreifen uns, wenn es um den Dialog mit Ihnen geht, als Sparringspartner. Was aber bitte nicht mit Boxsack gleichgesetzt werden sollte.

Andere PR-ler begreifen Sie und Ihre Kollegen dagegen als reine Zielgruppe (es soll übrigens auch noch eine dritte Gruppe geben, die begreift vermutlich gar nichts und wirft ein schlechtes Licht auf unsere Branche), und vergessen die Kommunikation dabei. Bzw. vernachlässigen diese. Und dies ist fatal – denn sie werden scheitern. Vielleicht nicht sofort, aber langfristig: Auf ganzer Linie.

Denn: Eigentlich geht es doch im Zusammenspiel (sofern es dieses gibt – aus Ihrem Blickwinkel, der ja nicht selten etwas überhöht erscheint) zwischen PRlern und Journalisten v.a. um eins: Um Kommunikation. Sie propagierten unlängst von einem Dialog “auf Augenhöhe”. Und dies gilt m.E. sowohl für das Gespräch mit Ihnen, als auch mit bzw. in den sozialen Medien.

Meine These: Wenn PRler den Dialog mit Ihnen, den Journalisten, beherrschen, haben sie auch ganz gute Chancen auf einen Kommunikationserfolg in den sozialen Medien. Zwar gelten durchaus andere Regeln, und die allerallermeisten PRler tun sich sehr schwer, zwischen den Welten und damit Aufgaben zu wechseln. Aber ich wiederhole meine These: Wer sich als PRler  als Kommunikator begreift, der ehrlich und offen, bzw. auf Augenhöhe kommuniziert, hat recht gute Chancen. Natürlich muss auch das Handwerk sitzen – aber das ist ein anderes Thema.

Wolfgang Lünenburger hat ein interessantes Posting verfasst – zwar geht es dort vordergründig um die Vodafone-Frage (by the way: Auch das ist ein anderer Themenkomplex. Vodafone wird mir aber sicher noch ein eigenständiges Posting wert sein), doch  je nach Lesart könnte seine Sicht der Dinge meine obige These unterstützen. Mirko Lange von Talkabout beschäftigt diese Frage ebenfalls, wie man in seinem Blog lesen kann. Tapio Liller, dessen Sicht der Dinge mir (meist :) ) sehr gut gefallen, sieht einen Strukturwandel in der PR heraufziehen. Drei exemplarische Beispiele, drei ursprünglich anders gelagerte Themen – die ich jedoch auch zu meiner These in den Ring werfen möchte, lieber Sievers.

Was bedeutet dies für unsere Beziehung, lieber Sievers? Also: Die Beziehung zwischen PRler und Journalist?Siehe oben: Ich glaube und hoffe, dass durch Social Media ein Ruck durch unsere Branche geht. Dass besser kommuniziert wird – mit allen Zielgruppen. Wobei natürlich der Begriff “Zielgruppe” fraglich ist, wenn man von Dialog spricht. Wir arbeiten dann mal also mal schnell am Vokabular…

Aber: Wie lernt denn Ihre Branche von Social Media? Lernen Sie überhaupt? Sind Sie und Ihre Kollegen denn des Lernens überhaupt mächtig willig? Denn Sie und Ihre Arbeitgeber leb(t)en doch davon, als Gatekeeper Herr der Information zu sein. Und noch viel zu viele scheinen daran zu glauben, dass dies auch so bleiben wird (vgl. obige Presseinformation). Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Wir, die PRler, sind dabei uns der Situation zu stellen. Und lernen. Aber: Was machen Sie?

Kommentieren » | Gebaren, Geschäftsmodelle, Internet, Journalismus, Medien, PR, Social Media

Am Gatekeeper vorbei

8. Juli 2009 - 22:50 Uhr

Abends, kurz bevor mir die Äuglein zufallen, lese ich gerne noch ein bisschen durch meine Feeds, lieber Manz. Auch wenn ich sie dabei (fast) nie auf null bekomme, empfinde ich es doch irgendwie als entspannend, noch vom Höckschen aufs Stöckschen zu surfen, mich in Dingen zu verlieren, die ich den Tag über übersehen habe.

Bei so einem Ausflug bin ich eben über ein Posting von Thomas Crampton gestolpert, einstiger Kollege von mir, jetzt eher auf Ihrem Terrain unterwegs. Er nimmt darin einen Vortrag vorweg, den er vor einer Schar Zeitungsleute gehalten hat (der Eintrag in seinem Blog ist schon satte zwei Tage alt). Unter der Überschrift “4 Reasons Why The World Assn of Newspapers Will Not Like My Speech” schreibt er unter anderem:

In my job as Asia-Pacific director of Digital Influence 360 at Ogilvy, I spend my time speaking with companies about how they no longer need to go through media. By interacting directly with consumers they build a direct bond in a way that was not possible before the Internet. Why pay the “Publisher’s Tax” in going through the media when you can own the relationship yourself?

Nicht dass ich es nicht schon lange geahnt hätte, dass Sie, lieber Manz, und ihresgleichen inzwischen mich, den Gatekeeper, gern mal elegant umschiffen (wie eben erst Vodafone). Doch es aus kundigem Crampton-Mund zu hören, das schmerzt dann schon ein wenig. Journalisten sind schließlich auch nur Menschen und wollen gebraucht werden.

Deshalb die Frage an Sie, lieber Manz: Ist es schon so weit, sind wir, die Journalisten, jetzt zu nichts mehr gut? Kommen Sie auch gut ohne uns zurecht, weil wir schon längst ein Tor bewachen, das nicht mehr von einer Mauer eingerahmt ist?

Kommentieren » | Geschäftsmodelle, Internet, Medien, PR

Vodafone sucht die Generation Upload

8. Juli 2009 - 13:07 Uhr

Eben, als Sie schon auf dem Weg zum Lunch waren, lieber Manz, habe ich mir Vodafones erste Pressekonferenz mit Livestream und Facebook-Integration angesehen. Und ich muss gestehen, ich habe mich geschämt. Ein bisschen Fremdschämen für Vodafone war dabei, aber vor allem habe ich mich selbst für mich und meinen Berufsstand geschämt. Denn Journalisten (und damit auch ich, zumal ich in einem früheren Leben viel über Vodafone geschrieben habe) lassen zu, dass es solche Pressekonferenzen gibt. Bisher war das nicht so furchtbar schlimm, hat ja keiner gemerkt. Aber jetzt hat Vodafone so eine Veranstaltung ins Internet übertragen, und da können bekanntlich alle zugucken.

Bevor ich meine Scham ausführlicher erkläre, beglückwünsche ich die Damen und Herren von Vodafone. Der Mobilfunkanbieter hat eine Pressesprecherin fürs Soziale im Netz, er twittert, hat sich ein Blog zugelegt und scheint es mit den Sozialmedien insgesamt ernst zu meinen. Offenbar hat da ein Unternehmen verstanden, wo die eigenen Kunden unterwegs sind. Das ist zunächst gut für Vodafone, und es ist – das ist entscheidend – auch prächtig fürs Netz, vor allem deshalb, weil die Mobilfunkanbieter der Entwicklung des mobilen Internets mit teuren und undurchsichtigen Tarifen in den vergangenen Jahren im Weg gestanden haben – und ihn noch heute nicht komplett freigegeben haben. So, das war das.

Zugleich aber ist mir diese Live-PK ausgesprochen peinlich gewesen. Es ist eine Pressekonferenzen nach der, hätte ich über sie berichten müssen, ich nicht gewusst hätte, was ich schreiben soll. Vorträge und Folien waren vollgepackt mit Buzzwords und Versprechen, die natürlich niemand überprüfen kann. Stellt Vodafone wirklich seine Kunden an die erste Stelle? Was heißt es eigentlich, wenn der Konzern die Nutzer empowered? Und wer war noch gleich die Generation Upload? Die meisten leeren Phrasen habe ich mir, wie immer in solchen Fällen, nicht merken können (ich sitze dann gerne mit einem leeren Block da und frage mich, ob ich vielleicht nur etwas nicht verstanden habe). Leider kann ich sie auch nicht nachlesen, weil Vodafone noch keine Pressemitteilung und auch die Folien nicht online gestellt hat. Aber das kommt bestimmt noch.

Das ganze sah dann so aus:

Sceenshot

Links der Stream und die Protagonisten, rechts die Kommentare, die die geneigte Netzgemeinschaft über Facebook posten konnte.

Eines muss man Vodafone lassen: Sie haben es gewagt, und sie haben etwas auszuhalten gehabt. Eine Kostprobe:

Von Sceenshot

Was Vodafone geschafft hat: Sie haben ihre bisherige Kommunikation technisch mit dem Internet verbunden, haben nicht nur aus einer Pressekonferenz eine öffentliche Veranstaltung gemacht, sondern über die Facebook-Kommentare sogar einen Rückkanal eingebaut (der nach meinem Empfinden nicht zensiert wurde, zumindest meine Postings wurden unmittelbar veröffentlicht). Das ist schon ein Schritt.

Was Vodafone nicht geschafft hat, ist seine Kommunikation, also das, was sie sagen und zeigen, auf die von ihnen erfundene Gerneration Upload einzustellen. Die Pressekonferenz war genau das, was Pressekonferenzen eben sind, wenn sie – im herkömmlichen Sinne – professionell organisiert sind. Und das ist nichts anderes als: Gatekeeper-PR, wie sie klassischerweise funktioniert (hat). Einziger Unterschied: Die Netzgemeinde darf lauschen, kommentieren und am Ende werden sogar zwei, drei Fragen von der Facebook-Seite vorgelesen. Nicht dass wir uns falsch verstehen, lieber Manz, das ist mehr als nichts, das ist ein nicht ganz kleiner Schritt. Und doch ist es: peinlich.

Um das zu verstehen, versetzen wir uns mal in die Rolle des unbedarften Zeitungslesers, der an den Journalismus glaubt. Bisher dachte unser Leser, Journalisten sind nah dran, Journalisten wissen, was geht. Jetzt sieht er diesen Stream, sieht Journalisten, die sich Notizen machen, am Ende noch drei (unbedarfte) Fragen stellen (O-Ton: “Ich glaube, Vodafone istja auch ein internationales Unternehmen, oder? Wird die Kampagne auch in anderen Ländern laufen?”) und dann gerne einen Imbiss nehmen (O-Ton Vodafone: “Wir haben keine Kosten und Mühen gescheut, nur am Wetter haben wir gespart.”). Da muss sich unser Leser doch fragen: Sind das wirklich meine Helden, die Journalisten?

Ja, lieber Manz, das hier ist eine Selbstkritik. Denn auch ich habe an solchen Pressekonferenzen teilgenommen (und war auch hier und da zu unvorbereitet, um eine kritische Frage zu stellen). Also habe auch ich zugelassen, dass es diese Veranstaltungen gibt. Mea culpa.

An der Darbietung von Vodafone gibt es viel zu kritisieren. Und doch sehe ich vor allem eine Chance: die Möglichkeit auf ein authentischeres Miteinander. Wenn andere dem Beispiel folgen – und das hoffe ich sehr –
holen sie auch uns Journalisten aus der Ecke des Gatekeepers und zwingen auch uns dazu, uns der Konversation da draußen zu öffnen, den Gespräch über unsere Texte und die Themen unserer Berichterstattung. Eben das brauchen wir dringend. Und deshalb mag ich nicht nur auf Vodafone herumtrampeln, sondern blicke nach vorn. Üben müssen wir alle dürfen.

Update: Christian sieht Vodafone auf einem guten Weg. Ich übrigens auch, falls das nicht klar geworden ist.

Update_2: Vodafone hat es dann doch geschafft, die Pressemitteilung ins Netz zu stellen.

20 Kommentare » | Dilettantismen, Gebaren, Internet, Medien, Online-Marketing, PR