Am Gatekeeper vorbei

Abends, kurz bevor mir die Äuglein zufallen, lese ich gerne noch ein bisschen durch meine Feeds, lieber Manz. Auch wenn ich sie dabei (fast) nie auf null bekomme, empfinde ich es doch irgendwie als entspannend, noch vom Höckschen aufs Stöckschen zu surfen, mich in Dingen zu verlieren, die ich den Tag über übersehen habe.

Bei so einem Ausflug bin ich eben über ein Posting von Thomas Crampton gestolpert, einstiger Kollege von mir, jetzt eher auf Ihrem Terrain unterwegs. Er nimmt darin einen Vortrag vorweg, den er vor einer Schar Zeitungsleute gehalten hat (der Eintrag in seinem Blog ist schon satte zwei Tage alt). Unter der Überschrift „4 Reasons Why The World Assn of Newspapers Will Not Like My Speech“ schreibt er unter anderem:

In my job as Asia-Pacific director of Digital Influence 360 at Ogilvy, I spend my time speaking with companies about how they no longer need to go through media. By interacting directly with consumers they build a direct bond in a way that was not possible before the Internet. Why pay the “Publisher’s Tax” in going through the media when you can own the relationship yourself?

Nicht dass ich es nicht schon lange geahnt hätte, dass Sie, lieber Manz, und ihresgleichen inzwischen mich, den Gatekeeper, gern mal elegant umschiffen (wie eben erst Vodafone). Doch es aus kundigem Crampton-Mund zu hören, das schmerzt dann schon ein wenig. Journalisten sind schließlich auch nur Menschen und wollen gebraucht werden.

Deshalb die Frage an Sie, lieber Manz: Ist es schon so weit, sind wir, die Journalisten, jetzt zu nichts mehr gut? Kommen Sie auch gut ohne uns zurecht, weil wir schon längst ein Tor bewachen, das nicht mehr von einer Mauer eingerahmt ist?

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0 Antworten auf Am Gatekeeper vorbei

  1. Warum nur wollen die Leute ihre Botschaften im redaktionellen Teil der Medien veröffentlichen? Ganz einfach, weil sie dort glaubwürdig sind. Denn: Gute Redaktionen bürgen dafür, dass die Informationen adäquat dargestellt werden – die „Direktansprache“ schaltet die kritische Komponente aus und ist so (un)glaubwürig wie Werbung.

  2. Pingback: Wir haben Euch (auch) lieb | PRlen