Vodafone. Oder an der Generation Upload vorbei

Eines muss man Vodafone lassen: Das Mobilfunkunternehmen nimmt die Kritik nach seiner Live-PK der vergangenen Woche auf und reagiert. Und Vodafone tut das auf Augenhöhe: Die Kritik kam aus der Blogosphäre, also von der Zielgruppe, die der Konzern ansprechen will und für die er den Marketing-Begriff Generation Upload geschöpft hat, und Voldafone antwortet im eigenen Blog. Nur eines hat Vodafone augenscheinlich noch nicht verstanden: Bevor man reagiert, sollte man zuhören. (Nur kurz auch Ihnen zur Erinnerung, lieber Manz: Nach der PK in der vergangenen Woche hatte ich zunächst Asche auf mein Journalistenhaupt geschüttet; Vodafones Schritthalte ich grundsätzlich für mutig und gut.)

Kritisiert wurde Vodafone unter anderem deshalb, weil das Unternehmen mit seiner Kampagne eine Kundengruppe anspricht, für die es keine Produkte habe. T-Mobile hat das iPhone und o2 die sinnvollen und günstigen Datentarife, nachzulesen zum Beispiel hier. Den Kritikern geht es vor allem um die Beschränkung der Datenflatrate auf fünf Gigabyte im Monat (anschießend wird die Leitung gedrosselt). Darüber hinaus gibt es auch sehr differenzierte Kritik an Details, zum Beispiel daran, dass sich mit Vodafone keine Videos per Handy streamen lassen, weil der Mobilfunker seinen Kunden nur wenige Ports zur Verfügung stellt.

Und was macht Vodafone? Das Unternehmen stellt auf bockig. Das Motto lautet offenbar: Ihr sagt, wir haben nicht die richtigen Tarife! Wir halten daggen mit einem bestimmten: Doch das haben wir! Anders ist dieses Posting im Vodafone-Blog nicht zu erklären:

“Unser Daten-Tarife deckt derzeit schon eine breite Masse an Nutzungsszenarien ab. So kommen aus unserer Erfahrung die meisten Kunden, die unsere Daten-Flatrate verwenden, mit deutlich weniger als 5 Gigabyte (GB) Datenvolumen pro Monat aus und werden nichts von der Bandbreitenreduzierung spüren. Aber ein geringer Teil unserer Kunden nutzt eine solche Daten-Flat so intensiv, dass er ein vielfach höheres Daten-Volumen verursacht. Ohne Bandbreitenreduzierung würden Sie die Servicequalität in den betroffenen Zellbereichen für alle Teilnehmer verschlechtern.”

Was folgt ist eine langatmige Erklärung der einzelnen Datentarife (was die Frage aufwirft, ob Tarife, die man erklären mus, noch in Jahr 2009 passen).

Fassen wir zusammen, lieber Manz: Vodafone benutzt (schon lange) den Begriff Flatrate, der subsumiert (eine der wenigen Juristenvokabel, die ich liebe), der Kunde zahlt einen Preis und kann dann machen, was er will. So funktionieren die Internet-Flatrates im Festnetz, die Flatrates in Kneipen und der All inclusive Urlaub in der Türkei (habe ich mir sagen lassen). Nur bei Vodafone kann er das nicht. Nach fünf GB im Monat schrumpft die Leitung auf 1998. Und das ist nicht einzige Einschränkung mit der die Generation Upload leben müsste, weshalb sie bisher wohl vor allem bei T-Mobile und o2 unter Vertrag ist (sont bräuchte es ja die Milliönchen für die Werbung nicht).

Nur noch mal zum Mitschreiben: Die Mobilfunknutzer, die sich in ihren Blogs und über Twitter zu den Vodafone-Tarifen geäußert haben, bilden die Zielgruppe. Das sind die Menschen, die viel ins Internet schreiben und viele Fotos und Videos hochladen. Das sind die Menschen, die die Kunden von den Vodafone-Tarifen weitertragen würden, wenn sie diese lieben würden. Doch das tun sie nicht. Und statt ihnen eine Hand zu reichen, schlägt Vodafone die Tür zu und schmollt. Ich nenne das: Marktführerverhalten.

Vielleicht hätte Vodafone die Millionen, die das Unternehmen der Werbewirtschaft spendiert, besser in Tarife investiert, die es nicht erklären muss. Denn am Ende zahlt einer für die TV-Spots und all das: der Kunde. Nun gut, auch meine Familie lebt von der Vodafone-Werbung, doch das ist ein anderes Thema.

Nachklapp: @Weltenweiser weist mich zu recht darauf hin, dass Vodafone im gleichen Bog die Debatte um die Netzsperren für beendet erklärt – und dass das weit schwerer wiegt. Mehr dazu bei DonAlphonso.

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0 Antworten auf Vodafone. Oder an der Generation Upload vorbei

  1. Tim sagt:

    Jedi Kritik in den Kommentaren zu dem Tarif-Posting wird von vodafone gelöscht. Selbst Aussagen, die den Neusprech auf den Punkt bringen: Keine Datenoption ohne 24-monatige Mindestlaufzeit.

    Dialog mit den Kunden sieht anders aus.

  2. Pingback: Swype.me » Internet Webseite des Tages » Generation Upload….

  3. Nick sagt:

    Dialog mit Kunden war ja das vorgegebene Ziel, aber ich bin auch absolut der Meinung, dass das anders hätte aussehen müssen. Wirklich passend finde ich die Bemerkung, dass man vielleicht eher mal an durchsichtigen und attraktiven Angeboten arbeiten sollte, bevor man umständlich und lächerlich versucht, den alten Mist zu verkaufen. Bin mal gespannt, was Vodafone noch an Mühen in das web 2.0 investieren wird nach diesem Debakel.

  4. Pingback: Vodafone und die 24-Stunden-Surfer | PRlen