Ein paar Anmerkungen zu Pons, TV und – ja doch, Vodafone

Lieber Sievers, manchmal frage ich mich, ob Ihnen Ihre Elternzeit wirklich gut tut. Sie werden auf einmal so sanft im Umgang – streuen einmal Asche über Ihr Haupt, einmal spielen Sie den Gedanken durch, erst einen riesen Etat zu gewinnen und dann „so Sachen“ zu sagen. Oder so ähnlich. Werden Sie altersmilde? Oder doch bald PRler? Diese Frage scheint berechtigt, da Sie nun schon seit einiger Zeit hartnäckigen Fragen zur Zukunft des Journalismus, bzw. der Reaktion Ihrer Zunft sowie Eurem Geschäftsmodell einfach ausweichen, und das Thema – ganz der PRler – schön in andere Richtungen lenken. (An dieser Stelle folgt der * Verweis). Was sagen Sie bspw. zu diesen Thesen über die Zukunft des Journalismus, gefunden bei der sehr geschätzten Ulrike Langer?

Also: Ran an die harten Themen, Herr Sievers. Denn nicht nur in der PR gibts doch wirklich viele schöne Sachen zu beobachten. Doch damit beschäftigen wir uns ja beide gerne – ich von Berufswegen, Sie aus Eigeninteresse?

However, da ich ja zuletzt fast abgetaucht bin (siehe *), gar in der Versenkung vermutet wurde, wird es höchste Zeit auch noch ein paar Dinge zu Vodafone zu schreiben. Ob das die (Social Media-) Welt braucht? Egal, auf einen Post mehr oder weniger kommt es auch nicht mehr an – also: Für’s Archiv…

Nach all der Kritik, teilweise auch Krawall in der Web-Szene ob der Kampagne, oder PK, oder Public Konferenz oder whatever, samt extremen Folgen, die Mitte der vergangenen Woche im Einstellen von Frau Schnutingers Blog gipfelten (was wiederum den Weg in die klassischen Medien fand, vgl. bspw. den Beitrag im Freitag), will ich nur ein paar wenige Punkte dazu verlieren – denn: Das meiste ist schon vielfach gesagt worden, zuletzt hat bspw. noch einmal der geschätzte Olaf Kolbrück Stellung genommen.

  1. Es war ein mutiger Schritt von Vodafone, oder von Scholz & Friends. Und ein wichtiger für alle Social Media Enthusiasten, denn es wurde gezeigt: Mit Social Media kann auch Geld umgesetzt verdient werden.
  2. Bevor mich nun die Social Media Elite lyncht, weil ich das Wort „Geld verdienen“ in Zusammenhang mit Social Media benutze, schiebe ich Punkt 2 nach, in dem ich frage: Können Werber Social Media Kommunikation machen? Oder anders gefragt: Passen Werbung und Social Media zusammen – wo doch Social Media eher eine neue Kommunikations-Kultur ist, denn ein Abladeplatz für handwerklich durchaus extrem gut gemachte Emotionen? Ein sehr spannender Diskurs hierzu findet gegenwärtig im Blog der Sympra (dort sind u.a. B. Jodeleit und V. Mathauer sehr effektiv mit Social Media tätig) statt, neben dem Kern-Beitrag von Mirko Kaminski von Achtung! sind v.a. auch die Kommenentare sehr spannend zu lesen.
  3. Die Idee, eine PK zu öffnen für die Web-Welt, und damit letztlich für jeden, war brilliant. Leider war die Umsetzung, nun ja, suboptimal (wie ein PRler dies wohl beschönigen würde). Über die Gründe hierzu ist aber wahrlich genug geschrieben worden, daher erspare ich uns dies.
  4. Reaktionen von Vodafone gab es – das ist gut. Aber auch im Reagieren gibt es noch einiges zu lernen…
  5. Alles im allem: Ich bin froh, dass es endlich einen richtig großen Case gibt. Aus dem alle lernen können. Und werden.

Im Vergleich dazu wenig beachtet wurde dagegen eine Mitte letzter Woche  angelaufene PR-Blogger-Relations Aktion von PONS. Soweit ich dies bisher verstanden und richtig gelesen habe – denn leider, lieber Sievers, sind wir ja noch keine wichtigen Blogger, sonst hätten wir auch ein Schulheft bekommen – ist dies ein Musterbeispiel für aufwendige, aber effektive Bloger-Relations.

Neben einigen sehr wohlwollenden, direkten und reichweitenstarken Reaktionen zeigt dies auch in Blick in Twoogle. Gratulation daher an @Strorymaker oder an @vmepoeple. Wenngleich ich wage zu behaupten: Einen derart hohen Aufwand zu fahren wird sich nur bei wenigen Kunden verargumentieren lassen, denn am Ende heißt es nicht selten: „Wer soll das bezahlen…“.

So, lieber Sievers, wäre ich jetzt Sie, würde ich jetzt enden. Denn ich habe derartig mäandernde Bögen geschlagen, dass die Headline schon wieder vergessen wurde. Immer schön ablenken – siehe oben. Aber: Ich wage mich schon noch an eine Antworte auf Ihre Frage über das mutmaßliche Ende des Leitmediums TV.

Nun, es gibt bereits einige Studien, die genau das vorhersagen. Und ich bin mir sicher, dass Social Media diesen Prozess beschleunigen wird. Ähnliches sagte ja auch Richard Gutjahr beim letzten Social Media Club Treffen in München. Aber noch spielt „klassisches TV“ eine immens wichtige Rolle, denn es ist – und wird auch bleiben – ein Massenmedium. Die Frage ist nur: Wie stellen sich die TV-Anstalten auf die anbrechende neue Zeit ein? Wie können und wollen sie sich behaupten?

Und derartige Fragen, lieber Sievers, habe ich schon oft an Sie gestellt – nicht nur oben. Ich bin gespannt auf Ihre Antwort. Denn: Dank der Elternzeit haben Sie ja im Vergleich zu mir unendlich viel Zeit.

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Nun noch der *Verweis: Ich bitte um Abbitte… Durch die Erkrankung in der letzten Woche bin ich noch mehr hinten dran, als ohnehin schon. Und bedingt durch zahlreiche Projekte im Agenturalltag, von denen viel zu wenige Social Media im Kern behandeln, sowie die eigene Familie bleibt mir gegenwärtig nichts anderes übrig, als mich weiterhin von Ihnen treiben zu lassen. Aber: Ich arbeite daran, dass sich der Spieß umdreht. Denn auch Ihre Elternzeit ist iregndwann vorbei…

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