Archiv für August 2009


Simyo und die sozialen Medien

18. August 2009 - 17:16 Uhr

An dieser Stelle ging es in jüngerer Vergangenheit einige Male um einen großen Mobilfunkanbieter, der sich an die Blogosphäre heranwanzte die Blogosphäre für sich entdeckte. Mit einem enormen Werbeaufwand erklärt mir Vodafone überall – im Netz ebenso wie am Münchner Hauptbahnhof -, dass es meine Zeit ist, ich das Netz bin und man mit dem richtigen Handy auch von Hochhäusern springen kann. Ok, all das passt zu einem Riesen wie Vodafone. Wer groß ist, will auch groß wirken.

Es geht aber auch anders, lieber Manz. Vor ein paar Tagen hatte ich auf die Facebook-Seite von Simyo verwiesen (das ist dieser “Wir-machen-Mobilfunk-und-nur-Mobilfunk-aber-billger”-Provider, der auf dem E-Plus-Netz unterwegs ist). Das Posting war ein wenig dahingeschnoddert, denn ich war mit der Vodafone-Werbung am Bahnhof einem Zug verabredet. Deshalb jetzt noch mal etwas gründlicher die Frage: Was macht Simyo da eigentlich in diesem Sozialdingens? Beantwortet hat sie mir Ira Reckenthäler, die Sprecherin von Simyo.

Vermutlich lässt sich die Strategie von Simyo am besten zusammenfassen mit: eine Politik kleiner Schritte. Simyo ist seit einem Jahr in Foren unterwegs, um Fragen und Anregungen von Kunden aufzuschnappen – “mit offenen Visier”, sagt Reckenthäler. Zu den Websites, die das PR-Team zusammen mit der Agentur Mavens beobachtet, gehören handy-faq.de, teltarif.de und telefon-treff.de.

Im Herbst des vergangenen Jahres kam dann ein weiterer Baustein hinzu: das Simyo-Blog. Dort schreiben knapp zwei Dutzend Mitarbeiter über den Provider, seine Produkte – und die bunte, bunte Mobilfunkwelt. Es geht um iPhone-Apps (Simyo vermarktet das Apple-Handy über einen Partner), Bundesliga auf dem Handy und kostenlose Auskunftsdienste. Immerhin gut 100 Postings und – Reckenthäler hat sie gezählt – 1200 Kommentare. Das ist nicht so schlecht für ein PR-Blog.

Nach dem Blog war es dann vermutlich logisch, auch bei Twitter einzusteigen. Simyo twittert seit Juni als @simyo_ticker aktuelles aus der Welt des Unternehmens und als @simyo_service zu Problemen der Kunden und Wehwechen der eigenen Dienste. Auf Facebook landete Simyo schließlich, “weil wir festgestellt haben, dass da viele Kunden von uns unterwegs sind”, sagt Reckenthäler. Deshalb habe das Unternehmen seinen Nutzern dort die Möglichkeit eröffnet, Dienste und Preise zu bewerten und zu kommentieren.

Alles nette Dinge. Bleibt die Frage: Was bringt das dem Kunden? Hm, die Frage geht jetzt an Simyo-Kunden: Jemand da, der etwas dazu sagen will? Die ofizielle Version lautet: Simyo hört Gesprächen zu, die sowieso stattfinden, erkennt hier und da, wo es klemmt – und kann Kunden auch mal aus der Sackgasse helfen.

Was mich auch noch umtreibt, lieber Manz, ist die Frage: Und die Medien? Die Journaille? Was ist mit mir, dem Journalisten, bin ich nicht mehr wichtig? Natürlich hat Ira Reckenthäler dazu auch eine Antwort parat: “Die Pressearbeit geht genauso weiter wie vor dem Engagement in sozialen Medien.” Warum nur will ich ihr das nicht so ganz glauben?

Ach ja, um das zu tun, was Journalisten gerne tun, bastle ich jetzt noch eine Klammer um den Text: Wir haben nämlich auch übers Budget gesprochen. Vodafone gibt angeblich bis zu 200 Millionen Euro für sein neues Image und die Generation Upload aus. Nun hat Ira Reckenthäler mir nicht verraten, wie viel Geld Simyo in die Hand nimmt. Nur so viel: Die Social-Media-Nummern sind “Teil eines sehr übersichtlichen PR-Budgets”. Das glaube ich ihr sofort.

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Warum Social Media schon heute mehr als relevant ist

17. August 2009 - 23:01 Uhr

So fern wir, lieber Sievers, in einigen Denkweisen auch sein mögen, eins haben wir doch gemein: Beide glauben wir an den Einfluss und die Bedeutung von Social Media. Für die PR genauso wie für den Journalismus.

Sehr spannend ist in diesem Zusammenhang dieses Video

Denn es zeigt deutlich, was sich da anbahnt. Der Tsunami Social Media rollt schon heute unaufhaltbar auf die zu, die das ganze als “Spinnerei” abtun. Natürlich: Dies sind weltweite Zahlen, und mit deutschen Verhältnissen daher schwer vergleichbar. Aber der Tsunami kommt. Auch zu uns.

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Simyo lauscht bei Facebook

12. August 2009 - 15:06 Uhr

Dieses Social Media, lieber Manz, ist ja irgendwie in aller Munde will ja heute jeder machen, oder? Soll total gut sein. Denn da kommt man ganz nah ran an den Kunden und kann ihm lauschen. Mit ein bisschen Glück macht der Kunde dann auch noch ein bisschen Werbung für die eigenen Produkte. Super, das.

Auf den fahrenden Zug ist jetzt auch Simyo aufgesprungen. Ja genau, lieber Manz, dieser Mobilfunkdiscounter, der das viel gescholtene E-Plus-Netz mit eher niedrigen Minutengebühren noch ein bisschen mehr belastet besser auslastet. Simyo hat jetzt eine eigene Facebook-Seite: www.facebook.com/simyoDE.

Auf der Seite macht Simyo, was man bei Facebook eben so macht – tun Sie und ich ja auch.

Simyo postet Statusmeldung:

“Karsen Füllhaas weist in seinem Blog darauf hin, dass sich der Erfolg unserer Bewertungsaktion daran entscheidet, wie wir mit Kritik umgehen. Recht hat er ;-)

Aha. So aus dem Zusammenhang gerissen klingt das noch ein bisschen seltsamer, als wenn man es im Kontext liest.

Simyo postet die Beiträge aus dem eigenen Blog:

“iPhone 8GB bei unserem Shop-Partner jetzt billiger.”

Es werden andere Websites verlinkt, die sich mit Simyo beschäftigen – wobei ich mich frage, ob ihre PR-Kollegen, lieber Manz, auch lesen, was sie da verlinken:

“German mobile discounter Simyo has created a Facebook fan page in a weird move to connect with consumers. (…) Now, far be it from us to dismiss a social media strategy but Simyo’s self promotion could be just a tad too much. Indeed in the mobile space a discounter must focus on cost and service to keep consumers loyal and talking – but encouraging users to become “a fan” of a service that they pay for via Facebook seems surreal.”

Und dann gibt da da noch die Diskussion – auf einer eigenen Unterseite. Dort können Simyo-Kunden Simyo-Fans schreiben und diskutieren, was es so zu sagen gibt über den Vorturner der Billigheimer im deutschen Mobilfunk.

Da stehen dann so Dinge, die klingen, als hätte sie der Praktikant in der Pressestelle geschrieben:

“seit ich nicht mehr bei eplus bin, sondern simyo nutze, haben sich meine mobiltelefon-kosten auf ein drittel reduziert und das, obwohl ich weitaus mehr auch mobil online bin.”

Ob der PR-Praktikant wirklich die eigene Mutter so beschimpfen dürfte?

Aber – und an dieser Stelle wird es interessant – Simyo hat nicht in der Hand, was auf der eigenen Facebook-Seite über Simyo geschrieben wird. Nämlich auch sowas:

“Habe soeben meine Simyo-Karte wieder aus meinem Handy entfernt und eine Jamobil-Karte eingesetzt (T-Mobile-Netz). Grund: Seit Wochen komme ich an meinem Wohnort (München-Laim) mit meinem Smartphone und Simyo nicht mehr ins Internet, obwohl volle 3G-Verfügbarkeit angezeigt wird. Der Support hatte mehrere Chancen, aber nett sein allein reicht nicht. Ach ja: Die Jamobil-Karte hat auf Anhieb funktioniert.”

Nicht schön für Simyo. Auf den ersten Blick. Und auf den zweiten Blick ist es noch ein wenig unschöner, weil das nicht einfach ein mauliger Kunde geschrieben hat, sondern Frank Kemper – und der ist als stellvertretender Chefredakteur der “Internet World Business” ein Multiplikator aus der Offline-Welt. Blöd, dass der Simyo nicht mag. Und noch blöder, dass das jetzt alle viele wissen.

Aber hey, die Leute in der Simyo-Pressestelle leben offenbar wirklich ein bisschen im Netz. Denn kaum hat Kollege Kemper gemault, liefern die Berufskommunikatoren eine neue Statusmeldung:

“Nachdem wir bislang durchweg sehr gutes Feedback hatten, haben wir heute unsere erste 1-Stern-Bewertung von Frank Kemper bekommen. Auch darauf sei an dieser Stelle hingewiesen.”

Simyo scheint das mit diesem Social Media ernst zu meinen. Bin sehr gespannt, ob sie das Tempo halten.

Aber zum Schluss noch eine Frage: Braucht jetzt wirklich jeder eine Facebook-Seite, lieber Manz? Oder hat da nur ‘ne PR-Agentur toll argumentiert, um den Job zu bekommen?

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Ein bisschen Social Media

9. August 2009 - 22:16 Uhr

… als Pausenmusik zur Nacht.

Manche Leute basteln wirklich hübsche Präsentationen.

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Vodafone und die 24-Stunden-Surfer

3. August 2009 - 07:03 Uhr

Erst Sie, lieber Manz, haben mit auf einen Beitrag in einer Zeitung vom Samstag gebracht: Judith Lembke, Wirtschaftsredakteurin bei der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” (FAZ), hat sich für ihr Blatt mit der Vodafone-Kampagne “Es ist Deine Zeit” beschäftigt – und stellt dabei Deutschland-Chef Friedrich Joussen bloß legt mit ihrem Text “Der Kampf um den 24-Stunden-Surfer” den Finger mitten in die Wunde.

Vodafone-Chef Friedrich Joussen lässt sie sagen:

“Bei den Kritiken im Blog reden wir über 500 Beiträge, wir machen aber Produkte für 40 Millionen Kunden”

Nur hat Vodafone bekanntlich vergessen, mit der neuen Kampagne auch neue Produkte einzuführen – und Blogger haben sehr detailliert erläutert, warum das ein Problem ist. Was genau sollen also die 40 Millionen Kunden kaufen?

Nun wäre es für Vodafone vermutlich zu verschmerzen, wenn nur ein paar Hardcore-Internetnutzer Schwierigkeiten damit hätten. Doch ganz so einfach ist das Spiel mit der Aufmerksamkeit eben nicht, wie Marketing-Professor Tobias Langner der FAZ sagt:

“Während viele Jugendliche zum Beispiel einen iPod benutzen, um in ihrem sozialen Umfeld zu punkten, werden sie kaum mit ihrem neuen Handy-Tarif angeben. (…) “Die Kommunikationsstrategie sollte jedoch eher auf eine gute Preispositionierung als auf den Aufbau einer Fangemeinde abzielen.”

Wir halten also fest: Ein toller Online-Tarif wäre besser gewesen, als teure Werbung mit viel Emotion. Aber das habe ich ja bereits bei anderer Gelegenheit bemängelt.

Auch Joussen scheint im Grunde seines Mobilfunker-Herzens verstanden zu haben, dass es nicht ein paar wild gewordene Blogger sind, auf die sein Unternehmen geprallt ist. Vielleicht ist es ja wirklich die Avantgarde, die Boheme, die die Masse und damit auch das Massengeschäft nach sich zieht. Joussen sagt:

“Dort, wo sie sind, werden in ein paar Jahren auch alle anderen sein.”

Dann hoffe ich mal (für Vodafone), dass er das Ernst meint. Und das hier auch:

“Die Feedback-Kultur finde ich grundsätzlich gut, denn konstruktive Kritik und kreative Ideen können uns helfen, viel schneller und zielgerichteter Produkte zu optimieren.”

Könnte ja sonst passieren, dass jemand anderes auf die Idee kommt, seine Generation Upload mit dem Online-Tarif zu versorgen, den Vodafone vergessen hat der Kampagne beizulegen.

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