Simyo lauscht bei Facebook

Dieses Social Media, lieber Manz, ist ja irgendwie in aller Munde will ja heute jeder machen, oder? Soll total gut sein. Denn da kommt man ganz nah ran an den Kunden und kann ihm lauschen. Mit ein bisschen Glück macht der Kunde dann auch noch ein bisschen Werbung für die eigenen Produkte. Super, das.

Auf den fahrenden Zug ist jetzt auch Simyo aufgesprungen. Ja genau, lieber Manz, dieser Mobilfunkdiscounter, der das viel gescholtene E-Plus-Netz mit eher niedrigen Minutengebühren noch ein bisschen mehr belastet besser auslastet. Simyo hat jetzt eine eigene Facebook-Seite: www.facebook.com/simyoDE.

Auf der Seite macht Simyo, was man bei Facebook eben so macht – tun Sie und ich ja auch.

Simyo postet Statusmeldung:

„Karsen Füllhaas weist in seinem Blog darauf hin, dass sich der Erfolg unserer Bewertungsaktion daran entscheidet, wie wir mit Kritik umgehen. Recht hat er ;-)“

Aha. So aus dem Zusammenhang gerissen klingt das noch ein bisschen seltsamer, als wenn man es im Kontext liest.

Simyo postet die Beiträge aus dem eigenen Blog:

„iPhone 8GB bei unserem Shop-Partner jetzt billiger.“

Es werden andere Websites verlinkt, die sich mit Simyo beschäftigen – wobei ich mich frage, ob ihre PR-Kollegen, lieber Manz, auch lesen, was sie da verlinken:

„German mobile discounter Simyo has created a Facebook fan page in a weird move to connect with consumers. (…) Now, far be it from us to dismiss a social media strategy but Simyo’s self promotion could be just a tad too much. Indeed in the mobile space a discounter must focus on cost and service to keep consumers loyal and talking – but encouraging users to become “a fan” of a service that they pay for via Facebook seems surreal.“

Und dann gibt da da noch die Diskussion – auf einer eigenen Unterseite. Dort können Simyo-Kunden Simyo-Fans schreiben und diskutieren, was es so zu sagen gibt über den Vorturner der Billigheimer im deutschen Mobilfunk.

Da stehen dann so Dinge, die klingen, als hätte sie der Praktikant in der Pressestelle geschrieben:

„seit ich nicht mehr bei eplus bin, sondern simyo nutze, haben sich meine mobiltelefon-kosten auf ein drittel reduziert und das, obwohl ich weitaus mehr auch mobil online bin.“

Ob der PR-Praktikant wirklich die eigene Mutter so beschimpfen dürfte?

Aber – und an dieser Stelle wird es interessant – Simyo hat nicht in der Hand, was auf der eigenen Facebook-Seite über Simyo geschrieben wird. Nämlich auch sowas:

„Habe soeben meine Simyo-Karte wieder aus meinem Handy entfernt und eine Jamobil-Karte eingesetzt (T-Mobile-Netz). Grund: Seit Wochen komme ich an meinem Wohnort (München-Laim) mit meinem Smartphone und Simyo nicht mehr ins Internet, obwohl volle 3G-Verfügbarkeit angezeigt wird. Der Support hatte mehrere Chancen, aber nett sein allein reicht nicht. Ach ja: Die Jamobil-Karte hat auf Anhieb funktioniert.“

Nicht schön für Simyo. Auf den ersten Blick. Und auf den zweiten Blick ist es noch ein wenig unschöner, weil das nicht einfach ein mauliger Kunde geschrieben hat, sondern Frank Kemper – und der ist als stellvertretender Chefredakteur der „Internet World Business“ ein Multiplikator aus der Offline-Welt. Blöd, dass der Simyo nicht mag. Und noch blöder, dass das jetzt alle viele wissen.

Aber hey, die Leute in der Simyo-Pressestelle leben offenbar wirklich ein bisschen im Netz. Denn kaum hat Kollege Kemper gemault, liefern die Berufskommunikatoren eine neue Statusmeldung:

„Nachdem wir bislang durchweg sehr gutes Feedback hatten, haben wir heute unsere erste 1-Stern-Bewertung von Frank Kemper bekommen. Auch darauf sei an dieser Stelle hingewiesen.“

Simyo scheint das mit diesem Social Media ernst zu meinen. Bin sehr gespannt, ob sie das Tempo halten.

Aber zum Schluss noch eine Frage: Braucht jetzt wirklich jeder eine Facebook-Seite, lieber Manz? Oder hat da nur ’ne PR-Agentur toll argumentiert, um den Job zu bekommen?

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