Kategorie: Prinzipien


GPRA-Präsident Alexander Güttler über Ehrlichkeit in der PR

11. September 2009 - 11:01 Uhr

Entlarvend, lieber Manz, sind oft Kleinigkeiten. Nebensätze. Subtext. Ein Beispiel liefert uns GPRA-Präsident Alexander Güttler. In einem Interview zu Situation und Zukunft der PR-Agenturen sagt er: “…wenn wir ehrlich sind und die PR mal beiseite lassen”. So etwa bei Minute 1:14:

Und ich dachte, lieber Manz, PR sei immer ehrlich? Etwa nicht?

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Ein paar Anmerkungen zu Pons, TV und – ja doch, Vodafone

29. Juli 2009 - 21:43 Uhr

Lieber Sievers, manchmal frage ich mich, ob Ihnen Ihre Elternzeit wirklich gut tut. Sie werden auf einmal so sanft im Umgang – streuen einmal Asche über Ihr Haupt, einmal spielen Sie den Gedanken durch, erst einen riesen Etat zu gewinnen und dann “so Sachen” zu sagen. Oder so ähnlich. Werden Sie altersmilde? Oder doch bald PRler? Diese Frage scheint berechtigt, da Sie nun schon seit einiger Zeit hartnäckigen Fragen zur Zukunft des Journalismus, bzw. der Reaktion Ihrer Zunft sowie Eurem Geschäftsmodell einfach ausweichen, und das Thema – ganz der PRler – schön in andere Richtungen lenken. (An dieser Stelle folgt der * Verweis). Was sagen Sie bspw. zu diesen Thesen über die Zukunft des Journalismus, gefunden bei der sehr geschätzten Ulrike Langer?

Also: Ran an die harten Themen, Herr Sievers. Denn nicht nur in der PR gibts doch wirklich viele schöne Sachen zu beobachten. Doch damit beschäftigen wir uns ja beide gerne – ich von Berufswegen, Sie aus Eigeninteresse?

However, da ich ja zuletzt fast abgetaucht bin (siehe *), gar in der Versenkung vermutet wurde, wird es höchste Zeit auch noch ein paar Dinge zu Vodafone zu schreiben. Ob das die (Social Media-) Welt braucht? Egal, auf einen Post mehr oder weniger kommt es auch nicht mehr an – also: Für’s Archiv…

Nach all der Kritik, teilweise auch Krawall in der Web-Szene ob der Kampagne, oder PK, oder Public Konferenz oder whatever, samt extremen Folgen, die Mitte der vergangenen Woche im Einstellen von Frau Schnutingers Blog gipfelten (was wiederum den Weg in die klassischen Medien fand, vgl. bspw. den Beitrag im Freitag), will ich nur ein paar wenige Punkte dazu verlieren – denn: Das meiste ist schon vielfach gesagt worden, zuletzt hat bspw. noch einmal der geschätzte Olaf Kolbrück Stellung genommen.

  1. Es war ein mutiger Schritt von Vodafone, oder von Scholz & Friends. Und ein wichtiger für alle Social Media Enthusiasten, denn es wurde gezeigt: Mit Social Media kann auch Geld umgesetzt verdient werden.
  2. Bevor mich nun die Social Media Elite lyncht, weil ich das Wort “Geld verdienen” in Zusammenhang mit Social Media benutze, schiebe ich Punkt 2 nach, in dem ich frage: Können Werber Social Media Kommunikation machen? Oder anders gefragt: Passen Werbung und Social Media zusammen – wo doch Social Media eher eine neue Kommunikations-Kultur ist, denn ein Abladeplatz für handwerklich durchaus extrem gut gemachte Emotionen? Ein sehr spannender Diskurs hierzu findet gegenwärtig im Blog der Sympra (dort sind u.a. B. Jodeleit und V. Mathauer sehr effektiv mit Social Media tätig) statt, neben dem Kern-Beitrag von Mirko Kaminski von Achtung! sind v.a. auch die Kommenentare sehr spannend zu lesen.
  3. Die Idee, eine PK zu öffnen für die Web-Welt, und damit letztlich für jeden, war brilliant. Leider war die Umsetzung, nun ja, suboptimal (wie ein PRler dies wohl beschönigen würde). Über die Gründe hierzu ist aber wahrlich genug geschrieben worden, daher erspare ich uns dies.
  4. Reaktionen von Vodafone gab es – das ist gut. Aber auch im Reagieren gibt es noch einiges zu lernen…
  5. Alles im allem: Ich bin froh, dass es endlich einen richtig großen Case gibt. Aus dem alle lernen können. Und werden.

Im Vergleich dazu wenig beachtet wurde dagegen eine Mitte letzter Woche  angelaufene PR-Blogger-Relations Aktion von PONS. Soweit ich dies bisher verstanden und richtig gelesen habe – denn leider, lieber Sievers, sind wir ja noch keine wichtigen Blogger, sonst hätten wir auch ein Schulheft bekommen – ist dies ein Musterbeispiel für aufwendige, aber effektive Bloger-Relations.

Neben einigen sehr wohlwollenden, direkten und reichweitenstarken Reaktionen zeigt dies auch in Blick in Twoogle. Gratulation daher an @Strorymaker oder an @vmepoeple. Wenngleich ich wage zu behaupten: Einen derart hohen Aufwand zu fahren wird sich nur bei wenigen Kunden verargumentieren lassen, denn am Ende heißt es nicht selten: “Wer soll das bezahlen…”.

So, lieber Sievers, wäre ich jetzt Sie, würde ich jetzt enden. Denn ich habe derartig mäandernde Bögen geschlagen, dass die Headline schon wieder vergessen wurde. Immer schön ablenken – siehe oben. Aber: Ich wage mich schon noch an eine Antworte auf Ihre Frage über das mutmaßliche Ende des Leitmediums TV.

Nun, es gibt bereits einige Studien, die genau das vorhersagen. Und ich bin mir sicher, dass Social Media diesen Prozess beschleunigen wird. Ähnliches sagte ja auch Richard Gutjahr beim letzten Social Media Club Treffen in München. Aber noch spielt “klassisches TV” eine immens wichtige Rolle, denn es ist – und wird auch bleiben – ein Massenmedium. Die Frage ist nur: Wie stellen sich die TV-Anstalten auf die anbrechende neue Zeit ein? Wie können und wollen sie sich behaupten?

Und derartige Fragen, lieber Sievers, habe ich schon oft an Sie gestellt – nicht nur oben. Ich bin gespannt auf Ihre Antwort. Denn: Dank der Elternzeit haben Sie ja im Vergleich zu mir unendlich viel Zeit.

——-

Nun noch der *Verweis: Ich bitte um Abbitte… Durch die Erkrankung in der letzten Woche bin ich noch mehr hinten dran, als ohnehin schon. Und bedingt durch zahlreiche Projekte im Agenturalltag, von denen viel zu wenige Social Media im Kern behandeln, sowie die eigene Familie bleibt mir gegenwärtig nichts anderes übrig, als mich weiterhin von Ihnen treiben zu lassen. Aber: Ich arbeite daran, dass sich der Spieß umdreht. Denn auch Ihre Elternzeit ist iregndwann vorbei…

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Vodafone. Oder an der Generation Upload vorbei

15. Juli 2009 - 08:57 Uhr

Eines muss man Vodafone lassen: Das Mobilfunkunternehmen nimmt die Kritik nach seiner Live-PK der vergangenen Woche auf und reagiert. Und Vodafone tut das auf Augenhöhe: Die Kritik kam aus der Blogosphäre, also von der Zielgruppe, die der Konzern ansprechen will und für die er den Marketing-Begriff Generation Upload geschöpft hat, und Voldafone antwortet im eigenen Blog. Nur eines hat Vodafone augenscheinlich noch nicht verstanden: Bevor man reagiert, sollte man zuhören. (Nur kurz auch Ihnen zur Erinnerung, lieber Manz: Nach der PK in der vergangenen Woche hatte ich zunächst Asche auf mein Journalistenhaupt geschüttet; Vodafones Schritthalte ich grundsätzlich für mutig und gut.)

Kritisiert wurde Vodafone unter anderem deshalb, weil das Unternehmen mit seiner Kampagne eine Kundengruppe anspricht, für die es keine Produkte habe. T-Mobile hat das iPhone und o2 die sinnvollen und günstigen Datentarife, nachzulesen zum Beispiel hier. Den Kritikern geht es vor allem um die Beschränkung der Datenflatrate auf fünf Gigabyte im Monat (anschießend wird die Leitung gedrosselt). Darüber hinaus gibt es auch sehr differenzierte Kritik an Details, zum Beispiel daran, dass sich mit Vodafone keine Videos per Handy streamen lassen, weil der Mobilfunker seinen Kunden nur wenige Ports zur Verfügung stellt.

Und was macht Vodafone? Das Unternehmen stellt auf bockig. Das Motto lautet offenbar: Ihr sagt, wir haben nicht die richtigen Tarife! Wir halten daggen mit einem bestimmten: Doch das haben wir! Anders ist dieses Posting im Vodafone-Blog nicht zu erklären:

“Unser Daten-Tarife deckt derzeit schon eine breite Masse an Nutzungsszenarien ab. So kommen aus unserer Erfahrung die meisten Kunden, die unsere Daten-Flatrate verwenden, mit deutlich weniger als 5 Gigabyte (GB) Datenvolumen pro Monat aus und werden nichts von der Bandbreitenreduzierung spüren. Aber ein geringer Teil unserer Kunden nutzt eine solche Daten-Flat so intensiv, dass er ein vielfach höheres Daten-Volumen verursacht. Ohne Bandbreitenreduzierung würden Sie die Servicequalität in den betroffenen Zellbereichen für alle Teilnehmer verschlechtern.”

Was folgt ist eine langatmige Erklärung der einzelnen Datentarife (was die Frage aufwirft, ob Tarife, die man erklären mus, noch in Jahr 2009 passen).

Fassen wir zusammen, lieber Manz: Vodafone benutzt (schon lange) den Begriff Flatrate, der subsumiert (eine der wenigen Juristenvokabel, die ich liebe), der Kunde zahlt einen Preis und kann dann machen, was er will. So funktionieren die Internet-Flatrates im Festnetz, die Flatrates in Kneipen und der All inclusive Urlaub in der Türkei (habe ich mir sagen lassen). Nur bei Vodafone kann er das nicht. Nach fünf GB im Monat schrumpft die Leitung auf 1998. Und das ist nicht einzige Einschränkung mit der die Generation Upload leben müsste, weshalb sie bisher wohl vor allem bei T-Mobile und o2 unter Vertrag ist (sont bräuchte es ja die Milliönchen für die Werbung nicht).

Nur noch mal zum Mitschreiben: Die Mobilfunknutzer, die sich in ihren Blogs und über Twitter zu den Vodafone-Tarifen geäußert haben, bilden die Zielgruppe. Das sind die Menschen, die viel ins Internet schreiben und viele Fotos und Videos hochladen. Das sind die Menschen, die die Kunden von den Vodafone-Tarifen weitertragen würden, wenn sie diese lieben würden. Doch das tun sie nicht. Und statt ihnen eine Hand zu reichen, schlägt Vodafone die Tür zu und schmollt. Ich nenne das: Marktführerverhalten.

Vielleicht hätte Vodafone die Millionen, die das Unternehmen der Werbewirtschaft spendiert, besser in Tarife investiert, die es nicht erklären muss. Denn am Ende zahlt einer für die TV-Spots und all das: der Kunde. Nun gut, auch meine Familie lebt von der Vodafone-Werbung, doch das ist ein anderes Thema.

Nachklapp: @Weltenweiser weist mich zu recht darauf hin, dass Vodafone im gleichen Bog die Debatte um die Netzsperren für beendet erklärt – und dass das weit schwerer wiegt. Mehr dazu bei DonAlphonso.

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Von Social Media, Releases und so Schnickschnack

24. Juni 2009 - 07:35 Uhr

Vor einiger Zeit, möglicherweise erinnern Sie sich, lieber Manz, fragte ich: Warum eigentlich noch Pressemitteilungen per E-Mail? Heute muss ich zugeben: Die Frage war naiv, schließlich will sie der Kunde und schließlich zahlt er für das, was er will. Aber eigentlich, lieber Manz, war die Frage vor allem eines: Sie war deutlich zu kurz gesprungen. Denn inzwischen Frage ich mich: Wozu überhaupt noch Pressemitteilungen?

Nun könnte ich wieder davon anfangen, dass mich eine ihrer Kolleginnen angerufen hat, um mir ein Thema anzubieten, dass ich auf den ersten Blick sogar ein kleines bisschen interessant fand. Und dass eben diese Kollegin mir dann, um mich zu informieren, worum ich gebeten hatte, eine Pressemitteilung schickt, die schon ein paar Tage abgehangen ist. Und dass ich das, nun ja, sehr unprofessionell finde. Themen aus der zweiten Reihe hätte ich dann doch gerne vorab. Denn wenn die ganze Welt die Pressemitteilung schon bei Google findet, dann wird nicht der Sievers was hinterherschreiben. Das wird er erst recht nicht tun, wenn in dem Thema kaum mehr steckt, als im Pressetext bereits gesagt ist. Aber das nur am Rande. Ich wollte Ihnen ja eine andere Geschichte erzählen, lieber Manz.

Angestoßen haben meine erneuten Überlegungen zur Pressemitteilung ausgerechnet die Kollegen von der dpa-Tochter newsaktuell. Und das finde ich gleich doppelt erstaunlich. Schließlich gilt doch die dpa insgesamt als der große, zuweilen sehr schwerfällige Tanker, den Wolfgang Büchner nun zu einem schnittigen Schnellboot machen soll (erst kürzlich weinte sich ein geschätzter Kollege mit einem Anstellungsvertrag in Hamburg bei mir über den Bürokratismus seines Arbeitgebers aus). Außerdem verdient die Tochter newsaktuell ja eben mit dem Versenden von Pressemitteilungen einen Haufen Kohle. Für den Konzern wäre es, auf den ersten Blick, also nicht besonders schlau, wenn gerade sein Ableger den Ast absägte, auf dem mindestens die linke Pobacke hockt.

Die Kollegen von newsaktuell versenden nicht nur Pressemitteilungen. Sie organisieren unter dem Titel mediacoffee auch Diskussionsrunden zu Medienthemen, die zuweilen sehr attraktiv besetzt sind. Nun begab es sich, dass ich zu einer Runde in München geladen war (als Zuhörer), aber nicht konnte (was mich echt gewurmt hat). Ich wollte trotzdem und unbedingt mitbekommen, was die Diskutanten, unter ihnen der Chefredakteur der “Süddeutschen Zeitung” Hans Werner Kilz und Wolfgang Blau, der oberste Journalist von ZEIT ONLINE, sich so zu sagen haben. Mein Kanal der Wahl war: Twitter. Und der funktionierte prima. Im Publikum saßen eine oder zwei Handvoll Menschen, die für mich Gatekeeper gespielt haben und mir die wichtigsten Positionen aus der Runde auf den Bildschirm geliefert haben. Live. Sehr lässig, das. Das Ergebnis kann man noch heute in der Twitter-Suche nachlesen (es war der mediacoffee vom 15. Juni 2009).

Was mich in der Tat erstaunt hat: Auch die lieben Kollegen von newsaktuell haben getwittert. Das ist zwar konsequent, schließlich bietet die dpa-Tochter auch Workshops an, darunter einen zur Online-PR. Erwartet hätte ich es dennoch nicht. Ich war entsprechend entzückt. Doch schon im nächsten Moment habe ich mich gefragt: Wozu dann eigentlich noch eine Pressemitteilung (zumal die erst am nächsten Tag kam). Neues stand nicht darin. Die Positionen der Diskutanten hatte Twitter mir mindestens zwölf Stunden früher geliefert (auch Blogs waren langsamer und haben kaum tiefer geschürft als Twitter, aber das nur am Rande).

Da ich nun weiß, lieber Manz, dass sie diese Fragen zum Kern des real existierenden Geschäftsmodells ihrer Spezies besonders mögen, stelle ich sie auch gerne erneut: Warum also noch Pressemitteilungen?

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Sind PR-Berater 2.0 zwangsläufig die besseren Kommunikatoren?

16. Juni 2009 - 22:41 Uhr

Vor kurzem musste ich schmunzeln, lieber Sievers. Zu dem Zeitpunkt, an dem Ihr Tweet über die PR-Dame on Air ging, die bei FOCUS Online eine PR-Meldung schalten wollte. Gleichzeitig wusste ich, dass wir unseren Online-”Dialog” (wie Sie wissen, gehöre ich zur Spezies PR-Berater; daher habe ich die Angewohnheit, alles positiv zu formulieren) viel zu lange unterbrochen hatten.

Für den geneigten Mitleser die Hintergründe: Sievers bereiste mit der Familie ein Land im Süden Europas (ungefähr…), um sich eine Zeit lang vom Netz zu nehmen, während seine Frau bloggen durfte; und meine Familie hat sich zwischenzeitlich vergrößert.

Doch zurück zum Schmunzeln. Denn fast parallel zu Ihrem netten Tweet, der vermutlich einmal mehr Ihr grundsätzliches Urteil über PRler als solche bestätigt, veröffentlichte die Zeitschrift Horizont eine Umfrage bei PR-Agenturen zum Thema Social Media. Auslöser bzw. Hintergrund war der PR-Gau der Bahn und die damit verbundene Frage, wie man “richtig” agiert hätte (was als retrospektive Frage sicherlich einen ganz ganz ganz enormen Nutzen hat; denn hinterher weiß man es, und insbesondere PR-Agenturen, ja immer besser. Wobei man auch betonen muss, dass der Fail der betreuenden Agentur der Bahn schon sehr, sagen wir, “außergewöhnlich” ist.). Und in der Umfrage wurde übrigens, soviel Eigenwerbung muss sein, auch die Meinung von wbpr eingeholt.

Doch was ist die Quintessenz der Antworten, also abseits der Tasache, dass es alle besser und “ganz bestimmt viel authentischer” gemacht hätten?

  1. Allem Anschein wachen immer mehr Agenturen beim Thema Social Media auf.
  2. Dies wird daraus ersichtlich, dass es v.a. Geschäftsführer sind, die sich in Horizont äußern. Ob das Thema jedoch nur zur Chefsache erklärt wird, oder wirklich Chefsache ist, ist aus vielen Antworten nicht zu erkennen.
  3. Die Fragen waren gelinde gesagt mitunter seltsam, zudem ist anzunehmen, dass viele Antworten etwas arg aus dem Zusammenhang gerissen wurden; zumindest hat neben wbpr auch Wolfgang Lünenburger deutlich mehr geantwortet, wie er in seinem Blog schreibt.
  4. Ebenso unklar bleibt, ob – und wenn ja, wie – die großen (oder zumindest größeren) Agenturen mit dem Thema Ausbildung umgehen; denn: meiner Meinung nach ist das Verständnis für bzw. die (Spiel-)Regeln einer Kommunikation in und mit Social Media bei sehr vielen Agenturen noch längst nicht so ausgeprägt, wie es die Aussagen der Befragten vermuten lassen. Einen sehr spannenden Beitrag zum Thema “PR Berater (Ausbildung) 2.0″, auf den ich an anderer Stelle noch ausführlicher mit Ihnen sprechen möchte, hat übrigens Heike Bedrich in Klaus Ecks PR Blogger verfasst.

Thematisch zwar mit einem anderen Aufhänger, aber passend zum Diskurs schreibt auch Bastian Scherbeck,

Die PR wittert die Rettung in den Social Media und wendet sich diesen zu. Doch anstatt sich ernsthaft mit den Regeln und Funktionsmechanismen der neuen, digitalen und interaktiven Mechanismen auseinenderzusetzen, fült der eine oder andere alten Wein in neue Schläuche und wundert sich, dass dieser dem digitalen Publikum nicht schmeckt.

Zwar wird bereits viel darüber diskutiert und gesprochen, wie die PR das alles besser machen kann. Lesenswert sind bspw. die Gedanken von Tapio Liller von Oseon, der sich mit seiner Agentur genauso dem Thema Social Media verschrieben hat wie bspw. Mirko Lange von Talkabout.

Und es gibt bereits einige Cases, die die neue Form der Kommunikationsexpertise und Beratungsstärke der Vordenker der Branche belegen. Doch ich frage mich, bzw. heute Sie, lieber Sievers, der ja die perfekte Kreuzung aus Journalist und Web-Enthusiast und Dozent ist: Sind die Web- und Social Media Profis aufgrund des (neu) gelernten Kommunikationsstils auch automatisch die besseren Medienarbeiter, und damit sehr gute (oder gar: die besseren), da vielschichtige Kommunikatoren?

Denn sicher rufen Sie auch diese dann und wann an – denn eine reine Web-Kommunikation ersetzt die klassischen (tja, lieber Sievers, zu dieser Gruppe zähle ich Sie) Kanäle m.E. (immer) noch nicht komplett? Verstehen es diese besser, Ihnen Themen schmackhaft zu machen? Vielleicht weil sie Sie besser kennen? Oder Ihre Arbeitsprozesse? Oder “authentischer”, “menschlicher” sind?

Oder gibt es auch den anderen Fall: Kennen Sie Kommunikatoren, die in und mit Social Media brillieren, aber kein Gespür (oder gar Ahnung) haben von der Zusammenarbeit mit Ihnen?

Und spiegeln wir das doch auch noch auf Ihre Spezies – waren Sie doch vor kurzen bei den Jugendmedien-Tagen zu Gast: Wie entwickelt sich der Journalisten-Nachwuchs in Zeiten von Social Media?

Fragen über Fragen – vielleicht haben Sie eine kluge Antwort dazu?

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Seltsame Journalisten-Umfragen mit überraschenden Ergebnissen

8. Mai 2009 - 18:24 Uhr

Hach, lieber Sievers, was finde ich denn da in Ihrem del.icio.us? Nein: Was fand ich am 01. Mai als letzten gebookmarkten Link? Einen Hinweis auf diese Studie: Demnach nerven Journalisten am meisten nervende PR-Leute. Was für eine seltsame Aussage.

Nun, diese Studie ist ja schon ein paar Tage alt. Ebenso spät reagiere ich auf Ihr spätes Bookmark. Wahrscheinlich ist es inhaltlich schon längst durch.

However, es wird höchste Zeit, Ihnen die naheliegende Frage zu stellen, die schon längst – mit Erscheinen der Studie – hätte kommen müssen: Sagen Sie mir und uns, lieber Sievers, wie halten Sie es mit den nervenden PR-lern?

Zählen Sie zur Gruppe der Journalisten, die nervende PR-Leute nerven? Oder zu der, die es auch zu geben scheint (glaubt man der Studie), also denjenigen, die nervende PR-ler nicht nerven? Die unsere Zunft also zu mögen scheint? Schließlich unterrichten Sie beizeiten. Und zwar: PRler.

Demnach muss es ja etwas geben, was Sie an uns schätzen. Oder ist es der pure Idealismus, der Sie antreibt – aus nervenden PR-lern keine nervenden zu machen? Oder gar keine PR-ler nerven zu lassen?

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Das SZ-Magazin auf PR-Wegen unterwegs

7. Mai 2009 - 22:14 Uhr

Das SZ-Magazin, lieber Manz, macht PR in eigener Sache. Oder sollte ich sagen: Das SZ-Magazin hält erst die linke und dann die rechte Wange hin? Jedenfalls hat sich das Magazin der “Süddeutschen Zeitung” von morgen bereits heute im Netz publiziert. Das Heft fragt: “Wozu Zeitung?” Und lädt dazu ein, online über die Frage – und natürlich auch das Magazin – zu diskutieren. Also, lieber Manz, diskutieren wir. Habe ich mir gedacht. Vor allem würde ich gerne wissen: Was halten Sie, also der PR-Arbeiter in ihrem Herzen, von dem Ansatz?

Denn es verhält sich ja so, lieber Manz: Da stellt die SZ ihr Magazin vorab ins Netz und ruft öffentlich zum Diskurs auf. Und genau der beginnt. Unmittelbar (auch weil die lieben Kollegen es nicht versäumt haben, andere liebe Kollegen vorab in Kenntnis zu setzen; geschickt, oder!?). Die kleine, feine deutsche Blogosphäre hat *schwups* ein neues Thema.

Stefan Niggemeier schreibt, warum man mit dem SZ-Magazin schöner sterben kann; Klaus Meier von der FH Darmstadt gibt fünf Tipps, wie die Kollegen mit ihrer Frage nach dem Sinn von bedruckten Papier eigentlich hätten umgehen sollen (ein herrlicher Verriss); Meier-Kollege Thomas Pleil weist ebenso auf die Aktion hin, wie der der Münchner Journalist Thomas Mrazek (und der tut das gleich nochmal auf onlinejournalismus.de).

Soweit ich PR verstehe, lieber Manz, ist das eine gelungene Aktion, oder?

Nur frage ich mich: Was ist mit den Inhalten? Werden die – aus PR-Sicht – zur Nebensache? Hauptsache, das Magazin ist im Gespräch? Oder schmerzt auch Ihr Herz, lieber Manz, wenn Sie lesen, dass die Rezensenten Niggemeier und Meier gleich mehrere Fehler im Druckwerk (und damit auch im Internet) finden?

Aus Journalistensicht, die ich hier ja vertrete, ist das jedenfalls: doof.

Update: Christian Jukubetz verzichtet auf einen Verriss, weil das Niggemeier und Meier schon so hübsch erledigt haben.

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Vodafone twittert

1. Mai 2009 - 23:19 Uhr

Irgendwie habe ich es immer schon geahnt, dass Vodafone nicht T-Mobile ist, lieber Manz. Schließlich ist Magenta ja auch nicht Rot – und umgekehrt. Und nun kann ich es auch beweisen: Vodafone twittert – im Gegensatz zu T-Mobile.

Nun ist Twitter zwar noch ein zartes Pflänzchen bei Vodafone. Den Account @vodafone_de gibt es erst seit vier Wochen, und mit knapp 700 Folowern ist die Nummer zwei im deutschen Mobilfunkmarkt sicher noch nicht am Ende seiner Möglichkeiten angekommen. Aber immerhin. Sie sind dabei. Sie heißt in diesem Fall übrigens Carmen Hillebrand, Sprecherin und eben auch Twitter-Bedienerin.

Im Interview mit grenzpfosten.de verrät sie, dass es bei Vodafone “keine großangelegte Strategie” gibt, die den Ländergesellschaften den Einsatz von Twitter vorschreibt. Und weiter:

“Das ist meines Erachtesns auch gut so, denn Twitter – so wie auch andere Social Media – werden in jedem Land unterschiedlich genutzt.”

Dass das Internet zwar weltumspannend ist, die Märke sich von Land zu Land stark unterscheiden, haben ja schon Unternehmen wie Yahoo in den späten 1990er-Jahren gemerkt.

Warum Vodafone Twitter nutzt, erklärt Carmen Hillebrand so:

“Twitter, wie überhaupt das Web 2.0, bietet die Möglichkeit sich zu öffnen und mit den Menschen in Dialog zu treten. Daher ist Twitter ein guter Kanal für die Unternehmenskommunikation.”

Auf den zweiten Blick erklärt sich die angenehme Geschmeidigkeit von Carmen Hillebrands Twitter-Denken übrigens wie von selbst. Ihren privaten Twitter-Account @CarmenHi hat sie schon vor zwei Jahren eingerichtet – und seither pro Tag im Schnitt vier Tweets gepostet. Ach ja, so ein altmodisches Blog unterhält sie auch noch.

Bei Vodafone ist sie als Twitter-Bedienerin senkrecht gestartet. Denn Hillebrand ist erst seit Mitte Februar im Unternehmen. Sieht fast aus, als sei sie vor allem fürs twittern eingestellt worden. Was meinen Sie, lieber Manz, ruft T-Mobile morgen bei Ihnen an?

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Was am Tag der Arbeit einen PR-ler freut

1. Mai 2009 - 18:38 Uhr

Kaum zurück von einem kleinen Familienausflug in den Münchner Hirschgarten, an dem am Tag der Arbeit eine sehr ordentliche Blaskapelle wunderbare Musik gemacht hat, geht es an an den Laptop, um darüber zu sinieren, was einen PR-ler derzeit freut. Denn dies, lieber Herr Sievers, fragt der geschätzte Blogger Olaf Kolbrück von off-the-record.

Zugegeben, er fragt nicht speziell nach dem Glück von PR-lern. Sondern allgemein. Und doch ist die Frage von O. Kolbrück nach den positiven Momenten eigentlich sehr spannend. Also, lieber Herr Sievers, stellen wir uns doch einmal dieser Frage – und wenden dies auf unsere Berufsfelder an. Wo sind die guten News dieser Woche?

Gestern erschien eine Studie der PR-Agentur Index. Derzufolge verbrächte bereits jeder vierte PR-Verantwortliche mehr als die Hälfte seiner Arbeitszeit mit Online-PR.

Das ist eine sehr erfreuliche Nachricht – wobei ich bezweifeln möchte, dass dies (schon) der Fall ist. Denn an der Umfrage haben nur 137 Menschen teilgenommen, die auch in Folge des Studiendesigns sicher stark Online-affin sind. Aber: Sicher ist, dass Online-Kommunikation immer professioneller wird. Und dass Disziplinen zusammenwachsen, ohne jedoch eins zu werden. Dass also Neues entsteht.

Eine weitere gute Nachricht ist eine, die aus einer eigentlich Schlechten resultiert: Der Netzökonom Holger Schmidt bloggt über eine Studie von Nielsen, nach der rund 60 Prozent der Twitter-Anmeldungen dem Kurznachrichtendienst rasch wieder den Rücken kehrten. Dies ist zwar schade – aber: Die Auswertung zeigt eben auch, dass immer mehr Menschen überhaupt “auf Twitter kommen”. Und dies stimmt mich froh – denn der Austausch via Twitter ist faszinierend, extrem schnell und extrem effektiv.

Und Sie, lieber Herr Sievers? Was waren die guten Nachrichten in den letzten Tagen?

Und was mich übrigens auch interessieren würde: Was war Ihr größter Coup, ihr bester Beitrag als Journalist? Und welche Wirkung hatte dies? Beweihräuchern Sie sich ruhig einmal – und zeigen Sie, dass tolle Beiträge über spannende Themen besser sind als so mancher Beitrag zu Mainstream-Themen, die (wie Stefan Niggemeier bspw. in Bezug auf RTL.de belegt) unglaubliche Reichweite erhalten.

An dieser Stelle endet das sinnieren am Tag der Arbeit – die Tochter ruft und will auf den Spielplatz. Recht hat sie. Spielen am Tag der Arbeit – wenn das mal kein positiver Ansatz ist!

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Chef-Sache ist so eine Sache – bei T-Mobile

22. April 2009 - 21:49 Uhr

Eine kleine Ergänzung zu unserer jüngsten Konversation, lieber Manz. Sie schreiben:

“Wer über Sprecher (und nicht über den Chef) in einer derartigen Krise kommunizieren lässt, wird verlieren.”

Und da habe ich eine gute Nachricht für Sie. Denn T-Mobile hat Ihr Flehen erhört. Deutschland-Chef Georg Pölz hat gesprochen. Also fast jedenfalls. Eigentlich hat er eher schreiben lassen. In einer Pressemitteilung lesen wir:

“Wir bedauern diesen Vorfall und entschuldigen uns bei unseren Kunden für die entstandenen Unannehmlichkeiten. Derzeit analysieren wir diesen Vorfall genau, um eine Wiederholung auszuschließen.”

Das ist mehr als nichts. Aber ist es genug? Angesichts der Größe des Desasters – immerhin konnten Millionen Kunden stundenlang nicht telefonieren, für ein Mobilfunkunternehmen ein Gau – immer noch eine schwache Leistung, sagt der Kunde in mir. Und das auch der Journalist.

Dem Journalisten fällt außerdem noch etwas auf: T-Mobile versieht seine Pressemitteilung zum Netzausfall zwar mit einem Datum, nicht jedoch mit einer Uhrzeit. Der Quelltext trägt jedoch einen Zeitstempel, den vermutlich das Content Management System gesetzt hat:

<meta name=”datecontent=”2009-04-22T16:30:00” /> 

Wenn wir den der Einfachheit halber mal glauben, dann hat T-Mobile mehr als 24 Stunden gebraucht, um ein knappes Statement des Chefs auf der eigenen Website zu veröffentlichen. Und ich dachte immer Mobilfunk sei total modern und ein Teil unserer beschleunigten Welt. Für mich klingt das eher nach Entdeckung der Langsamkeit.

Ausführlicher hat sich übrigens Technik-Geschäftsführer Günther Ottendorfer in einem Interview geäußert. Immerhin. Aber professionelle Krisenkommunikation sieht, wie Sie, lieber Manz, richtig bemerken, anders aus. Und zwar gegenüber den Kunden ebenso wie gegenüber der Presse. Denn auch wir haben ja nur Happen bekommen.

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