Kategorie: Dilettantismen


GPRA-Präsident Alexander Güttler über Ehrlichkeit in der PR

11. September 2009 - 11:01 Uhr

Entlarvend, lieber Manz, sind oft Kleinigkeiten. Nebensätze. Subtext. Ein Beispiel liefert uns GPRA-Präsident Alexander Güttler. In einem Interview zu Situation und Zukunft der PR-Agenturen sagt er: “…wenn wir ehrlich sind und die PR mal beiseite lassen”. So etwa bei Minute 1:14:

Und ich dachte, lieber Manz, PR sei immer ehrlich? Etwa nicht?

Kommentieren » | Dilettantismen, Hülsen, PR, Prinzipien

Ein paar Anmerkungen zu Pons, TV und – ja doch, Vodafone

29. Juli 2009 - 21:43 Uhr

Lieber Sievers, manchmal frage ich mich, ob Ihnen Ihre Elternzeit wirklich gut tut. Sie werden auf einmal so sanft im Umgang – streuen einmal Asche über Ihr Haupt, einmal spielen Sie den Gedanken durch, erst einen riesen Etat zu gewinnen und dann “so Sachen” zu sagen. Oder so ähnlich. Werden Sie altersmilde? Oder doch bald PRler? Diese Frage scheint berechtigt, da Sie nun schon seit einiger Zeit hartnäckigen Fragen zur Zukunft des Journalismus, bzw. der Reaktion Ihrer Zunft sowie Eurem Geschäftsmodell einfach ausweichen, und das Thema – ganz der PRler – schön in andere Richtungen lenken. (An dieser Stelle folgt der * Verweis). Was sagen Sie bspw. zu diesen Thesen über die Zukunft des Journalismus, gefunden bei der sehr geschätzten Ulrike Langer?

Also: Ran an die harten Themen, Herr Sievers. Denn nicht nur in der PR gibts doch wirklich viele schöne Sachen zu beobachten. Doch damit beschäftigen wir uns ja beide gerne – ich von Berufswegen, Sie aus Eigeninteresse?

However, da ich ja zuletzt fast abgetaucht bin (siehe *), gar in der Versenkung vermutet wurde, wird es höchste Zeit auch noch ein paar Dinge zu Vodafone zu schreiben. Ob das die (Social Media-) Welt braucht? Egal, auf einen Post mehr oder weniger kommt es auch nicht mehr an – also: Für’s Archiv…

Nach all der Kritik, teilweise auch Krawall in der Web-Szene ob der Kampagne, oder PK, oder Public Konferenz oder whatever, samt extremen Folgen, die Mitte der vergangenen Woche im Einstellen von Frau Schnutingers Blog gipfelten (was wiederum den Weg in die klassischen Medien fand, vgl. bspw. den Beitrag im Freitag), will ich nur ein paar wenige Punkte dazu verlieren – denn: Das meiste ist schon vielfach gesagt worden, zuletzt hat bspw. noch einmal der geschätzte Olaf Kolbrück Stellung genommen.

  1. Es war ein mutiger Schritt von Vodafone, oder von Scholz & Friends. Und ein wichtiger für alle Social Media Enthusiasten, denn es wurde gezeigt: Mit Social Media kann auch Geld umgesetzt verdient werden.
  2. Bevor mich nun die Social Media Elite lyncht, weil ich das Wort “Geld verdienen” in Zusammenhang mit Social Media benutze, schiebe ich Punkt 2 nach, in dem ich frage: Können Werber Social Media Kommunikation machen? Oder anders gefragt: Passen Werbung und Social Media zusammen – wo doch Social Media eher eine neue Kommunikations-Kultur ist, denn ein Abladeplatz für handwerklich durchaus extrem gut gemachte Emotionen? Ein sehr spannender Diskurs hierzu findet gegenwärtig im Blog der Sympra (dort sind u.a. B. Jodeleit und V. Mathauer sehr effektiv mit Social Media tätig) statt, neben dem Kern-Beitrag von Mirko Kaminski von Achtung! sind v.a. auch die Kommenentare sehr spannend zu lesen.
  3. Die Idee, eine PK zu öffnen für die Web-Welt, und damit letztlich für jeden, war brilliant. Leider war die Umsetzung, nun ja, suboptimal (wie ein PRler dies wohl beschönigen würde). Über die Gründe hierzu ist aber wahrlich genug geschrieben worden, daher erspare ich uns dies.
  4. Reaktionen von Vodafone gab es – das ist gut. Aber auch im Reagieren gibt es noch einiges zu lernen…
  5. Alles im allem: Ich bin froh, dass es endlich einen richtig großen Case gibt. Aus dem alle lernen können. Und werden.

Im Vergleich dazu wenig beachtet wurde dagegen eine Mitte letzter Woche  angelaufene PR-Blogger-Relations Aktion von PONS. Soweit ich dies bisher verstanden und richtig gelesen habe – denn leider, lieber Sievers, sind wir ja noch keine wichtigen Blogger, sonst hätten wir auch ein Schulheft bekommen – ist dies ein Musterbeispiel für aufwendige, aber effektive Bloger-Relations.

Neben einigen sehr wohlwollenden, direkten und reichweitenstarken Reaktionen zeigt dies auch in Blick in Twoogle. Gratulation daher an @Strorymaker oder an @vmepoeple. Wenngleich ich wage zu behaupten: Einen derart hohen Aufwand zu fahren wird sich nur bei wenigen Kunden verargumentieren lassen, denn am Ende heißt es nicht selten: “Wer soll das bezahlen…”.

So, lieber Sievers, wäre ich jetzt Sie, würde ich jetzt enden. Denn ich habe derartig mäandernde Bögen geschlagen, dass die Headline schon wieder vergessen wurde. Immer schön ablenken – siehe oben. Aber: Ich wage mich schon noch an eine Antworte auf Ihre Frage über das mutmaßliche Ende des Leitmediums TV.

Nun, es gibt bereits einige Studien, die genau das vorhersagen. Und ich bin mir sicher, dass Social Media diesen Prozess beschleunigen wird. Ähnliches sagte ja auch Richard Gutjahr beim letzten Social Media Club Treffen in München. Aber noch spielt “klassisches TV” eine immens wichtige Rolle, denn es ist – und wird auch bleiben – ein Massenmedium. Die Frage ist nur: Wie stellen sich die TV-Anstalten auf die anbrechende neue Zeit ein? Wie können und wollen sie sich behaupten?

Und derartige Fragen, lieber Sievers, habe ich schon oft an Sie gestellt – nicht nur oben. Ich bin gespannt auf Ihre Antwort. Denn: Dank der Elternzeit haben Sie ja im Vergleich zu mir unendlich viel Zeit.

——-

Nun noch der *Verweis: Ich bitte um Abbitte… Durch die Erkrankung in der letzten Woche bin ich noch mehr hinten dran, als ohnehin schon. Und bedingt durch zahlreiche Projekte im Agenturalltag, von denen viel zu wenige Social Media im Kern behandeln, sowie die eigene Familie bleibt mir gegenwärtig nichts anderes übrig, als mich weiterhin von Ihnen treiben zu lassen. Aber: Ich arbeite daran, dass sich der Spieß umdreht. Denn auch Ihre Elternzeit ist iregndwann vorbei…

Kommentieren » | Dilettantismen, Gebaren, Internet, PR, Prinzipien, Social Media, Twitter

Konsumenten konsumieren

26. Juli 2009 - 17:20 Uhr

Als kleine Sonntagsunterhaltung, lieber Manz, an dieser Stelle nun ein Video und eine Diashow. Das Video, sehr professionell gemacht, beschäftigt sich mit iPhone, die Dias, eigentlich noch witziger, wenn es nicht so traurig wäre, mit Ariel. Genau, dem Waschmittel. Aber sehen Sie selbst.


(Via Twitter @GunnarBender)

(Via … Mist, hab ich vergessen.)

Kann es sein, lieber Manz, dass Konsumenten sich hüben wie drüben nicht mehr so leicht an der Nase herumführen lassen? Ich habe fast das Gefühl.

Kommentieren » | Dilettantismen, Hülsen, Social Media

Vodafone. Oder an der Generation Upload vorbei

15. Juli 2009 - 08:57 Uhr

Eines muss man Vodafone lassen: Das Mobilfunkunternehmen nimmt die Kritik nach seiner Live-PK der vergangenen Woche auf und reagiert. Und Vodafone tut das auf Augenhöhe: Die Kritik kam aus der Blogosphäre, also von der Zielgruppe, die der Konzern ansprechen will und für die er den Marketing-Begriff Generation Upload geschöpft hat, und Voldafone antwortet im eigenen Blog. Nur eines hat Vodafone augenscheinlich noch nicht verstanden: Bevor man reagiert, sollte man zuhören. (Nur kurz auch Ihnen zur Erinnerung, lieber Manz: Nach der PK in der vergangenen Woche hatte ich zunächst Asche auf mein Journalistenhaupt geschüttet; Vodafones Schritthalte ich grundsätzlich für mutig und gut.)

Kritisiert wurde Vodafone unter anderem deshalb, weil das Unternehmen mit seiner Kampagne eine Kundengruppe anspricht, für die es keine Produkte habe. T-Mobile hat das iPhone und o2 die sinnvollen und günstigen Datentarife, nachzulesen zum Beispiel hier. Den Kritikern geht es vor allem um die Beschränkung der Datenflatrate auf fünf Gigabyte im Monat (anschießend wird die Leitung gedrosselt). Darüber hinaus gibt es auch sehr differenzierte Kritik an Details, zum Beispiel daran, dass sich mit Vodafone keine Videos per Handy streamen lassen, weil der Mobilfunker seinen Kunden nur wenige Ports zur Verfügung stellt.

Und was macht Vodafone? Das Unternehmen stellt auf bockig. Das Motto lautet offenbar: Ihr sagt, wir haben nicht die richtigen Tarife! Wir halten daggen mit einem bestimmten: Doch das haben wir! Anders ist dieses Posting im Vodafone-Blog nicht zu erklären:

“Unser Daten-Tarife deckt derzeit schon eine breite Masse an Nutzungsszenarien ab. So kommen aus unserer Erfahrung die meisten Kunden, die unsere Daten-Flatrate verwenden, mit deutlich weniger als 5 Gigabyte (GB) Datenvolumen pro Monat aus und werden nichts von der Bandbreitenreduzierung spüren. Aber ein geringer Teil unserer Kunden nutzt eine solche Daten-Flat so intensiv, dass er ein vielfach höheres Daten-Volumen verursacht. Ohne Bandbreitenreduzierung würden Sie die Servicequalität in den betroffenen Zellbereichen für alle Teilnehmer verschlechtern.”

Was folgt ist eine langatmige Erklärung der einzelnen Datentarife (was die Frage aufwirft, ob Tarife, die man erklären mus, noch in Jahr 2009 passen).

Fassen wir zusammen, lieber Manz: Vodafone benutzt (schon lange) den Begriff Flatrate, der subsumiert (eine der wenigen Juristenvokabel, die ich liebe), der Kunde zahlt einen Preis und kann dann machen, was er will. So funktionieren die Internet-Flatrates im Festnetz, die Flatrates in Kneipen und der All inclusive Urlaub in der Türkei (habe ich mir sagen lassen). Nur bei Vodafone kann er das nicht. Nach fünf GB im Monat schrumpft die Leitung auf 1998. Und das ist nicht einzige Einschränkung mit der die Generation Upload leben müsste, weshalb sie bisher wohl vor allem bei T-Mobile und o2 unter Vertrag ist (sont bräuchte es ja die Milliönchen für die Werbung nicht).

Nur noch mal zum Mitschreiben: Die Mobilfunknutzer, die sich in ihren Blogs und über Twitter zu den Vodafone-Tarifen geäußert haben, bilden die Zielgruppe. Das sind die Menschen, die viel ins Internet schreiben und viele Fotos und Videos hochladen. Das sind die Menschen, die die Kunden von den Vodafone-Tarifen weitertragen würden, wenn sie diese lieben würden. Doch das tun sie nicht. Und statt ihnen eine Hand zu reichen, schlägt Vodafone die Tür zu und schmollt. Ich nenne das: Marktführerverhalten.

Vielleicht hätte Vodafone die Millionen, die das Unternehmen der Werbewirtschaft spendiert, besser in Tarife investiert, die es nicht erklären muss. Denn am Ende zahlt einer für die TV-Spots und all das: der Kunde. Nun gut, auch meine Familie lebt von der Vodafone-Werbung, doch das ist ein anderes Thema.

Nachklapp: @Weltenweiser weist mich zu recht darauf hin, dass Vodafone im gleichen Bog die Debatte um die Netzsperren für beendet erklärt – und dass das weit schwerer wiegt. Mehr dazu bei DonAlphonso.

Kommentieren » | Dilettantismen, Geschäftsmodelle, Internet, PR, Prinzipien, Social Media

Vodafone sucht die Generation Upload

8. Juli 2009 - 13:07 Uhr

Eben, als Sie schon auf dem Weg zum Lunch waren, lieber Manz, habe ich mir Vodafones erste Pressekonferenz mit Livestream und Facebook-Integration angesehen. Und ich muss gestehen, ich habe mich geschämt. Ein bisschen Fremdschämen für Vodafone war dabei, aber vor allem habe ich mich selbst für mich und meinen Berufsstand geschämt. Denn Journalisten (und damit auch ich, zumal ich in einem früheren Leben viel über Vodafone geschrieben habe) lassen zu, dass es solche Pressekonferenzen gibt. Bisher war das nicht so furchtbar schlimm, hat ja keiner gemerkt. Aber jetzt hat Vodafone so eine Veranstaltung ins Internet übertragen, und da können bekanntlich alle zugucken.

Bevor ich meine Scham ausführlicher erkläre, beglückwünsche ich die Damen und Herren von Vodafone. Der Mobilfunkanbieter hat eine Pressesprecherin fürs Soziale im Netz, er twittert, hat sich ein Blog zugelegt und scheint es mit den Sozialmedien insgesamt ernst zu meinen. Offenbar hat da ein Unternehmen verstanden, wo die eigenen Kunden unterwegs sind. Das ist zunächst gut für Vodafone, und es ist – das ist entscheidend – auch prächtig fürs Netz, vor allem deshalb, weil die Mobilfunkanbieter der Entwicklung des mobilen Internets mit teuren und undurchsichtigen Tarifen in den vergangenen Jahren im Weg gestanden haben – und ihn noch heute nicht komplett freigegeben haben. So, das war das.

Zugleich aber ist mir diese Live-PK ausgesprochen peinlich gewesen. Es ist eine Pressekonferenzen nach der, hätte ich über sie berichten müssen, ich nicht gewusst hätte, was ich schreiben soll. Vorträge und Folien waren vollgepackt mit Buzzwords und Versprechen, die natürlich niemand überprüfen kann. Stellt Vodafone wirklich seine Kunden an die erste Stelle? Was heißt es eigentlich, wenn der Konzern die Nutzer empowered? Und wer war noch gleich die Generation Upload? Die meisten leeren Phrasen habe ich mir, wie immer in solchen Fällen, nicht merken können (ich sitze dann gerne mit einem leeren Block da und frage mich, ob ich vielleicht nur etwas nicht verstanden habe). Leider kann ich sie auch nicht nachlesen, weil Vodafone noch keine Pressemitteilung und auch die Folien nicht online gestellt hat. Aber das kommt bestimmt noch.

Das ganze sah dann so aus:

Sceenshot

Links der Stream und die Protagonisten, rechts die Kommentare, die die geneigte Netzgemeinschaft über Facebook posten konnte.

Eines muss man Vodafone lassen: Sie haben es gewagt, und sie haben etwas auszuhalten gehabt. Eine Kostprobe:

Von Sceenshot

Was Vodafone geschafft hat: Sie haben ihre bisherige Kommunikation technisch mit dem Internet verbunden, haben nicht nur aus einer Pressekonferenz eine öffentliche Veranstaltung gemacht, sondern über die Facebook-Kommentare sogar einen Rückkanal eingebaut (der nach meinem Empfinden nicht zensiert wurde, zumindest meine Postings wurden unmittelbar veröffentlicht). Das ist schon ein Schritt.

Was Vodafone nicht geschafft hat, ist seine Kommunikation, also das, was sie sagen und zeigen, auf die von ihnen erfundene Gerneration Upload einzustellen. Die Pressekonferenz war genau das, was Pressekonferenzen eben sind, wenn sie – im herkömmlichen Sinne – professionell organisiert sind. Und das ist nichts anderes als: Gatekeeper-PR, wie sie klassischerweise funktioniert (hat). Einziger Unterschied: Die Netzgemeinde darf lauschen, kommentieren und am Ende werden sogar zwei, drei Fragen von der Facebook-Seite vorgelesen. Nicht dass wir uns falsch verstehen, lieber Manz, das ist mehr als nichts, das ist ein nicht ganz kleiner Schritt. Und doch ist es: peinlich.

Um das zu verstehen, versetzen wir uns mal in die Rolle des unbedarften Zeitungslesers, der an den Journalismus glaubt. Bisher dachte unser Leser, Journalisten sind nah dran, Journalisten wissen, was geht. Jetzt sieht er diesen Stream, sieht Journalisten, die sich Notizen machen, am Ende noch drei (unbedarfte) Fragen stellen (O-Ton: “Ich glaube, Vodafone istja auch ein internationales Unternehmen, oder? Wird die Kampagne auch in anderen Ländern laufen?”) und dann gerne einen Imbiss nehmen (O-Ton Vodafone: “Wir haben keine Kosten und Mühen gescheut, nur am Wetter haben wir gespart.”). Da muss sich unser Leser doch fragen: Sind das wirklich meine Helden, die Journalisten?

Ja, lieber Manz, das hier ist eine Selbstkritik. Denn auch ich habe an solchen Pressekonferenzen teilgenommen (und war auch hier und da zu unvorbereitet, um eine kritische Frage zu stellen). Also habe auch ich zugelassen, dass es diese Veranstaltungen gibt. Mea culpa.

An der Darbietung von Vodafone gibt es viel zu kritisieren. Und doch sehe ich vor allem eine Chance: die Möglichkeit auf ein authentischeres Miteinander. Wenn andere dem Beispiel folgen – und das hoffe ich sehr –
holen sie auch uns Journalisten aus der Ecke des Gatekeepers und zwingen auch uns dazu, uns der Konversation da draußen zu öffnen, den Gespräch über unsere Texte und die Themen unserer Berichterstattung. Eben das brauchen wir dringend. Und deshalb mag ich nicht nur auf Vodafone herumtrampeln, sondern blicke nach vorn. Üben müssen wir alle dürfen.

Update: Christian sieht Vodafone auf einem guten Weg. Ich übrigens auch, falls das nicht klar geworden ist.

Update_2: Vodafone hat es dann doch geschafft, die Pressemitteilung ins Netz zu stellen.

20 Kommentare » | Dilettantismen, Gebaren, Internet, Medien, Online-Marketing, PR

Der gemeine PR-Arbeiter und das Internet

20. Juni 2009 - 08:16 Uhr

Das Bahn-Debakel, Social Media, PR-Arbeiter 2.0 und dann auch noch der Journalistennachwuchs. Puh. Einen großen Haufen Fragen haben Sie mir da gestellt, lieber Manz. Wenn Sie gestatten, versuche ich mal ein wenig Ordnung in ihren Katalog zu bringen. Lassen Sie mich einsteigen mit einem Zitat eines eher erfolgreichen Medienmenschen:

„Media companies don‘t control the conversation anymore, at least not to the extent that we once did.“

Gesagt hat diesen Satz Rupert Murdoch, Medienmogul und Milliardär. Und zwar bereits im Mai 2007 in einem Interview mit dem Magazin “Forbes” (finde online gerade nur einen Gastbeitrag Murdochs aus dem Juli 2007, in dem er den Satz wiederholt hat). Ich hatte, wenn ich diese Anekdote anführen darf, damals schon einen Twitter-Account, doch ich hatte dieses Instrument noch nicht verstanden. Auch wies ich in Seminaren darauf hin, dass mit diesen Blogs und all den anderen Dingen, die Menschen benutzen, um ins Internet zu schreiben, Journalisten und PR-Arbeiter dringend um- und vor allem neu nachdenken müssen. Doch irgendwie war das nie ganz einfach zu verargumentieren. Denn bis auf die Jamba-Geschichte in Johnny Haeuslers Spreeblick gab es aus Deutschland ja noch nicht so furchtbar viel zu erzählen (und die US-Geschichten klangen wie aus einer anderen Welt, irgendwie).

Heute sind wir da ein wenig weiter. Auch wenn von den Unruhen im Iran und der Bedeutung, die Twitter in diesem Zusammenhang spielt, kein direkter Weg in die Pressestellen deutscher Unternehmen oder zu Ihnen, lieber Manz, führt: Ihre Spezies nimmt das Thema Social Media inzwischen wahr und fragt sich zumindest, ob sie es auch ernst nehmen soll. Erst kürzlich fragte mich der PR-Verantwortliche eines börsennotierten Unternehmens: “Sollen wir twittern, Herr Sievers?”

Aber zurück zu Herrn Murdoch, denn diesen Satz über die Kontrolle und die Medienunternehmen können Sie, nein, den sollten Sie dringend auch auf sich beziehen, lieber Manz. Wenn Medienunternehmen den öffentlichen Diskurs nicht mehr steuern maßgeblich beeinflussen können, dann bringt es auch Ihnen nichts mehr, mir etwas einzuflüstern. Dann ist die Welt, in der der Kommunikationshandwerker nur den Gatekeeper überzeugen musste, um anschließend dem Kunden ein sauber geheftetes Klipping als Beleg für den Wert seiner Arbeit zu übergeben, diese Welt ist Vergangenheit.

Was aber nun tun? Online-Redaktionen ernster nehmen? Die Pressemitteilung mit Links versehen? Zusätzlich ein Video anbieten, damit alles multimedial daher kommt? Das alles ist wenig zielführend, fürchte ich. Denn dieses Internet bringt mehr als das, was seit Jahren unter dem Stichwort Medienkonvergenz über die Podien der Republik geprügelt wird. Und ich zeige Ihnen auch, warum das so ist, lieber Manz.

Übertragen wir, so als Fingerübung, alte PR-Denke auf das Internet und paaren diese mit einer Tendenz zur Faulheit von Journalisten. Dereinst gab es also einen PR-Arbeiter, der verfasste eine Pressemitteilung und übermittelte diese an den Kollegen Redakteur. Dieser reagierte entzückt, denn der Kollege PR-Arbeiter hatte seinen Job gut gemacht: Die Pressemitteilung klang fast wie eine richtige Nachricht. Ein bisschen kürzen, ein wenig feilen, vielleicht noch den einen oder anderen Satz hinein geschraubt und ab ins Blatt. Am Ende waren alle glücklich: Der PR-Arbeiter hatte die Botschaft platziert und der Redakteur die Seite gefüllt. Der Leser merkte nichts und war auch glücklich.

Überträgt man diesen Mechanismus auf das Netz, dann würde der PR-Mensch gleich noch ein paar passende Links und ein Video zur Pressemitteilung liefern. Multimedia eben. Doch mit dem Internet kommt nun (also schon seit ein paar Jahren) der Leser ins Spiel. Der hängt plötzlich nicht mehr an seiner gewohnheitsmäßig abonnierten Tageszeitung, sondern surft einfach so durchs Netz. (Manche, so hört man, nutzen nur noch Google News, denen soll es ganz egal sein, welche Redaktion ihnen eine Geschichte anbietet, weil sie wirklich nur die Geschichte interessiert. Jaja.) Was passiert nun, wenn der geneigte Leser plötzlich merkt, dass ihm dieselbe Geschichte mit denselben Links und demselben Video auf einem guten Dutzend Seiten angeboten wird? Er stutzt. Und er wird wachsamer. Und ihm fällt die zweite Geschichte mit Beigeschmack auf. Es folgt, was folgen muss: Der Leser versteht die (Medien-) Welt nicht mehr und verliert sein Vertrauen in selbige. Und irgendwann ist der Ast ab, auf dem PR-Arbeiter und faule Redakteure so viele Jahre gemütlich gesessen haben.

Deshalb, lieber Manz, gibt es nur einen Weg für Sie, den PR-Arbeiter, und für mich, den Journalisten: Augenhöhe. Das durchschnittliche Nachrichtenportal empfängt den Leser heute mit offenen Armen. Jeder Artikel darf kommentiert werden. Das heißt auch, dass Leser Redaktionen sehr schnell auf Ungereimtheiten, Unzulänglichkeiten und dicke Fehler hinweisen können. Und wenn wir einen Fehler gemacht haben (ja, das kommt vor), dann können wir uns nur, nackt wie wir sind, korrigieren und herzlich für den Hinweis bedanken. Leserbriefe kürzen oder wegwerfen war einmal.

Auch Ihnen, lieber Manz, wird nichts anderes übrig bleiben, als auf Augenhöhe zu gehen. Allerdings glaube ich, dass der Weg dorthin für den durchschnittlichen PR-Arbeiter deutlich weiter ist als für Journalisten. Denn Journalisten hatten immer schon mal mit Lesern zu tun. PR-Arbeiter nicht. Doch da müssen sie hin. Unternehmen müssen mit ihren Kunden auf Augenhöhe kommunizieren. Dazu müssen sie aber erst einmal verstehen, dass sie die Gespräch da draußen nicht kontrollieren können. Das konnten sie natürlich nie. Doch jetzt sind die Gespräche öffentlich. Und in der Twitter-Suche kann ich auch Jahre später noch nachlesen, was dereinst über ein Unternehmen geplaudert wurde.

Das war jetzt zumindest eine Antwort. Zum Journalistennachwuchs komme ich dann später mal.

Kommentieren » | Dilettantismen, Gebaren, Geschäftsmodelle, Internet, PR

Umgang mit der Spezies PR-Arbeiter

10. Mai 2009 - 19:55 Uhr

Wo Sie überall wühlen, lieber Manz. Sogar meine Bookmarks durchforsten Sie. Soso. Aber zu Ihrer Frage:

Sagen Sie mir und uns, lieber Sievers, wie halten Sie es mit den nervenden PR-lern?

Das ist ziemlich einfach: Ich bemühe mich stets, freundlich zu sein. Außerdem verbindlich, und zwar sowohl, wenn ich Interesse an einer Geschichte bekunde, als auch bei Desinteresse meinerseits.

Frage beantwortet? Ja, oder? Ok, Thema erledigt. Hm, nein. Ich hole noch eine Sekunde aus. Denn mich bewegt ja etwas, zu handeln wie ich handle.

Mich bewegt eine grundsätzlich positive Haltung Menschen gegenüber. Ich glaube erst mal an das Gute – bis das Gegenteil bewiesen ist. Selbst an das Gute im gemeinen PR-Arbeiter kann ich glauben. Der Kollege wird schließlich schon zwei Gedanken durch seine Hirnwindungen gejagt haben, bevor er zum Hörer gegriffen und meine Nummer gewählt hat.

Nun hat die Sache aber einen Haken. Denn leider, lieber Manz, werde ich immer wieder enttäuscht. Und ich verstehe nicht warum. Vielleicht haben Sie ja eine Antwort für mich. Ich wäre dankbar. Sehr sogar.

In einem früheren Leben habe ich viel über IT-Themen geschrieben. Damals traf sich die ganze Branche einmal im Jahr in Hannover. Das Treffen gibt es heute noch, es heißt Cebit, aber es kommt nur noch die Hälfte des Wirtschaftszweigs. Aber das ist ein anderes Thema.

Für einen Journalisten wie mich bedeutet diese Veranstaltung: viel Arbeit. Die Termine sind so dicht gepackt, dass ich im Rückblick kaum noch verstehe, wie ich dazwischen überhaupt ansatzweise sinnvolle Dinge schreiben konnte. Vermutlich ging das nur, weil ich eine ziemlich ausgeklügelte Planung hatte. Und die stand immer schon lange vorab.

Nun begab es sich aber jedes Jahr von neuem, dass ein paar Tage, bevor ich ins Schneetreiben Hannovers aufbrach, zu einem Zeitpunkt also, da der Kalender schon vollgepackt war, da begab es sich, dass das Telefon klingelte. Nicht nur einmal, sondern unablässig. Am anderen Ende der Leitung meistens jung klingende Damen, die klangen, als hätten sie das Sprüchlein, das sie aufsagten vor dem Spiegel auswendig gelernt. Regelmäßig luden mich PR-Agenturen, von denen ich noch nie gehört hatte, zu Pressekonferenzen, Frühstücksveranstaltungen oder Hintergrundgesprächen mit Vertretern von Unternehmen ein, von denen ich auch noch nie gehört hatte.

Und da frage ich heute noch: Warum? Ist drei Tage vor einer Messe der beste Zeitpunkt für ein Unternehmen aus der dritten oder vierten Reihe, um Kontakt zu Journalisten aufzubauen. Ich vermute nein, für mich war es der denkbar schlechteste Zeitpunkt. Deshalb schließe ich nicht aus, dass ich Freundlichkeit und Verbindlichkeit in einer solchen Situation mal vergessen habe. Sollte das passiert sein, tut mir das leid. Denn die Damen und Herren am anderen Ende der Leitung können ja auch nichts dafür.

Nichts dafür, damit sind wir bei einem weiteren Punkt: Noch heute frage ich mich regelmäßig, warum ich zuweilen von Damen und Herren angerufen werde, die so klingen als hätten sie noch keinen regulären Arbeitsvertrag bei ihrem Arbeitgeber unterschrieben. Und als wäre das noch nicht schlimm genug, klingen viele auch so, als wüssten sie nicht so genau, was sie mir – also jenseits des gelernten Sprüchleins – verkaufen sollen.

Wie, lieber Manz, soll unter diesen Voraussetzungen ein Gespräch auf Augenhöhe zwischen Journalist und PR-Arbeiter entstehen? Wie soll es der Journalist schaffen, das Anliegen seines Gesprächspartners ernst zu nehmen, wenn er ihn oder sie nicht ernst nehmen kann. Mögen Sie mir das verraten?

So genug geschimpft. Ich hab ja nichts gegen Sie, lieber Manz. Auch nicht gegen viele ihrer Kollegen. Sie machen ihren Job. Und wenn sie ihn gut machen, dann freue ich mich sogar.

Kommentieren » | Dilettantismen, Gebaren, Journalismus, PR

Seltsame Journalisten-Umfragen mit überraschenden Ergebnissen

8. Mai 2009 - 18:24 Uhr

Hach, lieber Sievers, was finde ich denn da in Ihrem del.icio.us? Nein: Was fand ich am 01. Mai als letzten gebookmarkten Link? Einen Hinweis auf diese Studie: Demnach nerven Journalisten am meisten nervende PR-Leute. Was für eine seltsame Aussage.

Nun, diese Studie ist ja schon ein paar Tage alt. Ebenso spät reagiere ich auf Ihr spätes Bookmark. Wahrscheinlich ist es inhaltlich schon längst durch.

However, es wird höchste Zeit, Ihnen die naheliegende Frage zu stellen, die schon längst – mit Erscheinen der Studie – hätte kommen müssen: Sagen Sie mir und uns, lieber Sievers, wie halten Sie es mit den nervenden PR-lern?

Zählen Sie zur Gruppe der Journalisten, die nervende PR-Leute nerven? Oder zu der, die es auch zu geben scheint (glaubt man der Studie), also denjenigen, die nervende PR-ler nicht nerven? Die unsere Zunft also zu mögen scheint? Schließlich unterrichten Sie beizeiten. Und zwar: PRler.

Demnach muss es ja etwas geben, was Sie an uns schätzen. Oder ist es der pure Idealismus, der Sie antreibt – aus nervenden PR-lern keine nervenden zu machen? Oder gar keine PR-ler nerven zu lassen?

Kommentieren » | Blüten, Dilettantismen, Hülsen, Internet, Journalismus, PR, Prinzipien

Das SZ-Magazin auf PR-Wegen unterwegs

7. Mai 2009 - 22:14 Uhr

Das SZ-Magazin, lieber Manz, macht PR in eigener Sache. Oder sollte ich sagen: Das SZ-Magazin hält erst die linke und dann die rechte Wange hin? Jedenfalls hat sich das Magazin der “Süddeutschen Zeitung” von morgen bereits heute im Netz publiziert. Das Heft fragt: “Wozu Zeitung?” Und lädt dazu ein, online über die Frage – und natürlich auch das Magazin – zu diskutieren. Also, lieber Manz, diskutieren wir. Habe ich mir gedacht. Vor allem würde ich gerne wissen: Was halten Sie, also der PR-Arbeiter in ihrem Herzen, von dem Ansatz?

Denn es verhält sich ja so, lieber Manz: Da stellt die SZ ihr Magazin vorab ins Netz und ruft öffentlich zum Diskurs auf. Und genau der beginnt. Unmittelbar (auch weil die lieben Kollegen es nicht versäumt haben, andere liebe Kollegen vorab in Kenntnis zu setzen; geschickt, oder!?). Die kleine, feine deutsche Blogosphäre hat *schwups* ein neues Thema.

Stefan Niggemeier schreibt, warum man mit dem SZ-Magazin schöner sterben kann; Klaus Meier von der FH Darmstadt gibt fünf Tipps, wie die Kollegen mit ihrer Frage nach dem Sinn von bedruckten Papier eigentlich hätten umgehen sollen (ein herrlicher Verriss); Meier-Kollege Thomas Pleil weist ebenso auf die Aktion hin, wie der der Münchner Journalist Thomas Mrazek (und der tut das gleich nochmal auf onlinejournalismus.de).

Soweit ich PR verstehe, lieber Manz, ist das eine gelungene Aktion, oder?

Nur frage ich mich: Was ist mit den Inhalten? Werden die – aus PR-Sicht – zur Nebensache? Hauptsache, das Magazin ist im Gespräch? Oder schmerzt auch Ihr Herz, lieber Manz, wenn Sie lesen, dass die Rezensenten Niggemeier und Meier gleich mehrere Fehler im Druckwerk (und damit auch im Internet) finden?

Aus Journalistensicht, die ich hier ja vertrete, ist das jedenfalls: doof.

Update: Christian Jukubetz verzichtet auf einen Verriss, weil das Niggemeier und Meier schon so hübsch erledigt haben.

2 Kommentare » | Dilettantismen, Gebaren, Medien, PR, Prinzipien

Chef-Sache ist so eine Sache – bei T-Mobile

22. April 2009 - 21:49 Uhr

Eine kleine Ergänzung zu unserer jüngsten Konversation, lieber Manz. Sie schreiben:

“Wer über Sprecher (und nicht über den Chef) in einer derartigen Krise kommunizieren lässt, wird verlieren.”

Und da habe ich eine gute Nachricht für Sie. Denn T-Mobile hat Ihr Flehen erhört. Deutschland-Chef Georg Pölz hat gesprochen. Also fast jedenfalls. Eigentlich hat er eher schreiben lassen. In einer Pressemitteilung lesen wir:

“Wir bedauern diesen Vorfall und entschuldigen uns bei unseren Kunden für die entstandenen Unannehmlichkeiten. Derzeit analysieren wir diesen Vorfall genau, um eine Wiederholung auszuschließen.”

Das ist mehr als nichts. Aber ist es genug? Angesichts der Größe des Desasters – immerhin konnten Millionen Kunden stundenlang nicht telefonieren, für ein Mobilfunkunternehmen ein Gau – immer noch eine schwache Leistung, sagt der Kunde in mir. Und das auch der Journalist.

Dem Journalisten fällt außerdem noch etwas auf: T-Mobile versieht seine Pressemitteilung zum Netzausfall zwar mit einem Datum, nicht jedoch mit einer Uhrzeit. Der Quelltext trägt jedoch einen Zeitstempel, den vermutlich das Content Management System gesetzt hat:

<meta name=”datecontent=”2009-04-22T16:30:00” /> 

Wenn wir den der Einfachheit halber mal glauben, dann hat T-Mobile mehr als 24 Stunden gebraucht, um ein knappes Statement des Chefs auf der eigenen Website zu veröffentlichen. Und ich dachte immer Mobilfunk sei total modern und ein Teil unserer beschleunigten Welt. Für mich klingt das eher nach Entdeckung der Langsamkeit.

Ausführlicher hat sich übrigens Technik-Geschäftsführer Günther Ottendorfer in einem Interview geäußert. Immerhin. Aber professionelle Krisenkommunikation sieht, wie Sie, lieber Manz, richtig bemerken, anders aus. Und zwar gegenüber den Kunden ebenso wie gegenüber der Presse. Denn auch wir haben ja nur Happen bekommen.

Kommentieren » | Dilettantismen, Gebaren, PR, Prinzipien

« Ältere Einträge