Simyo und die sozialen Medien

An dieser Stelle ging es in jüngerer Vergangenheit einige Male um einen großen Mobilfunkanbieter, der sich an die Blogosphäre heranwanzte die Blogosphäre für sich entdeckte. Mit einem enormen Werbeaufwand erklärt mir Vodafone überall – im Netz ebenso wie am Münchner Hauptbahnhof -, dass es meine Zeit ist, ich das Netz bin und man mit dem richtigen Handy auch von Hochhäusern springen kann. Ok, all das passt zu einem Riesen wie Vodafone. Wer groß ist, will auch groß wirken.

Es geht aber auch anders, lieber Manz. Vor ein paar Tagen hatte ich auf die Facebook-Seite von Simyo verwiesen (das ist dieser „Wir-machen-Mobilfunk-und-nur-Mobilfunk-aber-billger“-Provider, der auf dem E-Plus-Netz unterwegs ist). Das Posting war ein wenig dahingeschnoddert, denn ich war mit der Vodafone-Werbung am Bahnhof einem Zug verabredet. Deshalb jetzt noch mal etwas gründlicher die Frage: Was macht Simyo da eigentlich in diesem Sozialdingens? Beantwortet hat sie mir Ira Reckenthäler, die Sprecherin von Simyo.

Vermutlich lässt sich die Strategie von Simyo am besten zusammenfassen mit: eine Politik kleiner Schritte. Simyo ist seit einem Jahr in Foren unterwegs, um Fragen und Anregungen von Kunden aufzuschnappen – „mit offenen Visier“, sagt Reckenthäler. Zu den Websites, die das PR-Team zusammen mit der Agentur Mavens beobachtet, gehören handy-faq.de, teltarif.de und telefon-treff.de.

Im Herbst des vergangenen Jahres kam dann ein weiterer Baustein hinzu: das Simyo-Blog. Dort schreiben knapp zwei Dutzend Mitarbeiter über den Provider, seine Produkte – und die bunte, bunte Mobilfunkwelt. Es geht um iPhone-Apps (Simyo vermarktet das Apple-Handy über einen Partner), Bundesliga auf dem Handy und kostenlose Auskunftsdienste. Immerhin gut 100 Postings und – Reckenthäler hat sie gezählt – 1200 Kommentare. Das ist nicht so schlecht für ein PR-Blog.

Nach dem Blog war es dann vermutlich logisch, auch bei Twitter einzusteigen. Simyo twittert seit Juni als @simyo_ticker aktuelles aus der Welt des Unternehmens und als @simyo_service zu Problemen der Kunden und Wehwechen der eigenen Dienste. Auf Facebook landete Simyo schließlich, „weil wir festgestellt haben, dass da viele Kunden von uns unterwegs sind“, sagt Reckenthäler. Deshalb habe das Unternehmen seinen Nutzern dort die Möglichkeit eröffnet, Dienste und Preise zu bewerten und zu kommentieren.

Alles nette Dinge. Bleibt die Frage: Was bringt das dem Kunden? Hm, die Frage geht jetzt an Simyo-Kunden: Jemand da, der etwas dazu sagen will? Die ofizielle Version lautet: Simyo hört Gesprächen zu, die sowieso stattfinden, erkennt hier und da, wo es klemmt – und kann Kunden auch mal aus der Sackgasse helfen.

Was mich auch noch umtreibt, lieber Manz, ist die Frage: Und die Medien? Die Journaille? Was ist mit mir, dem Journalisten, bin ich nicht mehr wichtig? Natürlich hat Ira Reckenthäler dazu auch eine Antwort parat: „Die Pressearbeit geht genauso weiter wie vor dem Engagement in sozialen Medien.“ Warum nur will ich ihr das nicht so ganz glauben?

Ach ja, um das zu tun, was Journalisten gerne tun, bastle ich jetzt noch eine Klammer um den Text: Wir haben nämlich auch übers Budget gesprochen. Vodafone gibt angeblich bis zu 200 Millionen Euro für sein neues Image und die Generation Upload aus. Nun hat Ira Reckenthäler mir nicht verraten, wie viel Geld Simyo in die Hand nimmt. Nur so viel: Die Social-Media-Nummern sind „Teil eines sehr übersichtlichen PR-Budgets“. Das glaube ich ihr sofort.

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Warum Social Media schon heute mehr als relevant ist

So fern wir, lieber Sievers, in einigen Denkweisen auch sein mögen, eins haben wir doch gemein: Beide glauben wir an den Einfluss und die Bedeutung von Social Media. Für die PR genauso wie für den Journalismus.

Sehr spannend ist in diesem Zusammenhang dieses Video

Denn es zeigt deutlich, was sich da anbahnt. Der Tsunami Social Media rollt schon heute unaufhaltbar auf die zu, die das ganze als „Spinnerei“ abtun. Natürlich: Dies sind weltweite Zahlen, und mit deutschen Verhältnissen daher schwer vergleichbar. Aber der Tsunami kommt. Auch zu uns.

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Simyo lauscht bei Facebook

Dieses Social Media, lieber Manz, ist ja irgendwie in aller Munde will ja heute jeder machen, oder? Soll total gut sein. Denn da kommt man ganz nah ran an den Kunden und kann ihm lauschen. Mit ein bisschen Glück macht der Kunde dann auch noch ein bisschen Werbung für die eigenen Produkte. Super, das.

Auf den fahrenden Zug ist jetzt auch Simyo aufgesprungen. Ja genau, lieber Manz, dieser Mobilfunkdiscounter, der das viel gescholtene E-Plus-Netz mit eher niedrigen Minutengebühren noch ein bisschen mehr belastet besser auslastet. Simyo hat jetzt eine eigene Facebook-Seite: www.facebook.com/simyoDE.

Auf der Seite macht Simyo, was man bei Facebook eben so macht – tun Sie und ich ja auch.

Simyo postet Statusmeldung:

„Karsen Füllhaas weist in seinem Blog darauf hin, dass sich der Erfolg unserer Bewertungsaktion daran entscheidet, wie wir mit Kritik umgehen. Recht hat er ;-)“

Aha. So aus dem Zusammenhang gerissen klingt das noch ein bisschen seltsamer, als wenn man es im Kontext liest.

Simyo postet die Beiträge aus dem eigenen Blog:

„iPhone 8GB bei unserem Shop-Partner jetzt billiger.“

Es werden andere Websites verlinkt, die sich mit Simyo beschäftigen – wobei ich mich frage, ob ihre PR-Kollegen, lieber Manz, auch lesen, was sie da verlinken:

„German mobile discounter Simyo has created a Facebook fan page in a weird move to connect with consumers. (…) Now, far be it from us to dismiss a social media strategy but Simyo’s self promotion could be just a tad too much. Indeed in the mobile space a discounter must focus on cost and service to keep consumers loyal and talking – but encouraging users to become “a fan” of a service that they pay for via Facebook seems surreal.“

Und dann gibt da da noch die Diskussion – auf einer eigenen Unterseite. Dort können Simyo-Kunden Simyo-Fans schreiben und diskutieren, was es so zu sagen gibt über den Vorturner der Billigheimer im deutschen Mobilfunk.

Da stehen dann so Dinge, die klingen, als hätte sie der Praktikant in der Pressestelle geschrieben:

„seit ich nicht mehr bei eplus bin, sondern simyo nutze, haben sich meine mobiltelefon-kosten auf ein drittel reduziert und das, obwohl ich weitaus mehr auch mobil online bin.“

Ob der PR-Praktikant wirklich die eigene Mutter so beschimpfen dürfte?

Aber – und an dieser Stelle wird es interessant – Simyo hat nicht in der Hand, was auf der eigenen Facebook-Seite über Simyo geschrieben wird. Nämlich auch sowas:

„Habe soeben meine Simyo-Karte wieder aus meinem Handy entfernt und eine Jamobil-Karte eingesetzt (T-Mobile-Netz). Grund: Seit Wochen komme ich an meinem Wohnort (München-Laim) mit meinem Smartphone und Simyo nicht mehr ins Internet, obwohl volle 3G-Verfügbarkeit angezeigt wird. Der Support hatte mehrere Chancen, aber nett sein allein reicht nicht. Ach ja: Die Jamobil-Karte hat auf Anhieb funktioniert.“

Nicht schön für Simyo. Auf den ersten Blick. Und auf den zweiten Blick ist es noch ein wenig unschöner, weil das nicht einfach ein mauliger Kunde geschrieben hat, sondern Frank Kemper – und der ist als stellvertretender Chefredakteur der „Internet World Business“ ein Multiplikator aus der Offline-Welt. Blöd, dass der Simyo nicht mag. Und noch blöder, dass das jetzt alle viele wissen.

Aber hey, die Leute in der Simyo-Pressestelle leben offenbar wirklich ein bisschen im Netz. Denn kaum hat Kollege Kemper gemault, liefern die Berufskommunikatoren eine neue Statusmeldung:

„Nachdem wir bislang durchweg sehr gutes Feedback hatten, haben wir heute unsere erste 1-Stern-Bewertung von Frank Kemper bekommen. Auch darauf sei an dieser Stelle hingewiesen.“

Simyo scheint das mit diesem Social Media ernst zu meinen. Bin sehr gespannt, ob sie das Tempo halten.

Aber zum Schluss noch eine Frage: Braucht jetzt wirklich jeder eine Facebook-Seite, lieber Manz? Oder hat da nur ’ne PR-Agentur toll argumentiert, um den Job zu bekommen?

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Ein bisschen Social Media

… als Pausenmusik zur Nacht.

Manche Leute basteln wirklich hübsche Präsentationen.

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Vodafone und die 24-Stunden-Surfer

Erst Sie, lieber Manz, haben mit auf einen Beitrag in einer Zeitung vom Samstag gebracht: Judith Lembke, Wirtschaftsredakteurin bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ), hat sich für ihr Blatt mit der Vodafone-Kampagne „Es ist Deine Zeit“ beschäftigt – und stellt dabei Deutschland-Chef Friedrich Joussen bloß legt mit ihrem Text „Der Kampf um den 24-Stunden-Surfer“ den Finger mitten in die Wunde.

Vodafone-Chef Friedrich Joussen lässt sie sagen:

„Bei den Kritiken im Blog reden wir über 500 Beiträge, wir machen aber Produkte für 40 Millionen Kunden“

Nur hat Vodafone bekanntlich vergessen, mit der neuen Kampagne auch neue Produkte einzuführen – und Blogger haben sehr detailliert erläutert, warum das ein Problem ist. Was genau sollen also die 40 Millionen Kunden kaufen?

Nun wäre es für Vodafone vermutlich zu verschmerzen, wenn nur ein paar Hardcore-Internetnutzer Schwierigkeiten damit hätten. Doch ganz so einfach ist das Spiel mit der Aufmerksamkeit eben nicht, wie Marketing-Professor Tobias Langner der FAZ sagt:

„Während viele Jugendliche zum Beispiel einen iPod benutzen, um in ihrem sozialen Umfeld zu punkten, werden sie kaum mit ihrem neuen Handy-Tarif angeben. (…) „Die Kommunikationsstrategie sollte jedoch eher auf eine gute Preispositionierung als auf den Aufbau einer Fangemeinde abzielen.“

Wir halten also fest: Ein toller Online-Tarif wäre besser gewesen, als teure Werbung mit viel Emotion. Aber das habe ich ja bereits bei anderer Gelegenheit bemängelt.

Auch Joussen scheint im Grunde seines Mobilfunker-Herzens verstanden zu haben, dass es nicht ein paar wild gewordene Blogger sind, auf die sein Unternehmen geprallt ist. Vielleicht ist es ja wirklich die Avantgarde, die Boheme, die die Masse und damit auch das Massengeschäft nach sich zieht. Joussen sagt:

„Dort, wo sie sind, werden in ein paar Jahren auch alle anderen sein.“

Dann hoffe ich mal (für Vodafone), dass er das Ernst meint. Und das hier auch:

„Die Feedback-Kultur finde ich grundsätzlich gut, denn konstruktive Kritik und kreative Ideen können uns helfen, viel schneller und zielgerichteter Produkte zu optimieren.“

Könnte ja sonst passieren, dass jemand anderes auf die Idee kommt, seine Generation Upload mit dem Online-Tarif zu versorgen, den Vodafone vergessen hat der Kampagne beizulegen.

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Warum Journalisten drei Dinge lernen sollten

Eine Steilvorlage, Ihr Mixed-Posting, lieber Manz. Eine Erinnerung zugleich. Denn schon seit Tagen will ich über den Journalisten der Zukunft von Adam Westbrook nachdenken. Nun also, ich denke. Und ich blogge dabei, denn was gibt es Schöneres. Da ich vermute, dass Sie das differenzierte und dadurch etwas längliche Posting des Kollegen Westbrook – wie so oft – nicht bis zur Neige gelesen haben, zunächst eine Zusammenfassung.

Westbrook, selbst Multimedia-Journalist, der gerne alle Mediengattungen in sich vereint, wenn man diesem Foto glauben darf, hat genug davon, auf Holzmedien und anderen Anhängern einer verblassenden Welt herumzutrampeln, und versucht es mal konstruktiv. Dazu konstruiert er sieben Typen, die auch morgen noch ein Leben als Journalisten werden verdienen können. Folgende:

Der Alleskönner

Fotografiert, dreht, schneidet, schreibt – und kann seine Arbeit auch ansprechend ins Web beamen.

Der Webdesigner

Das ist der Typ, der fließend XHTML, CCS und andere Dinge spricht und schreibt.

Der Kollaborateur

Journalisten werden in Zukunft seltener in festen Strukturen arbeiten, stattdessen sammeln sie sich und andere Spezialisten für Projekte immer wieder neu.

Der Spezialist

Das Geld liegt nicht mehr auf der Straße, sondern in der Nische, Spezialisten überleben (auch allein).

Der Flexible

Überleben wird, wer sich an die neuen Verhältnisse anpasst, sich für einen neuen Journalismus ausbilden lässt.

Der Erneuerer

Journalisten nehmen ihr Schicksal in die Hand, entwickeln ihr (eigenes) Geschäft und schaffen Inhalte, für die die Meschen auch bezahlen.

Der Geschichtenerzähler

Journalisten werden weiter Geschichten erzählen.

Nun also die Frage: Hat Westbrook recht? Ja, hat er. Und nein, hat er nicht. In ein paar Punkten würde ich das Westbrook-Manifest unterschreiben, andere nicht.

In Redaktionen werden in Zukunft weniger Journalisten sitzen. Aber wird es deshalb mehr Freie geben. Ich bin mir da nicht sicher. Argumentieren wir an dieser Stelle mit Jeff Jarvis: Früher brauchte jede Zeitung einen Kinokritiker (wenn sie diesen Bereich nicht vernachlässigen oder mit Agenturmaterial auskommen wollte). Aber braucht es in einem Internet-Deutschland Hunderte Rezensionen ein und desselben Films? Wäre es nicht im Gegenteil sogar ein Vorteil, die besten Rezensenten könnten mehr Geld mit ihren Texten verdienen und alle Hobby-Kritiker würden Dinge tun, die sie besser können, als Filme zu bewerten? Das wäre sogar gut für die Qualität – und nebenbei kein Problem für eine ausreichende Pluralität an Meinungen. Also weniger feste Strukturen: ja. Mehr Journalisten frei: weiß nicht so recht. Spezialisten: ja, ganz bestimmt. Den Alleskönner: eher nicht, vor allem weil die meisten Alleskönner eben nichts alles wirklich können.

Vom Spezialisten ist es nur ein kleiner Hops zum Geschichtenerzähler. Auch in Zukunft wird es Aufgabe von Journalisten sein, Geschichten zu erzählen. Doch wie viele werden damit wirklich ausreichend Geld zum Leben (oder Überleben) verdienen? Einfacher wird da jedenfalls nicht. Auch in der Vergangenheit haben Amateure Zeitungslesern Geschichten erzählt: Schüler, die am Wochenende über das Schützenfest schrieben (war ich selbst dereinst), und Rentner, die auch aus der langweiligsten Jahreshauptversammlung der Kaninchenzüchter noch einen Bericht saugten. Da – nun schon seit Jahren – der Start eines eigenen Blogs – rein technisch betrachtet – ebenso leicht ist, wie sich eine neue E-Mail-Adresse bei einem beliebigen Anbieter zuzulegen, werden immer mehr Menschen einfach ins Netz schreiben.

Jetzt höre ich schon wieder die Stimmen: Das, was Journalisten können, das kann doch nicht jeder! Ja, stimmt. Nicht alles, was Journalisten können, kann jeder. Aber manche können einiges davon. Da draußen sind Menschen, die können zuhören, schreiben, fotografieren, filmen oder programmieren – und zuweilen die wildesten Kombinationen aus den Dingen, die Westbrook den Journalisten der Zukunft zuschreibt. Nehmen wir Das heddesheimblog meines geschätzten Kollegen Hardy Prothmann. Er wagt damit eine neue Form des Lokaljournalismus, nachzulesen in einem Interview von Thomas Mrazek auf onlinejournalismus.de. Das ist mutig. Und es ist spannend. So was können Journalisten, sollten sie zumindest. Aber ich glaube, es können nicht nur Journalisten. Wie gesagt, für die Lokalzeitung schreiben seit Jahrzehnten auch Amateure.

Damit sind wir schon bei einem weiteren Punkt, den ich nicht unterschreibe: Den Webdesigner braucht es nicht wirklich. Also natürlich brauchen wir Webdesigner, vermutlich mehr denn je. Aber guter Journalismus braucht keine Webdesigner. Da draußen gibt es heute schon unzählige Plattformen, die Publizieren zum Kinderspiel machen. Erst kürzlich, lieber Manz, vernahm ich, dass ein gewisser Manz vor posterous kniete (ich hingegen habe noch nicht verstanden, warum ich all das, was ich bei Facebook und Friendfeed zusammenführe, nun von posterous aus befeuern soll; das aber nur am Rande). Damit schließen Sie sich einem Redner zu Medienfragen an, der fast so bekannt ist, wie Sie selbst, lieber Manz: Jeff Jarvis warf vor ziemlich genau einem Jahr den Vorschlag in die Runde, die Verleger sollten nicht nur die Druckerpressen abschalten, sondern sich auch ihre kostspieligen Websites sparen; den Job könne doch Google übernehmen (wie groß diese Provokation war, können wir erst heute ermessen). Ergo: Liebe Kollegen, spart Euch den XHTML-Kurs in der Volkshochschule (eine Erkenntnis, über die niemand glücklicher ist als ich).

So, was vergessen? Ja, den Erneuerer und den Flexiblen. Die beiden unterschreibe ich sofort. Wir leben schon mindestens bis zu den Knien in einer neuen Medienwelt. Journalisten müssen dringend lernen, mit der Plattform Internet umzugehen und sie für ihre Geschichten zu nutzen. Wer nicht versteht, wie heute Twitter und Facebook funktioniert (und vielleicht auch, warum posterous toll ist *schäm*), wird das Netz und damit die Kommunikation der Menschen – also der Leser und Nutzer – in ein paar Jahren auch nicht verstehen – und sie kaum erreichen können. Journalisten werden nur dann Orientierung bieten können, wenn sie dort sind, wo die Leser sind. Und die sind im Netz.

An dieser Stelle dann noch eine These: Ich war erstaunt, als mir ein Kollege, der sich in Internetdingen ein wenig sehr gut auskennt, vor einem Jahr oder so sagte, Onlinejournalisten müssten alles können, also schreiben, filmen, schneiden und fotografieren sowieso. Das glaube ich nicht. Ich glaube sogar, dass es Onlinejournalisten bald nicht mehr geben wird. Die Gattungen werden verschwinden unwichtiger. Für Journalisten aber wird es essenziell, den Diskurs, der im Netz läuft, zu filtern und durch ihre Veröffentlichungen zu gewichten und auch zu moderieren.

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Ein paar Anmerkungen zu Pons, TV und – ja doch, Vodafone

Lieber Sievers, manchmal frage ich mich, ob Ihnen Ihre Elternzeit wirklich gut tut. Sie werden auf einmal so sanft im Umgang – streuen einmal Asche über Ihr Haupt, einmal spielen Sie den Gedanken durch, erst einen riesen Etat zu gewinnen und dann „so Sachen“ zu sagen. Oder so ähnlich. Werden Sie altersmilde? Oder doch bald PRler? Diese Frage scheint berechtigt, da Sie nun schon seit einiger Zeit hartnäckigen Fragen zur Zukunft des Journalismus, bzw. der Reaktion Ihrer Zunft sowie Eurem Geschäftsmodell einfach ausweichen, und das Thema – ganz der PRler – schön in andere Richtungen lenken. (An dieser Stelle folgt der * Verweis). Was sagen Sie bspw. zu diesen Thesen über die Zukunft des Journalismus, gefunden bei der sehr geschätzten Ulrike Langer?

Also: Ran an die harten Themen, Herr Sievers. Denn nicht nur in der PR gibts doch wirklich viele schöne Sachen zu beobachten. Doch damit beschäftigen wir uns ja beide gerne – ich von Berufswegen, Sie aus Eigeninteresse?

However, da ich ja zuletzt fast abgetaucht bin (siehe *), gar in der Versenkung vermutet wurde, wird es höchste Zeit auch noch ein paar Dinge zu Vodafone zu schreiben. Ob das die (Social Media-) Welt braucht? Egal, auf einen Post mehr oder weniger kommt es auch nicht mehr an – also: Für’s Archiv…

Nach all der Kritik, teilweise auch Krawall in der Web-Szene ob der Kampagne, oder PK, oder Public Konferenz oder whatever, samt extremen Folgen, die Mitte der vergangenen Woche im Einstellen von Frau Schnutingers Blog gipfelten (was wiederum den Weg in die klassischen Medien fand, vgl. bspw. den Beitrag im Freitag), will ich nur ein paar wenige Punkte dazu verlieren – denn: Das meiste ist schon vielfach gesagt worden, zuletzt hat bspw. noch einmal der geschätzte Olaf Kolbrück Stellung genommen.

  1. Es war ein mutiger Schritt von Vodafone, oder von Scholz & Friends. Und ein wichtiger für alle Social Media Enthusiasten, denn es wurde gezeigt: Mit Social Media kann auch Geld umgesetzt verdient werden.
  2. Bevor mich nun die Social Media Elite lyncht, weil ich das Wort „Geld verdienen“ in Zusammenhang mit Social Media benutze, schiebe ich Punkt 2 nach, in dem ich frage: Können Werber Social Media Kommunikation machen? Oder anders gefragt: Passen Werbung und Social Media zusammen – wo doch Social Media eher eine neue Kommunikations-Kultur ist, denn ein Abladeplatz für handwerklich durchaus extrem gut gemachte Emotionen? Ein sehr spannender Diskurs hierzu findet gegenwärtig im Blog der Sympra (dort sind u.a. B. Jodeleit und V. Mathauer sehr effektiv mit Social Media tätig) statt, neben dem Kern-Beitrag von Mirko Kaminski von Achtung! sind v.a. auch die Kommenentare sehr spannend zu lesen.
  3. Die Idee, eine PK zu öffnen für die Web-Welt, und damit letztlich für jeden, war brilliant. Leider war die Umsetzung, nun ja, suboptimal (wie ein PRler dies wohl beschönigen würde). Über die Gründe hierzu ist aber wahrlich genug geschrieben worden, daher erspare ich uns dies.
  4. Reaktionen von Vodafone gab es – das ist gut. Aber auch im Reagieren gibt es noch einiges zu lernen…
  5. Alles im allem: Ich bin froh, dass es endlich einen richtig großen Case gibt. Aus dem alle lernen können. Und werden.

Im Vergleich dazu wenig beachtet wurde dagegen eine Mitte letzter Woche  angelaufene PR-Blogger-Relations Aktion von PONS. Soweit ich dies bisher verstanden und richtig gelesen habe – denn leider, lieber Sievers, sind wir ja noch keine wichtigen Blogger, sonst hätten wir auch ein Schulheft bekommen – ist dies ein Musterbeispiel für aufwendige, aber effektive Bloger-Relations.

Neben einigen sehr wohlwollenden, direkten und reichweitenstarken Reaktionen zeigt dies auch in Blick in Twoogle. Gratulation daher an @Strorymaker oder an @vmepoeple. Wenngleich ich wage zu behaupten: Einen derart hohen Aufwand zu fahren wird sich nur bei wenigen Kunden verargumentieren lassen, denn am Ende heißt es nicht selten: „Wer soll das bezahlen…“.

So, lieber Sievers, wäre ich jetzt Sie, würde ich jetzt enden. Denn ich habe derartig mäandernde Bögen geschlagen, dass die Headline schon wieder vergessen wurde. Immer schön ablenken – siehe oben. Aber: Ich wage mich schon noch an eine Antworte auf Ihre Frage über das mutmaßliche Ende des Leitmediums TV.

Nun, es gibt bereits einige Studien, die genau das vorhersagen. Und ich bin mir sicher, dass Social Media diesen Prozess beschleunigen wird. Ähnliches sagte ja auch Richard Gutjahr beim letzten Social Media Club Treffen in München. Aber noch spielt „klassisches TV“ eine immens wichtige Rolle, denn es ist – und wird auch bleiben – ein Massenmedium. Die Frage ist nur: Wie stellen sich die TV-Anstalten auf die anbrechende neue Zeit ein? Wie können und wollen sie sich behaupten?

Und derartige Fragen, lieber Sievers, habe ich schon oft an Sie gestellt – nicht nur oben. Ich bin gespannt auf Ihre Antwort. Denn: Dank der Elternzeit haben Sie ja im Vergleich zu mir unendlich viel Zeit.

——-

Nun noch der *Verweis: Ich bitte um Abbitte… Durch die Erkrankung in der letzten Woche bin ich noch mehr hinten dran, als ohnehin schon. Und bedingt durch zahlreiche Projekte im Agenturalltag, von denen viel zu wenige Social Media im Kern behandeln, sowie die eigene Familie bleibt mir gegenwärtig nichts anderes übrig, als mich weiterhin von Ihnen treiben zu lassen. Aber: Ich arbeite daran, dass sich der Spieß umdreht. Denn auch Ihre Elternzeit ist iregndwann vorbei…

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Schreiben für Suchmaschinen

Von Kollegen aus den größeren und kleineren Onlineredaktionen der Republik höre ich zuweilen, lieber Manz, dass man sich hier und dort Gedanken über Google macht. Also natürlich vor allem die Techniker, die Hand anlegen und die Seiten so zurecht schrauben, dass Google gut ran kommt an die Inhalte (Neudeutsch ja eher Content). Allerdings nicht nur, sagen die Kollegen. SEO, für den Kenner cooles Akronym für Suchmaschinenoptimierung, was Englisch als Search Engine Optimization natürlich noch mal besser klingt, soll auch bei Redakteuren die Runde machen (was der DJV dazu wohl sagen würde?). Auf den Gängen raunt man sich zu: „Hast Du auch die Keyword-Dichte im Blick bei dem Thema?“ Gruselig, oder!?

Aber was sollen wir denn machen, lieber Manz! Wir wollen doch auch gefunden werden. Und die Konkurrenz ist groß. Denn hinter vorgehaltener Hand raunt es auch aus Ihrer Branche, also von den PR-Fuzzis, dass SEO jetzt ganz groß geschrieben wird (wie auch sonst, ist doch nicht die Nato und auch nicht Unicef?). Das macht mir natürlich Angst. Denn wie wir alle wissen, ist Ihre Branche verrucht und skrupellos. Kaum vorstellbar, was der deutschen Sprache passiert, wenn sich SEO-Radikale durchsetzen und bei Google gewinnen. Dann hätten wir bald nur noch Texte dieser Güte zum Leben im Netz:

Der Abschluss einer kapitalbildenden Lebensversicherung hat neben steuerlichen Vorteilen insbesondere zwei weitere Eigenschaften: Sie sichern durch Ihre Kapitallebensversicherung Ihre Familie hervorragend ab und erhalten eine gute Rendite für Ihr angelegtes Geld. Lebensversicherungen werden durch die Möglichkeit der steuerlichen Absetzbarkeit staatlich gefördert und ermöglichen Ihnen trotzdem, die volle Auszahlungssumme steuerfrei zu erhalten, wenn einige Vorraussetzungen beachtet werden. Eine Risikolebensversicherung zahlt im Vergleich zu einer Kapitallebensversicherng ausschliesslich im Todesfall und ist daher für eine Absicherung der eigenen Person natürlich ungeeignet. Eine Lebensversicherung ohne Gesundheitsfragen gibt es heute nicht mehr, da Lebensversicherungen ohne Gesundheitsprüfung eine deutlich höhere Prämie fordern müssten, um das unüberschaubare zusätzliche Risiko auszugleichen. Für ausführlichere Informationen gehen Sie bitte auf unsere FAQ Seite, die Sie umfassend über Lebensversicherungen aufklärt.
(Gefunden: http://www.preisvergleich-krankenversicherung.com/lebensversicherung.htm, Hervorhebungen sind Absicht des Autors)

Für Google ist dieser Text (nebst Überschrift, Teaser und Navigation, die ebenfalls mit „Lebensversicherungen“ gespickt sind) die Position zwei wert (Wikipedia schafft es auf die eins). Und nun stelle ich mir all diese digitalen Eingeborenen vor, die sich im Leben noch keine Druckerschwärze von den Fingern gewaschen haben. Mein Güte, denken Sie nur, lieber Manz, die könnten glatt glauben, es handle sich um gutes Deutsch, was sie da lesen. Schließlich findet Google die Seite toll. Meine Güte.

Deshalb meine ängstliche Frage an Sie, lieber Manz: Wie weit gehen Sie und ihresgleichen, um mit Google die Welt zu erobern? Denn das wollen Sie doch, die Welt erobern, oder!?

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Konsumenten konsumieren

Als kleine Sonntagsunterhaltung, lieber Manz, an dieser Stelle nun ein Video und eine Diashow. Das Video, sehr professionell gemacht, beschäftigt sich mit iPhone, die Dias, eigentlich noch witziger, wenn es nicht so traurig wäre, mit Ariel. Genau, dem Waschmittel. Aber sehen Sie selbst.


(Via Twitter @GunnarBender)

(Via … Mist, hab ich vergessen.)

Kann es sein, lieber Manz, dass Konsumenten sich hüben wie drüben nicht mehr so leicht an der Nase herumführen lassen? Ich habe fast das Gefühl.

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Leitmedium gewesen: das Fernsehen

Wenn ich einen Etat gewonnen hätte, lieber Manz, den ich als das größte Neugeschäft seit einem Jahrzehnt bezeichne, und wenn ich das mit viel Social-Media-Dings-und-Bums geschafft hätte, dann würde ich jetzt auch solche Dinge in Interviews sagen, wie Frank-Michael Schmidt, Chef von Scholz & Friends und Herr über die Vodafone-Kampagne:

„Das Fernsehen hat als Leitmedium abgedankt. Heute lockt es nur noch bei Großereignissen – wie einer Fußball-WM – die Massen vor den Bildschirm. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Kanäle durch das Internet vervielfacht, insbesondere durch den Rückkanal, der aus Rezipienten Produzenten macht. Wenn noch vor ein paar Jahren ausschließlich das TV-Gerät ein privates Publikum um sich versammelte, gewinnt heute die Interaktion der Communities rasant an Bedeutung. Erfolgreiche Marketingkommunikation muss den Menschen dort begegnen, wo sie sich aufhalten: medial und im wirklichen Leben. Nur wer das schafft, wird zu den Gewinnern des Wandels gehören.“

Aber wissen Sie, was seltsam ist, lieber Manz. Ich habe zwar keinen Etat gewonnen, nicht mal einen kleinen (da müsste ich mich ja auch erst mal bewerben, oder?). Aber ich sage solche Sachen trotzdem. Komisch.

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