Seltsame Journalisten-Umfragen mit überraschenden Ergebnissen

Hach, lieber Sievers, was finde ich denn da in Ihrem del.icio.us? Nein: Was fand ich am 01. Mai als letzten gebookmarkten Link? Einen Hinweis auf diese Studie: Demnach nerven Journalisten am meisten nervende PR-Leute. Was für eine seltsame Aussage.

Nun, diese Studie ist ja schon ein paar Tage alt. Ebenso spät reagiere ich auf Ihr spätes Bookmark. Wahrscheinlich ist es inhaltlich schon längst durch.

However, es wird höchste Zeit, Ihnen die naheliegende Frage zu stellen, die schon längst – mit Erscheinen der Studie – hätte kommen müssen: Sagen Sie mir und uns, lieber Sievers, wie halten Sie es mit den nervenden PR-lern?

Zählen Sie zur Gruppe der Journalisten, die nervende PR-Leute nerven? Oder zu der, die es auch zu geben scheint (glaubt man der Studie), also denjenigen, die nervende PR-ler nicht nerven? Die unsere Zunft also zu mögen scheint? Schließlich unterrichten Sie beizeiten. Und zwar: PRler.

Demnach muss es ja etwas geben, was Sie an uns schätzen. Oder ist es der pure Idealismus, der Sie antreibt – aus nervenden PR-lern keine nervenden zu machen? Oder gar keine PR-ler nerven zu lassen?

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PR à la Süddeutsche Zeitung Magazin

Lieber Sievers, ich bin erschüttert. Und zwar (noch) nicht ob Ihrer Frage, sondern über die Aussage des geschätzten Kollegen Christian Bölling, der auch in Twitter regelmäßig gute Worte (@amendestages) verliert.

Wie dem auch sei: Viel spannender als das SZ-Magazin selbst finde ich einen Blogeintrag von Björn Sievers dazu bei den prlen. Eigentlich führt Sievers in diesem Blog – gemeinsam mit PRler Jan Manz – ein Zwiegespräch in Hauser-Kienzle-Manier. Thema: Die Beziehung von PR und Journalismus – dazwischenreden (und kommentieren) passt irgendwie nicht ins Format.

Gott sei Dank hat er es doch gemacht. Denn: So sehr ich unseren Dialog schätze (würde man nun voll auf die Hauser-Kienzle Karte setzen, müsste der Hinweis folgen, dass ich bewusst “Dialog” schreibe, und nicht “Sie”), so schade und erschütternd wäre es, wenn sich andere Mitleser dadurch ausgesperrt fühlten. In diesem Sinne: Lieber Christian, liebe Leser, nur zu – immer her mit Euren Meinungen.

Doch nun zu Ihrer Frage. Auch hierzu kann ich nur auf Christian verweisen, der aus PR-Sicht vollkommen zu Recht die Frage nach den Zielen stellt:

Zwei Dimensionen spielen m. E. bei der Beantwortung eine Rolle – die Zielerreichung und der Umgang mit Fehlern. Der Grad der Zielerreichung ist vom Ziel abhängig, das die SZ mit dem Heft verfolgt hat.

Dies wäre die Frage, die es aus PR-Sicht zu beantworten wäre. Zunächst einmal unabhängig von der Qualitätsfrage.

Also: Sollte lediglich Aufmerksamkeit erregt werden – für das Magazin? Um damit mehr zu verkaufen? Dann wäre das Vorgehen, einige Meinungsführer im Web vorab mit der Fragestellung bzw. dem Inhalt zu konfrontieren, gar nicht so dumm. Zumindest auf den ersten Blick – denn: Wer immer wieder, und dies meist zu Recht, im Kreuzfeuer der Online-Kritik steht (weil mitunter seltsame Thesen verbreitet werden), sollte sich diesen Schritt überlegen. Allemal, wenn man ein paar Inhalte im Gepäck hat, die – drücken wir es vorsichtig aus – Wasser auf die Mühlen der Kritiker sind. Folgerung: Sollte die Aktion als Hinwendung, oder gar als Kehrtwendung hin zu mehr Web konzipiert gewesen sein – dann ist’s a bisserl blöde gelaufen für das SZ-Magazin, oder die Süddeutsche.

Denn: Wenn man eine derartige Strategie fährt, sollte schon der Inhalt stimmen. Und mit Inhalt meine ich in erster Linie nicht die Tatsache, ob dort ein mir persönlich unbekannte “Blogger” Felix Salmon über scheinbare Blog-Probleme der Deutschen mit den Ferien (oder wie war das noch mal – wirre Gedanken halt) fabuliert; denn dies muss auch von Web-Enthusiasten als Meinung akzeptiert werden (wenngleich als seltsame codiert). Sondern vielmehr, dass das zentrale Asset des Journalismus, die Qualität und die Recherche, augenscheinlich nicht ganz in Einklang zum eigenen Anspruch stehen. Anders kann man sich die Geschichte mit dem “Portfolio-Blog” wohl nicht erklären.

Grundsätzlich erstaunlich finde ich hingegen, dass das SZ-Magazin auch Stimmen aus dem Web – also: die “gewünschten” Reaktionen – auflistet. Bisher ist das Ergebnis quantitativ noch mau. Der Einfluss der Herren Pleil, Niggemeier & Co führen jedoch unweigerlich dazu, dass die Geschichte Relevanz im Web erfährt – aus der Sicht des SZ-Magazins wohl eher eine negative.

Aus PR-Sicht stünde nun an, (Krisen-)kommunikation zu betreiben. Aktive Kommunikation. Sich mit den Kommentaren auseinandersetzen, in die Kommentare der Kritiker den Dialog eröffnen, den eigenen Standpunkt darlegen. Auf der Website, im Blog den Diskurs weiterführen. Usw. – ob dies aber geschieht, bleibt abzuwarten.

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Blumen – und in eigener Sache

Man hat uns Blumen überreicht, lieber Manz. Drüben, am Ende des Tages hat Christian geschrieben:

Eigentlich führt Sievers in diesem Blog – gemeinsam mit PRler Jan Manz – ein Zwiegespräch in Hauser-Kienzle-Manier. Thema: Die Beziehung von PR und Journalismus – dazwischenreden (und kommentieren) passt irgendwie nicht ins Format.

Und das freut mich sehr, also der Vergleich mit den beiden Kollegen (von denen leider nur noch einer lebt).

Doch zugleich irritieren mich die Zeilen: Denn natürlich, sogar herzlich gern darf hier kommentiert und mit uns diskutiert werden. Wir beide, der Manz und ich, glauben auch deshalb daran, dass das Netz eine gute Sache ist, weil da jeder reinschreiben kann. Also bitte, auch hier ist Platz dazu.

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Das SZ-Magazin auf PR-Wegen unterwegs

Das SZ-Magazin, lieber Manz, macht PR in eigener Sache. Oder sollte ich sagen: Das SZ-Magazin hält erst die linke und dann die rechte Wange hin? Jedenfalls hat sich das Magazin der “Süddeutschen Zeitung” von morgen bereits heute im Netz publiziert. Das Heft fragt: “Wozu Zeitung?” Und lädt dazu ein, online über die Frage – und natürlich auch das Magazin – zu diskutieren. Also, lieber Manz, diskutieren wir. Habe ich mir gedacht. Vor allem würde ich gerne wissen: Was halten Sie, also der PR-Arbeiter in ihrem Herzen, von dem Ansatz?

Denn es verhält sich ja so, lieber Manz: Da stellt die SZ ihr Magazin vorab ins Netz und ruft öffentlich zum Diskurs auf. Und genau der beginnt. Unmittelbar (auch weil die lieben Kollegen es nicht versäumt haben, andere liebe Kollegen vorab in Kenntnis zu setzen; geschickt, oder!?). Die kleine, feine deutsche Blogosphäre hat *schwups* ein neues Thema.

Stefan Niggemeier schreibt, warum man mit dem SZ-Magazin schöner sterben kann; Klaus Meier von der FH Darmstadt gibt fünf Tipps, wie die Kollegen mit ihrer Frage nach dem Sinn von bedruckten Papier eigentlich hätten umgehen sollen (ein herrlicher Verriss); Meier-Kollege Thomas Pleil weist ebenso auf die Aktion hin, wie der der Münchner Journalist Thomas Mrazek (und der tut das gleich nochmal auf onlinejournalismus.de).

Soweit ich PR verstehe, lieber Manz, ist das eine gelungene Aktion, oder?

Nur frage ich mich: Was ist mit den Inhalten? Werden die – aus PR-Sicht – zur Nebensache? Hauptsache, das Magazin ist im Gespräch? Oder schmerzt auch Ihr Herz, lieber Manz, wenn Sie lesen, dass die Rezensenten Niggemeier und Meier gleich mehrere Fehler im Druckwerk (und damit auch im Internet) finden?

Aus Journalistensicht, die ich hier ja vertrete, ist das jedenfalls: doof.

Update: Christian Jukubetz verzichtet auf einen Verriss, weil das Niggemeier und Meier schon so hübsch erledigt haben.

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Das Kommunikations- und Medien-Stöckchen des Fiene

Der Kollege Daniel Fiene, lieber Manz, hat ein Stöckchen geworfen. Nun hat es zwar nicht direkt uns beiden vor die Füße geworfen. Doch wir bedienen uns mal frech.

“Was-mit-Medien-Moderator” Fiene reist in der kommenden Woche nach Leipzig, um mit ein paar Leuten über Medien und Kommunikation zu sprechen. Public Future Lab heißt das ganze. Und da Herr Fiene noch nicht so genau weiß, was er dort sagen soll, hat er ein paar Fragen formuliert. Sie und ich, lieber Manz, könnten ja mal ein paar Antworten versuchen, gell!?

Also, los geht’s:

1. Wie kommunizieren Menschen in Zukunft?

Bei Kommunikation und Zukunft fallen mir vor allem zwei Stichworte ein: Vielfalt und Asynchronität. Ursprünglich ist synchrone Kommunikation. Solange Menschen nur gesprochene Sprache zur Verfügung hatten, konnten sie nur miteinander reden, um sich Dinge mitzuteilen. Irgendwann kamen Zeichnungen und dann die Schrift hinzu. Geschriebenes bietet die Möglichkeit, auch mit Menschen zu kommunizieren, die gerade nicht neben einem stehen. Man kann sogar Menschen etwas mitteilen, die noch nicht geboren sind. Angefangen haben Menschen schon vor ein paar vielen Jahren mit der asynchronen Kommunikation, damals in den Höhlen. Man könnte also formulieren: Der Mensch ist Mensch, weil der asynchron kommunizieren kann.

Auf die Höhlenmalereien, die Bibel und die gepflegte Briefkonversation des 18. und 19. Jahrhunderts folgte: das Telefon. Sprachtelefonie ist sowas wie die moderne Variante archaischer Kommunikation. Zwar muss der Andere nicht mehr neben einem selbst stehen, aber er muss den Hörer abnehmen (für die jüngeren Leser: früher nahm man den Hörer von der Gabel). Er muss also neben seinem Telefon sitzen – und das hing ja in den ersten Jahren am Kabel. Das Handy brachte zwar die Freiheit vom Kabel (immer bis der Akku kracht), doch ich muss Zeit und Lust haben, mit dem Anrufer zu sprechen. Und zumindest bei mir ist es so: Zeit nehme ich mir, wenn es der Job verlangt, und Lust habe ich (fast) nur bei guten Freunden. Synchrone Kommunikation ist irgendwie immer die zweitbeste Lösung.

Wie toll ist doch so eine E-Mail (also eigentlich war, in der Frühzeit des Internets). Und eine SMS. Warum haben so viele Menschen (außer mir) gelernt, auf einer Handytastatur kurze Texte zu schreiben, deren Versenden einen Preis kostet, den man nur deshalb nicht jeden Tag als Frechheit bezeichnet, weil er gelernt ist – und es bisher keine andere Möglichkeit mobiler asynchroner Kommunikation gab. Alles in allem würde ich sagen: asynchron rules!

Damit ist der Erfolg von Twitter (das ist dieses Kurznachrichtendings, das viele – mich eingeschlossen – beim ersten Versuch nicht verstehen) auch kein Wunder mehr. Denn Twitter ist asynchrone Kommunikation, ist ein Dauerchat, in den ich mich einklinke und aus dem ich mich wieder ausklinke, wann immer ich will. Es ist die lange Leine, an der meine Freunde hängen, die lieben Kollegen – und Menschen, an deren Denken ich ohne Twitter nicht partizipieren können. Twitter ist eine Kneipe, in der ich parallel an vielen Tischen sitzen kann und dabei nur den Menschen zuhöre muss, auf die ich Lust habe.

Aber zurück in die Zukunft: Wir werden noch viele Twitters sehen, Kanäle, die den Menschen asynchrone Kommunikation ermöglichen. Und wir werden immer viele parallel nutzen. Ich kommuniziere heute (asynchron) per SMS, E-Mail, Twitter, Blog, Facebook, Dopplr, Flickr – und vermutlich von weiteren Diensten. Und auf jedem Kanal rede ich mit bestimmten Menschen, aber mit niemandem auf allen.

Uff, lange Rede. Die anderen Fragen gehen schneller. Hoffentlich.

2. Wo und wie sollen mir Klassische Medien im Netz begegnen?

Die große Herausforderung für Medien sind die vielen, vielen Kanäle. Im Prinzip sind Journalisten ganz gut vorbereitet auf diese Welt. Schließlich haben sie immer asynchron kommuniziert mit ihren Lesern – potenziell zumindest. Journalist schreibt, Drucker druckt, Leser antwortet mit Brief. Der klitzekleine Haken: Die meisten Kollegen haben nicht kommuniziert. Sie haben geschrieben – und die Leserbriefe hat die Leserbriefredaktion beantwortet. Wenn überhaupt.

Und genau hier steckt die Herausforderung, die viele Kollegen noch nicht angenommen haben: Journalisten müssen lernen zu kommunizieren. Sie werden vom allwissenden Redakteur zum devoten Moderator von Konversationen. Das ist ihre große Chance. Es wird ihre große Aufgabe sein, im Netzgezwitscher die Perlen zu finden. Dabei werden sie nicht nur immer an die Leser denken, sondern auch immer zusammen mit den Lesern handeln. Die Zeit der Leserbriefe ist vorbei. Schon heute muss ein Journalist unmittelbar auf Kommentare reagieren, in denen Leser ihre Freude, Wut und Kritik zu einer Geschichte abladen, die der Kollege ins Netz geschrieben hat.

3. Wer gewinnt mein Vertrauen?

Vertrauen hängt in einer vernetzten Welt an zwei Fäden: Transparenz und Authentizität. Nur wer seine Quellen offenlegt, wer es dem Leser ermöglicht, die eigene Haltung nachzuvollziehen, wird bestehen. Ein – für deutsche Verhältnisse sehr weitgehendes – Musterbeispiel liefert der Blogger, Journalist und Berater Jeff Jarvis mit seinen Disclosures. Er legt nicht nur seine geschäftlichen Verbindungen und die Aktien offen, die in seinem Depot liegen, sondern auch eine politische Haltung und seine Religion. Ich bin seinem Beispiel (noch) nicht gefolgt, halte es aber für beispielhaft.

4. Welche Chancen hat Qualitätsjournalismus im Netz?

Wenn ich das wüsste, wäre ich vermutlich schon Privatier. Im Ernst: Der Journalismus steht vor der immensen Herausforderung, dass die alten Geschäftsmodelle (gedruckte oder gesendete Medien, die vor allem über Werbung finanziert werden – was in vielen Fällen vor allem aufgrund von Gebietsmonopolen hervorragend funktionierte) zerbröseln dieser Tage. Und die neuen (Internetmedien in Schrift, Bild und Bewegtbild mit Werbung oder vom Nutzer finanziert) funktionieren noch nicht.

Ich weiß daher noch nicht, welche Chance es sein wird, die Qualitätsjouranlismus nutzen wird. Vermutlich werden es viele sein: ein wenig Werbung, ein bisschen Geld vom Nutzer und einiges von Stiftungen – vielleicht auch Gebühren). Ich bin aber sicher, dass es Chancen gibt. Denn den Journalismus aufzugeben hieße, unsere demokratische Grundordnung zu vernichten. Und dazu geht es uns deutlich zu gut damit.

5. Wann brauche ich verlässliche Information?

Das ist leicht: immer. Wenn ich Lebensmittel kaufe, ein Auto (könnte ja mal passieren), wenn ich ein Stück Software benutze – und natürlich auch, wenn ich als Journalist etwas aufschreibe. Spontan fällt mir keine Lebenslage ein, in der mir Verlässlichkeit egal ist.

So, Kollege Fiene, bitte bedienen Sie sich, wenn Sie mögen. Und Sie, lieber Manz, was antworten Sie?

Außerdem werfe ich das Stöckchen weiter an Christiane, Christiane, Claudia, Nico und Martin.

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Vodafone twittert

Irgendwie habe ich es immer schon geahnt, dass Vodafone nicht T-Mobile ist, lieber Manz. Schließlich ist Magenta ja auch nicht Rot – und umgekehrt. Und nun kann ich es auch beweisen: Vodafone twittert – im Gegensatz zu T-Mobile.

Nun ist Twitter zwar noch ein zartes Pflänzchen bei Vodafone. Den Account @vodafone_de gibt es erst seit vier Wochen, und mit knapp 700 Folowern ist die Nummer zwei im deutschen Mobilfunkmarkt sicher noch nicht am Ende seiner Möglichkeiten angekommen. Aber immerhin. Sie sind dabei. Sie heißt in diesem Fall übrigens Carmen Hillebrand, Sprecherin und eben auch Twitter-Bedienerin.

Im Interview mit grenzpfosten.de verrät sie, dass es bei Vodafone “keine großangelegte Strategie” gibt, die den Ländergesellschaften den Einsatz von Twitter vorschreibt. Und weiter:

“Das ist meines Erachtesns auch gut so, denn Twitter – so wie auch andere Social Media – werden in jedem Land unterschiedlich genutzt.”

Dass das Internet zwar weltumspannend ist, die Märke sich von Land zu Land stark unterscheiden, haben ja schon Unternehmen wie Yahoo in den späten 1990er-Jahren gemerkt.

Warum Vodafone Twitter nutzt, erklärt Carmen Hillebrand so:

“Twitter, wie überhaupt das Web 2.0, bietet die Möglichkeit sich zu öffnen und mit den Menschen in Dialog zu treten. Daher ist Twitter ein guter Kanal für die Unternehmenskommunikation.”

Auf den zweiten Blick erklärt sich die angenehme Geschmeidigkeit von Carmen Hillebrands Twitter-Denken übrigens wie von selbst. Ihren privaten Twitter-Account @CarmenHi hat sie schon vor zwei Jahren eingerichtet – und seither pro Tag im Schnitt vier Tweets gepostet. Ach ja, so ein altmodisches Blog unterhält sie auch noch.

Bei Vodafone ist sie als Twitter-Bedienerin senkrecht gestartet. Denn Hillebrand ist erst seit Mitte Februar im Unternehmen. Sieht fast aus, als sei sie vor allem fürs twittern eingestellt worden. Was meinen Sie, lieber Manz, ruft T-Mobile morgen bei Ihnen an?

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Auf der Suche nach guten Nachrichten

Suche nach guten Nachrichten. Mitten in der Krise. Uff, lieber Manz, da haben Sie uns ein Ei ins Blog gelegt (also eigentlich war es ja Olaf Kolbrück).

Wie Sie wissen, verdiene ich meine Brötchen im Nachrichtengeschäft. Und da ist das mit den guten Nachrichten so eine Sache. “Bad news is good news”, sagt der anglophil angehauchte Nachrichtenmensch. Was er damit meint, ist die Annahme, dass schlechte Nachrichten sich deutlich besser verkaufen als gute. Folgerichtig wird den Medien oft vorgeworfen, sich mit Vorliebe auf Blut, Schweiß und Tränen zu stürzen.

Betrachtet man dieser Tage die gängigen Nachrichtenportale im deutschen Internet, fällt es leicht, sowas wie einen empirischen Beweis zu führen. Die Seiten sind gepflastert mit Finanzkrise und Rezession (seit Monaten), Schweinegrippe (seit einer Woche) und einem Attentat (seit gestern). Als wäre das noch nicht genug, mischen die lieben Kollegen seit heute auch noch eine Portion rechte Gewalt mit hinein.

Medien stürzen sich also wirklich auf schlechte Nachrichten. Das ist die schlechte Nachricht. Doch es gibt auch eine gute. Also, es gibt auch gute Nachrichten. Ich fische mal ein paar aus der vergangenen Woche – ganz willkürlich (und von FOCUS Online):

Umwelt: USA reihen sich in Kampf gegen Klimawandel ein

Wissenschaft: Forscher kommen Ursachen für Schizophrenie näher

Eifersucht: Ehefrau rächt sich an Berlusconi

Mietvertrag: Mehr Flexibilität für Mieter

Baufinanzierung: Mit null Prozent Tilgung durch die Krise

Das ist doch mehr als nichts, lieber Manz. Und das in Zeiten wie diesen. Es gibt sie die guten Nachrichten. Ein Hinweis ist mir in diesem Zusammenhang noch wichtig: Lieber Manz, geneigte Leser, stimmen sie doch einfach ab mit ihren Füßen. Wenn wir, die Journaille, feststellen, dass sie nur noch gute Nachrichten lesen wollen, dann werden wir uns noch ein bisschen mehr darauf konzentrieren (das Thema Konsumentenethik erwähnte ich unlängst an anderer Stelle). Über die Zeitung, die nur auf die falschen Nachrichten setzt, brauchen sie sich jedenfalls nicht mehr zu ärgern.

Bei ärgern fällt mir auf: Jetzt habe ich sie gar nicht gepiesackt, lieber Manz. Das muss ich unbedingt nachholen. Alsbald.

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Was am Tag der Arbeit einen PR-ler freut

Kaum zurück von einem kleinen Familienausflug in den Münchner Hirschgarten, an dem am Tag der Arbeit eine sehr ordentliche Blaskapelle wunderbare Musik gemacht hat, geht es an an den Laptop, um darüber zu sinieren, was einen PR-ler derzeit freut. Denn dies, lieber Herr Sievers, fragt der geschätzte Blogger Olaf Kolbrück von off-the-record.

Zugegeben, er fragt nicht speziell nach dem Glück von PR-lern. Sondern allgemein. Und doch ist die Frage von O. Kolbrück nach den positiven Momenten eigentlich sehr spannend. Also, lieber Herr Sievers, stellen wir uns doch einmal dieser Frage – und wenden dies auf unsere Berufsfelder an. Wo sind die guten News dieser Woche?

Gestern erschien eine Studie der PR-Agentur Index. Derzufolge verbrächte bereits jeder vierte PR-Verantwortliche mehr als die Hälfte seiner Arbeitszeit mit Online-PR.

Das ist eine sehr erfreuliche Nachricht – wobei ich bezweifeln möchte, dass dies (schon) der Fall ist. Denn an der Umfrage haben nur 137 Menschen teilgenommen, die auch in Folge des Studiendesigns sicher stark Online-affin sind. Aber: Sicher ist, dass Online-Kommunikation immer professioneller wird. Und dass Disziplinen zusammenwachsen, ohne jedoch eins zu werden. Dass also Neues entsteht.

Eine weitere gute Nachricht ist eine, die aus einer eigentlich Schlechten resultiert: Der Netzökonom Holger Schmidt bloggt über eine Studie von Nielsen, nach der rund 60 Prozent der Twitter-Anmeldungen dem Kurznachrichtendienst rasch wieder den Rücken kehrten. Dies ist zwar schade – aber: Die Auswertung zeigt eben auch, dass immer mehr Menschen überhaupt “auf Twitter kommen”. Und dies stimmt mich froh – denn der Austausch via Twitter ist faszinierend, extrem schnell und extrem effektiv.

Und Sie, lieber Herr Sievers? Was waren die guten Nachrichten in den letzten Tagen?

Und was mich übrigens auch interessieren würde: Was war Ihr größter Coup, ihr bester Beitrag als Journalist? Und welche Wirkung hatte dies? Beweihräuchern Sie sich ruhig einmal – und zeigen Sie, dass tolle Beiträge über spannende Themen besser sind als so mancher Beitrag zu Mainstream-Themen, die (wie Stefan Niggemeier bspw. in Bezug auf RTL.de belegt) unglaubliche Reichweite erhalten.

An dieser Stelle endet das sinnieren am Tag der Arbeit – die Tochter ruft und will auf den Spielplatz. Recht hat sie. Spielen am Tag der Arbeit – wenn das mal kein positiver Ansatz ist!

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Chef-Sache ist so eine Sache – bei T-Mobile

Eine kleine Ergänzung zu unserer jüngsten Konversation, lieber Manz. Sie schreiben:

“Wer über Sprecher (und nicht über den Chef) in einer derartigen Krise kommunizieren lässt, wird verlieren.”

Und da habe ich eine gute Nachricht für Sie. Denn T-Mobile hat Ihr Flehen erhört. Deutschland-Chef Georg Pölz hat gesprochen. Also fast jedenfalls. Eigentlich hat er eher schreiben lassen. In einer Pressemitteilung lesen wir:

“Wir bedauern diesen Vorfall und entschuldigen uns bei unseren Kunden für die entstandenen Unannehmlichkeiten. Derzeit analysieren wir diesen Vorfall genau, um eine Wiederholung auszuschließen.”

Das ist mehr als nichts. Aber ist es genug? Angesichts der Größe des Desasters – immerhin konnten Millionen Kunden stundenlang nicht telefonieren, für ein Mobilfunkunternehmen ein Gau – immer noch eine schwache Leistung, sagt der Kunde in mir. Und das auch der Journalist.

Dem Journalisten fällt außerdem noch etwas auf: T-Mobile versieht seine Pressemitteilung zum Netzausfall zwar mit einem Datum, nicht jedoch mit einer Uhrzeit. Der Quelltext trägt jedoch einen Zeitstempel, den vermutlich das Content Management System gesetzt hat:

<meta name=”datecontent=”2009-04-22T16:30:00” /> 

Wenn wir den der Einfachheit halber mal glauben, dann hat T-Mobile mehr als 24 Stunden gebraucht, um ein knappes Statement des Chefs auf der eigenen Website zu veröffentlichen. Und ich dachte immer Mobilfunk sei total modern und ein Teil unserer beschleunigten Welt. Für mich klingt das eher nach Entdeckung der Langsamkeit.

Ausführlicher hat sich übrigens Technik-Geschäftsführer Günther Ottendorfer in einem Interview geäußert. Immerhin. Aber professionelle Krisenkommunikation sieht, wie Sie, lieber Manz, richtig bemerken, anders aus. Und zwar gegenüber den Kunden ebenso wie gegenüber der Presse. Denn auch wir haben ja nur Happen bekommen.

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Kein Anschluss unter dieser Nummer: (Keine!) Krisenkommunikation bei T-Mobile

Endlich sind wir uns einmal einig, lieber Herr Sievers: Wie Sie kann auch ich nur feststellen, dass das Kommunikationsverhalten von T-Mobile beim heutigen Netzausfall miserabel (gewesen) ist.

Dieses Urteil jedoch, dies sei betont, stützt sich nur auf eine vergleichsweise oberflächige Recherche meinerseits. Doch man kommt ja gar nicht aus, darüber zu lesen, zu twittern, zu sehen. Unser beider geliebtes Twitter schaffte es dann ja auch gleich in das heute Journal. Dennoch ist wichtig zu betonen: Mein Urteil basiert auf einem Kenntnisstand, der extern ist. Der nicht fundiert recherchiert ist. Der keine Details aus dem Innenleben von T-Mobile kennt – und mag daher an einigen Stellen einseitig sein. Aber: Das Kommunikationsverhalten soll dennoch kurz analysiert werden.

Denn selbst vor dem Hintergrund einer wenig ausführlichen Recherche bleibt festzuhalten: Liebe T-Mobile-Kommunikations-Verantwortliche, so geht es nun wirklich nicht. Wer augenscheinlich bewusst eine Mini-Meldung ohne echte Informationen auf der Website versteckt, wer allem Anschein nach keinen Krisenplan vorbereitet hat (unverantwortlich, wenn es sich um einen Konzern dieser Größe handelt), wer über Sprecher (und nicht über den Chef) in einer derartigen Krise kommunizieren lässt, wird verlieren. Auf ganzer Linie: Reputation. Kunden. Image. Der Schaden ist schon jetzt immens.

Ein wenig Eigenwerbung: Dietrich von Gumppenberg, wbpr-Gründer, ist ein ausgemachter Krisen-Kommunikationsexperte. Nicht nur seine, sondern unzählige weitere, im Web recherchierbare “Notfallpläne” bzw. Leitfäden gibt es, wie man im Krisenfall handeln sollte. Egal, ob man nun von Gumppenberg folgen will oder nicht – mit vielen seiner Thesen wäre T-Mobile sicher gut beraten (gewesen).

Interessant wäre nun von Ihnen als Journalist zu erfahren, ob es gegenüber den Medien vielleicht mehr Informationen gegeben hat. Oder ob die dpa mehr Informationen hatte, die dann zu Ihnen in die Redaktion kam. Oder oder oder…

Nun, aber unabhängig davon, was wäre denn sinnvoll gewesen? Werfen wir einen Blick auf die Thesen von Gumppenbergs. Bspw. zur Frage, ob und wenn ja wie sich Unternehmen auf Krisen vorbereiten können:

Eine Krise kommt überraschend, aber die Firma muss auf solche Fälle vorbereitet sein, um damit umgehen zu können. Manager sollten mögliche Problemherde bereits im Voraus analysieren und Konzepte sowie Notfallpläne vorbereiten. So wie man einen Verbandskasten im Auto liegen hat, den man bei Bedarf holt.

Diesen Verbandskoffer gab es offensichtlich nicht. Sonst hätten die Verantwortlichen sicher nicht versucht, die Meldung “klein zu halten”, indem sie auf der Website versteckt wurde. Anders kann ich mir dieses Vorgehen nicht erklären. In jedem Fall ist es falsch – denn bei einer derartigen Krise ist das Thema so oder so da. Vertuschen hilft nichts – und macht angreifbar.

Grundsätzlich gelten in der Krise genau die Regeln, die nun auch die Kommunikation im Web 2.0 dominieren: Ehrlichkeit und Offenheit. Je größer die Krise, desto sicherer ist davon auszugehen, dass Verheimlichen nichts bringt – und jeder Versuich einer Vertuschung wie ein Keulenschlag zurück schwingt.

Besser ist es, offen zu kommunizieren – sicher niemals blauäugig oder unvorbereitet, aber eben ehrlich. Und strategisch. Und so, dass die Kommunikationshoheit beim Unternehmen bleibt – und nicht Gerüchte und Mutmaßungen die Krise nochmals aufheizen, v.a. emotional.

Bspw. würde m.E. eine frühzeitige, offizielle wenngleich kurze Stellungnahme à la “Wir wissen noch nicht, woran das Problem liegt. Wir bedauern dies sehr und entschuldigen uns schon jetzt für die Unannehmlichkeiten. Wir arbeiten mit Hochdruck an der Lösung und informieren Sie regelmäßig über Fortschritte. Bei Fragen haben wir folgende Telefonnnummer geschaltet, auf dieser URL gibt es Informationen” usw. sehr viele Mutmaßungen, und damit Verschlechterungen der Lage verhindert haben.

Von Gumppenberg sagt dazu:

Ein Brandherd lebt von den Informanten und Gerüchten. Offenheit umgeht diese Hürde.

Und weiter:

Eine Krise ist immer Chefsache. Die Fäden müssen ganz oben im Management zusammenlaufen. Es darf nur mit einer Stimme gesprochen werden. Meistens ist proaktives Vorgehen der richtige Weg.

Sicher war diese Krise von T-Mobile Chefsache. Nur habe ich dies als Externer leider gar nicht so wahrgenommen.

Wäre T-Mobile pfiffig gewesen, trotz der Krise, hätte man bspw. Google Ads schalten können. Zu Keywords, die zur Thematik passen: T-Mobile, Netzausafll etc. – dahinter liegt dann eine vorbereitete Landingpage, auf der die Informationen (siehe oben) hinterlegt sind. Das altehrwürdige “Darksites”-Konzept einer Online-Krisenkommunikations-(Präventions)-Strategie auf Web 2.0 verlängert.

Andere sind da schneller, wie ich beim Telefon.de-Shopping Blog gesehen habe: Der Wettbewerber E-Plus hat genau mit dieser Strategie (Google Ads) reagiert. Hut ab davor – das ist schnell und clever agiert. Und sehr effektiv.

Und vielleicht tun wir den Kommunikationsverantwortlichen von T-Mobile alle unrecht – denn im Zuge der Netzausgfall-Krise war/ ist die Gewinnwarnung der Telekom fast keine Berichterstattung wert. Doch diese Strategie traue ich T-Mobile ehrlich gesagt nicht zu.

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